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Zeugnisse des Urmeers

Korallen von der Alb: Biosphärenzentrum zeigt besterhaltene Versteinerungen der Jurazeit

Außerhalb Baden-Württembergs kennt sie kaum einer, dabei sollten sie weltberühmt sein: Auf der Schwäbischen Alb gibt es die am besten erhaltenen Versteinerungen von Korallen, Muscheln und Seeigeln aus der Jurazeit. Das Biosphärenzentrum stellt die 150 Millionen Jahre alten Fossilien bis November aus.

31.08.2016
  • Maik Wilke

Münsingen.Dort, wo heute Bauern ihre Äcker pflügen und Wanderer spazieren gehen, breitete sich vor 150 Millionen Jahren das Urmeer aus. Als dieses zu Ende der Jurazeit abebbte, bildeten sich von der mittleren bis zur östlichen Schwäbischen Alb prächtige, formen- und artenreiche Korallenriffe, erklärt Ulrich Sauerborn vom Aalener Urwelt-Museum. Die Versteinerungen dieser Korallen sowie von Schwämmen, Muscheln und Seeigeln sind laut dem Experten die „schönsten und am besten erhaltenen Versteinerungen der Jurazeit“ weltweit. Das Biosphärenzentrum Schwäbische Alb stellt viele der jurazeitlichen Meeresbewohner bis zum 6. November in ihren Räumen in Münsingen-Auingen aus.

„Das Urmeer ist ganz flach geworden, gerade einmal 5 bis 40 Meter tief“, sagt Sauerborn. Dadurch war das Meer lichtdurchflutet und warm. Das tropische Klima ermöglichte eine unglaubliche Vielfalt an Korallen, Seeigeln, Seesternen, Schwämmen und Muscheln. Denn die Alb lag damals auf Breitengraden, in denen heute das Rote Meer oder die Karibik liegen. Die Kontinentalverschiebung drückte das Gebiet in den Norden.

Dass die Korallen und die Riffbewohner nach 150 Millionen Jahren so gut erhalten sind, liegt am „Wunder der Verkieselung“, sagt Sauerborn. Während der Gesteinsbildung (Diagenese) wurden die Kalkskelette in harten und bruchfesten Quarz umgewandelt. „Den genauen Vorgang können Forscher aber noch nicht erklären“, so Sauerborn. Die Versteinerungen sind jedenfalls so stabil, dass sie das Lösen aus dem Gestein überstehen. Dabei werden die Steine, in denen sich Korallen oder Tiere befinden, in eine Salzsäurelösung gegeben. Etwa 30 bis 60 Minuten später sind Fundstücke aus der Jurazeit frei gelegt. Wurde ein Fossil beim Pflügen vom Bauern beschädigt, wird die betroffene Stelle mit Kerzenwachs abgedeckt. „Sonst läuft die Säure in das Innere des Fossils, und dort ist die Koralle nicht durch die Versteinerung geschützt“, erklärt Sauerborn.

Gefunden werden die urzeitlichen Überbleibsel auf einem riesigen Gebiet – am häufigsten jedoch in Nattheim bei Heidenheim. Dort wurde anfangs des 20. Jahrhundert nah an der Oberfläche nach Bohnerz gegraben und dabei herausgewitterte, im Lehm enthaltene Korallen gefördert. Heute wissen Hobby-Sammler, aber auch Museumsmitarbeiter genau, an welchen Stellen sie suchen müssen. „Da kommt es schon vor wenn ein Bauer sein Feld umpflügt, dass Sammler fragen, ob sie nach versteinerten Korallen suchen dürfen“, erzählt Sauerborn. „Da denkt sich der eine oder andere Bauer sicher: ‚Der spinnt doch total.‘“ Begehrt ist bei Sammlern auch Riffschutt – eine Verbindung von Korallen mit Muscheln, Schwämmen und Schnecken.

Von den Fluren in Nattheim, Gerstetten, Ulm und Blaubeuren geht’s für die Fossilien in die weite Welt. Museen in Stuttgart, Wien, Oslo, London und New York haben teils große Sammlungen der Jura-Zeugnisse, die sich kaum von ihren noch lebenden Verwandten und Artgenossen unterscheiden.

Die Ammoniten beeindrucken heute Sammler und Hobby-Geologen – früher waren sie sogar im wörtlichen Sinn wertvoll. Steinzeitmenschen nutzten Bonifatiuspfennige, kleine versteinerte Schwämme mit einem Loch in der Mitte, als Zahlungsmittel. Bereits Neandertaler schmückten sich mit den Urzeit-Fossilien.

Info:Die Schau im Biosphärenzentrum in Auingen kann während der täglichen Öffnungszeiten besichtigt werden. Führung mit Ulrich Sauerborn und Kinderprogramm gibt’s am 17. September sowie am 2. November.

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31.08.2016, 01:00 Uhr
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