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Konferenz der Zerstrittenen
Schwierige Suche nach Kompromissen: Der saudi-arabische Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir leitet die Syrien-Konferenz. Foto: afp
Syriens Opposition trifft sich in Riad - Waffenstillstand einziges gemeinsames Ziel

Konferenz der Zerstrittenen

Im saudi-arabischen Riad kommen heute Vertreter der syrischen Opposition zusammen. Ihre Interessen unter einen Hut zu bekommen, ist ein schwieriges Unterfangen. Und die Kurden sind nicht mal eingeladen.

09.12.2015
  • MARTIN GEHLEN

Riad. Die kalte Dusche kam gestern aus dem fernen Moskau. Es sei voreilig, die nächste Syrien-Konferenz für den 18. Dezember nach New York einzuberufen, ließ Russlands Außenminister Sergej Lawrow übermitteln. Wenn es kein Einvernehmen darüber gebe, wer in Syrien ein Terrorist und wer ein Mitglied der Opposition sei, mache ein weiteres Diplomatentreffen über einen politischen Übergangsprozess und einen Waffenstillstand keinen Sinn.

Die Warnung zielt vor allem auf Riad, wo Saudi-Arabien diese Woche mehr als hundert Vertreter syrischer Oppositioneller und Rebellenkommandeure zu einem dreitägigen Treffen zusammengetrommelt hat - der bisher wichtigste Anlauf, die Gegner Assads nach fünf Jahren Bürgerkrieg unter einen Hut zu bringen. "Wir versuchen, ein möglichst großes Spektrum zusammenzubringen", erklärte der saudische Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir. Geladen seien "alle Teile der moderaten Opposition, sämtliche Parteien, Strömungen, ethnische Gruppen, Religionsgemeinschaften und politische Fraktionen innerhalb und außerhalb Syriens".

Das Königreich agiert neben Katar und der Türkei als wichtigste regionale Schutzmacht der Rebellen. So fällt seinen Diplomaten dieser Tage eine Schlüsselrolle zu. Sie sollen die notorisch zerstrittenen Lager auf eine gemeinsame Waffenruhe für Anfang Januar einschwören, damit sich in Syrien nach mehr als 250 000 Toten überhaupt ein politischer Verhandlungsprozess mit dem Regime in Gang setzen lässt.

Gleichzeitig müssen sie eine international akzeptable Linie ziehen zwischen so genannten moderaten und radikalen Kampfverbänden. Tiefe Gräben gibt es zudem zwischen der politischen Opposition im türkischen Exil und der einheimischen Opposition in Damaskus, die stets für einen Kompromiss mit dem Assad-Regime geworben hat, um Syrien nicht völlig zu zerstören. Die Frage nach der Zukunft des Diktators Assad dürfte eine entscheidende der Konferenz werden.

Kein Wunder, dass das dreitägige Projekt derzeit mehr Fragen aufwirft als Antworten bietet. Dass der Mitte November im Wiener Zeitplan vereinbarte Waffenstillstand nicht für den "Islamischen Staat" gilt, ist bisher der einzige gemeinsame Nenner aller Seiten. Doch schon bei der Eroberungsarmee ("Jaish al-Fatah"), dem mächtigsten Zusammenschluss islamistischer Brigaden, beginnt das Bild zu verschwimmen. Die Al-Nusra-Front bildet das militärische Rückgrat dieser Allianz, die beträchtliche Teile Nordsyriens kontrolliert. Deren Krieger wurden nicht eingeladen. Sie zählen aus der Sicht von Europa, USA und Russland zu Al Kaida und sollen weiter bekämpft werden.

Andere islamistische Teilverbände wie die "Islamische Armee" ("Jaish al-Islam") und die kampfstarke "Islamische Bewegung der freien Männer der Levante" ("Ahrar al-Sham") dagegen sollen künftig zum moderaten Oppositionslager gerechnet werden - eine Wahl, die weder den Russen noch den Iranern passt. Zu den Gemäßigten gehören auch die restlichen Brigaden der "Freien Syrischen Armee", die vor allem im Süden des Landes nahe der Grenze zu Jordanien operieren.

Zusätzlich erschwert die Lage die Entscheidung der Saudis, auf Druck der Türkei und des Irak sämtliche bewaffnete Kurdengruppen von den Oppositionsgesprächen auszugrenzen. Deren Verbände sind allerdings bisher die einzigen, die nennenswerte Erfolge gegen den IS auf dem Schlachtfeld erzielen konnten. Und so organisieren die Kurden dieser Tage im Städtchen Al-Malikiyeh ihre eigene Rebellenkonferenz.

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09.12.2015, 08:30 Uhr
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