Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Waischenfeld

Kommune schnappt NPD-Funktionär ein Wirtshaus weg

Erst wollte ein NPD-Funktionär aus Baden-Württemberg eine leerstehende Gaststätte in Waischenfeld (Landkreis Bayreuth) in Oberfranken kaufen - doch dann schritt die Kommune ein.

02.02.2018
  • dpa/lby

Waischenfeld. Am Freitag hat die Stadt nun den Gasthof für 130 000 Euro selbst gekauft, wie Bürgermeister Edmund Pirkelmann der Deutschen Presse-Agentur mitteilte: «Der Gefahr, dass sich rechtsextremistische Strukturen in der Region ansiedeln beziehungsweise festigen könnten, konnte daher nach Meinung des Stadtrates und der Sicherheitsbehörden nicht anders begegnet werden, als die Immobilie zu erwerben.»

Obwohl die Kommune auf Stabilisierungshilfe angewiesen ist, konnte die Stadt die notwendigen Mittel im Haushalt einstellen, ohne die Auflagen zu verletzen. Pirkelmann und seine Stadträte rechnen mit höheren Einnahmen, unter anderem aus der Gewerbesteuer. «Der Kauf der Immobilie ist deshalb aus eigener Kraft im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung möglich», sagte Pirkelmann. Am Tag zuvor war noch unklar gewesen, wie schnell die klamme Kommune den Kauf überhaupt realisieren kann.

Vor einigen Tagen war bekanntgeworden, dass ein NPD-Funktionär aus Baden-Württemberg den Gasthof kaufen und wiederbeleben wollte. Medienberichten zufolge hatte er versichert, die Immobilie habe nichts mit der Partei zu tun.

Trotzdem schrillten bei vielen Politikern und Bürgern die Alarmglocken. Denn im Landkreis Bayreuth gab es vor einigen Jahren schon einmal ein früheres Gasthaus, das Neonazis erwerben wollten. Sie planten, dort ein Schulungszentrum zu errichten. Der Widerstand in der Bevölkerung war groß, schließlich sprang auch hier die Kommune ein. Die Gemeinde Warmensteinach musste zwar vor Gericht um ihr Vorkaufsrecht kämpfen - hatte aber schließlich 2011 Erfolg. Heute leben dort 60 Flüchtlinge, wie ein Sprecher des Landratsamts in Bayreuth sagte.

In Oberprex im Landkreis Hof dagegen gelang es Rechtsextremisten, einen alten Gasthof zu erwerben. Dem Verfassungsschutz zufolge hatte sich hier das Neonazinetzwerk «Freies Netz Süd» (FNS) seine Zentrale eingerichtet. Das FNS ist inzwischen verboten, das Anwesen in Oberprex war 2014 von den Behörden beschlagnahmt worden.

Dass Gasthöfe auf dem Land auf die rechtsextreme Szene eine gewisse Attraktivität ausstrahlen, überrascht Martin Becher nicht. Der Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz, Demokratie und Menschenwürde sagte, diese Gebäude würden sich für einschlägige Szenetreffs anbieten. Man könne sich ohne viel Aufwand und ohne Störfeuer treffen. Auch würden deutsche Landgasthöfe zur Ideologie der Szene passen.

In Thüringen war es Rechtsextremisten gelungen, einen Gasthof in Kloster Veßra (Kreis Hildburghausen) zu übernehmen. Wenn sich die rechtsextreme Szene anschickt, eine Immobilie zu übernehmen, sei es der beste Weg, Öffentlichkeit herzustellen. «Die Bevölkerung muss sagen: Das wollen wir nicht. Öffentlichen Protest finde ich gut», sagte Becher.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

02.02.2018, 20:54 Uhr | geändert: 02.02.2018, 20:10 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular