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Naturkunde

Kommt ein Urzeitelefant geflogen

Das Museum am Löwentor modernisiert seine Ausstellung. Jetzt sind gigantische Exponate aus Spanien eingetroffen. Sie sollen bald Gesellschaft bekommen.

29.01.2020

Von CAROLINE HOLOWIECKI

Die Urzeitelefanten geben einen ersten Eindruck davon, was die Besucher in der neuen Ausstellung erwarten wird. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Gerade erst aus Spanien angekommen, und schon gibt's Zoff! Das Stuttgarter Museum am Löwentor ist seit Dienstag um zwei Attraktionen reicher. Vor einer großen Fensterfront stehen zwei gewaltige Gomphotherien, Urzeit- elefanten mit vier Stoßzähnen. Und „sie tun das, was Männchen am besten können: Sie kämpfen in der Paarungszeit“, erklärte der Paläontologe Michael Rasser bei der Präsentation. Hergestellt wurden die lebensecht wirkenden Streithähne bei einer Spezialfirma, die in der Nähe von Barcelona ihren Sitz hat. Nun wurden die drei mal fünf Meter großen und jeweils mehr als 500 Kilogramm schweren Modelle aus Kunstharz per Kran an ihren Bestimmungsort gehievt.

Die Ankunft der kampfeslustigen Rüsseltiere markiert einen neuen Arbeitsabschnitt am Löwentor. Seit rund zehn Jahren wird die Dauerausstellung im 35 Jahre alten Museum im Stuttgarter Norden sukzessive erneuert. Moderner soll alles werden, „es gibt auch immer wieder neue Erkenntnisse“, erklärte Saskia Ehrnsperger, die stellvertretende Leiterin der Ausstellungsabteilung. Die Saurier waren schon dran, die Eiszeit wurde auch bereits überarbeitet, jetzt folgt der letzte Streich: das Tertiär, also die Zeit, die vor etwa 65 Millionen Jahren begann und vor gut zwei Millionen Jahren endete.

Die Abteilung, in der gezeigt wird, was nach den Dinos kam, ist seit kurz vor Weihnachten geschlossen. Bis Herbst noch werden sich die Besucher gedulden müssen, bis alles fertig sein wird. „Wir eröffnen im Oktober“, erklärte Johanna Eder, die Direktorin des Staatlichen Museums für Naturkunde, zu dem sowohl das Museum am Löwentor als auch das Schwestermuseum in Schloss Rosenstein gehören.

Viele Fundstellen im Ländle

Die Urzeitelefanten – Kostenpunkt für die gigantischen Modelle: mehr als 100 000 Euro – geben einen ersten Eindruck davon, was die Besucher erwarten wird. Die Gomphotherien, frühe Onkel der heutigen Elefanten, lebten vor etwa 13,5 Millionen Jahren, und siehe da: Es sind Schwaben. „Wir machen nicht nur auf Disney World, wir haben die Fossilien dazu“, sagte Michael Rasser. Echte Kieferteile und Stoßzähne, die neben den Nachbildungen zu sehen sein werden, stammen aus dem Gebiet rund ums Steinheimer Becken, das vor Millionen Jahren im heutigen Kreis Heidenheim durch einen Meteoriteneinschlag entstand. „Baden-Württemberg ist sehr reich an besonderen Fundstellen“, erklärte Johanna Eder.

Freilich werden die zankenden Wuchtbrummen aus Spanien nicht allein bleiben. Ihnen werden in Dioramen, also originalgetreuen Nachbildungen des natürlichen Lebensraums, so exotische Wesen wie Vampirhirsche, Urzeitpferdchen oder Bärenhunde an die Seite gestellt. An den Zeitgenossen der Dickhäuter wird aktuell hinter verschlossenen Türen gearbeitet.

Noch ein Streithahn

Norbert Adorf, ein paläontologischer Präparator, hat gerade den schauerlichen Kopf eines Megalodons fertiggestellt, eines riesigen Hais. Der Ahn des Weißen Hais war einst um die zwölf Meter lang, „die Größe ist so gigantisch, dass wir kein ganzes Modell zeigen können“, erklärte er, daher wird ab Herbst nur ein gut und gerne zwei Meter großer Kopf zu sehen sein, der mit weit aufgerissenem Maul aus dem Boden ragen wird. Wieder so ein Streithahn.

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Erstellt:
29. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 06:00 Uhr

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