Fachliche Patzer

Kommentar zur Windkraft im Südwesten

Dass die Windkraft in Baden-Württemberg ein Schattendasein führt, muss einer von den Grünen geführten Landesregierung eigentlich schwer im Magen liegen.

13.01.2020

Von Roland Müller

Von den einst hochtrabenden Plänen und Ankündigungen, den Südwesten in eine Art Musterländle für erneuerbare Energien zu verwandeln, ist fast neun Jahre nach der Regierungsübernahme wenig übrig. Zehn Prozent des im Südwesten erzeugten Stroms sollten bis 2020 aus Windkraft stammen – erreicht wurde nicht einmal die Hälfte davon.

Politisch geschadet hat diese dürftige Bilanz den Grünen und Umweltminister Franz Untersteller bisher allerdings nicht. Bei der Frage nach den Schuldigen konnten sie stets einfach nach Berlin zeigen: Schließlich hat die schwarz-rote Koalition die Energiewende derart miserabel gemanagt, dass sie an ihren Widersprüchen geradezu zu ersticken droht. Was bundesweit verbockt wird, kann eine Landesregierung nicht wettmachen, so die – im Kern korrekte – Analyse.

Doch dieses Narrativ bekommt Risse, wenn deutlich wird, dass man die eigenen Hausaufgaben nicht gemacht hat: Wenn für zwei bereits genehmigte Windparks Baustopps verhängt werden und der Verwaltungsgerichtshof den jahrelang gültigen „Windkrafterlass“ des Landes wegen rechtswidriger Vorgaben kippt, mag die Welt zwar nicht untergehen. Eine Ohrfeige ist es allemal, wie auch die angesäuerten Reaktionen der Betreiber und des Branchenverbands zeigen. Nicht einmal das Wenige, das sich im Südwesten bei der Windkraft tut, kann offenbar ohne fachliche Patzer bewältigt werden. Sollten die betroffenen Firmen das Land auf Schadenersatz für ihre Mehrkosten verklagen, wäre der grüne PR-Gau komplett.

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Erstellt:
13. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2020, 06:00 Uhr

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