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Leitartikel: Afghanistan

Kommando zurück?

Von Gunther Hartwig In drei Jahrhunderten haben sich unterschiedliche Großmächte vergeblich daran versucht, Afghanistan mit militärischen Mitteln nachhaltig zu befrieden. Gescheitert sind an dieser Herausforderung nacheinander die Briten, die Sowjetunion und schließlich die Amerikaner samt ihren Verbündeten.

05.10.2015
  • SWP

Die Kriege am Hindukusch, die von den Invasoren mit je eigenen Absichten geführt wurden, brachten dem Land selbst keine dauerhafte Sicherheit, sie verursachten vielmehr Opfer und Zerstörung, während die Hoffnung auf eine anhaltende Stabilität im Innern und einen robusten Aufbau staatlicher Strukturen weitgehend unerfüllt blieb.

Militärisch, so heißt es jetzt allenthalben wieder, ist der Kampf um ein Mindestmaß an Recht und Ordnung in Afghanistan offenkundig nicht zu gewinnen. War die Mission, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Washington verkündet und von den Nato-Partnern aktiv unterstützt, also vergeblich oder sogar von Anfang an falsch? Zugespitzt formuliert: Sind nicht zuletzt 54 Bundeswehr-Soldaten fern der Heimat umsonst gestorben?

Jedenfalls war es eine Illusion zu glauben, die Truppen der Alliierten könnten dieses unterentwickelte Land nicht nur von der islamistischen Schreckensherrschaft der Taliban befreien, sondern die Bevölkerung gleich auch noch von westlichen Werten überzeugen und auf den kapitalistischen Wohlstandspfad führen. So stehen das militärische wie das politische Fiasko als doppeltes Menetekel nebeneinander.

Es sind im Laufe der letzten Jahre viele Fehler in Afghanistan gemacht worden - militärisch, taktisch, ideologisch. Sie haben dazu geführt, dass großartige Leistungen von Soldaten, Diplomaten, Technikern und Entwicklungshelfern im humanitären, medizinischen oder sozialen Bereich immer wieder überschattet und in Frage gestellt wurden durch Anschläge, Gewalt und Chaos. Nein, es ist beileibe nicht alles schlechter geworden durch den immensen materiellen und persönlichen Einsatz der internationalen Staatengemeinschaft in Afghanistan: Mädchen dürfen zur Schule gehen, Mütter und Kleinkinder werden besser versorgt als je zuvor, der Zugang zu sauberem Wasser ist kein Luxus für Eliten mehr - ist das etwa nicht gut und kein Fortschritt?

Trotzdem ist das Gesamtergebnis des seit bald 15 Jahren währenden Engagements ernüchternd, denn der Blick auf Gegenwart und Zukunft des Landes wird von vielen Sorgen getrübt. Dass unsere freiheitliche Demokratie am Hindukusch verteidigt werden muss, wie der damalige Verteidigungsminister Peter Struck den beim Volk nicht populären Auslandseinsatz einst begründet hat, bleibt bei aller plakativen Schlichtheit dieses Satzes richtig - doch gilt das ebenso für andere Kriegsregionen dieser Welt. Das bedeutet aber gewiss nicht, einen Strategiewechsel in Afghanistan zu vollziehen, den Abzug zu stoppen und sich Hals über Kopf in einen neuerlichen Kampfeinsatz zu stürzen.

Das Land muss seinen Weg zu einer inneren Machtbalance und zu friedlicher Koexistenz mit seinen Nachbarn nun endlich selbst finden. Der Westen wird seine (Militär-)Hilfe dabei weiter leisten, notfalls länger als bisher geplant, muss aber den Druck auf das Regime in Kabul erhöhen, den begonnenen Dialog mit den gemäßigten Taliban zu forcieren und den Einfluss von Clans und Drogenbaronen zu begrenzen. Das ist die einzig akzeptable Alternative zu einem sinn- und endlosen Krieg, in dem Zivilisten und Soldaten für eine vage Zukunft ohne Hoffnung geopfert werden.

Kabul muss innere Machtbalance

selbst finden

leitartikel@swp.

Kommando zurück?

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05.10.2015, 12:00 Uhr
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