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Stuttgart · Nachhaltigkeit

Kohlendioxid im Tank

Synthetische Kraftstoffe sollen die Klimabilanz von Flugzeugen verbessern. Dafür wird CO2 aus der Zementindustrie verwendet.

27.01.2020

Von MAXIMILIAN HALLER

Mehr als die Hälfte der Treibhausgasemissionen der Luftfahrt sollen sich durch durch nachhaltige Kraftstoffe, die mit Hilfe erneuerbarer Energien erzeugt werden, vermeiden lassen. Problem sind die hohen Kosten. Foto: imago stock&people via www.imago-images.de

Stuttgart. Baden-Württemberg wird das Klimaziel 2020 nicht erreichen. Da ist sich Uwe Lahl, Amtschef des baden-württembergischen Verkehrsministeriums, sicher. Zumindest der Verkehrssektor werde die anvisierte Reduzierung der Emissionen um 20 bis 25 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 nicht schaffen. Stattdessen steuere er sogar auf ein Plus von 13 Prozent zu. Eine düstere Prognose, doch das Verkehrsministerium setzt seine Hoffnung in sogenannte „Refuels“. Hinter diesem Begriff stecken nachhaltige Kraftstoffe, die mit Hilfe erneuerbarer Energien erzeugt werden. Doch wie realistisch ist dieses Unterfangen? In Stuttgart wurden jüngst die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorgestellt. Das vorläufige Ergebnis: An der technischen Umsetzung hapert es nicht.

Tim Böltken, Geschäftsführer der Firma Ineratec aus Karlsruhe, erläuterte das Konzept anhand des Beispiels Zement: Bei der Herstellung des Baustoffs werden rohstoffbedingt große Mengen an Abgasen, darunter CO2, freigesetzt. Dieses kann in einer Aufbereitungsanlage gekühlt, gewaschen, getrocknet und anschließend verflüssigt werden. Mittels einer „Power-to-Liquid“-Anlage kann das verflüssigte CO2 wiederum zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen wie beispielsweise Kerosin genutzt werden, welches als Treibstoff für Flugzeuge dient.

Synthetische Kraftstoffe erzeugen bei ihrer Verbrennung zwar in etwa so viel CO2 wie herkömmliche Kraftstoffe. Im Idealfall wird dabei aber nur so viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt, wie für die Herstellung der Kraftstoffe aufbereitet wurde. Potenziell können mehr als 50 Prozent der Treibhausgasemissionen aus der Luftfahrt durch den Einsatz von „Refuels“ vermieden werden. „Mit CO2 zu fliegen, das ist der Heilige Gral. Da wollen wir alle hin.“

Zuspruch findet das Konzept auch bei der Geschäftsführerin der Flughafen Stuttgart GmbH, Arina Freitag: „Wir müssen technologisch alles dafür tun, den Luftverkehr deutlich klimaneutraler aufzustellen.“ Dabei setze das Unternehmen auf „Sustainable Aviation Fuel“ (SAF) – nachhaltigen Treibstoff, der in der Luftfahrt verwendet wird. Zum Vergleich: Aus dem Abgas eines einzelnen Zementwerks kann der Bedarf des Stuttgarter Flughafens an SAF zweifach gedeckt werden.

Dieses Potenzial will die Flughafen Stuttgart GmbH nutzen. „Wir wollen möglichst schnell und möglichst viel SAF bei uns vor Ort haben“, so Freitag. Aus diesem Grund plane das Unternehmen noch in diesem Jahr, zu prüfen, wie sich „Refuels“ möglichst effektiv in den Flughafen integrieren lassen.

Nachhaltiger Treibstoff, der aus dem „Klimakiller“ CO2 gewonnen wird, und die Bereitschaft der Industrie, diesen auch zu nutzen – bedeutet das nun den Startschuss für klimaneutrale Flugreisen? Nicht ganz. Denn ein Punkt bereitet den Beteiligten Kopfzerbrechen: Die Kosten. „Das wird wirklich teuer werden“, war sich Freitag sicher. Aktuell liegen die Kosten für konventionell hergestelltes Kerosin bei rund 450 EUR pro Tonne. Synthetisches Kerosin ist hingegen um das Vier- bis Achtfache teurer. Der Grund dafür ist die Stromversorgung der „Power-to-Liquid“-Anlage. „Der Strompreis macht etwa 80 Prozent der Kosten aus“, erklärte Böltken.

Dennoch bestehe großes Potenzial, die Entstehungskosten zu senken, vor allem dank bestimmter Standorte, an denen die Strompreise vergleichsweise günstig sind. Im Zuge der Machbarkeitsstudie wurden vier Zementwerke als potenzielle Standorte für eine Pilotanlage untersucht.Zur Auswahl stehen Schwenk in Allmendingen, Heidelberg Cement in Schelklingen, Opterra in Wössingen sowie Holcim in Dotternhausen.

Laut Böltken eignen sich prinzipiell alle vier Anlagen als Rohstofflieferanten für das Vorhaben. Sollte das Pilotprojekt an einem einzelnen Standort realisiert werden, so sei nach jedoch die Firma Schwenk zu empfehlen, da hier in direkter Nähe zum Werk das größte Flächenangebot zur Verfügung stehe.

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Erstellt:
27. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2020, 06:00 Uhr

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