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FDP-Europapolitikerin wartet ab

Koch-Mehrin schweigt zu Plagiatsvorwürfen

Die Doktorarbeit von Silvana Koch-Mehrin (FDP) wird an der Universität Heidelberg weiter geprüft. Die unter Plagiatsverdacht geratene Vizepräsidentin des Europa-Parlaments hüllt sich derweil in Schweigen.

15.04.2011

Von HANS GEORG FRANK

Heidelberg Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät an der Heidelberger Universität befasst sich seit Mittwoch mit der Doktorarbeit von Silvana Koch-Mehrin (40) aus dem Jahr 1998. In die Analyse des Textes wurden auch Vertreter der 1998 gegründeten "Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" einbezogen. "Jetzt wird geprüft und gewogen", sagte Uni-Sprecherin Marietta Fuhrmann-Koch der SÜDWEST PRESSE. Dies geschehe "so zügig wie möglich, aber mit der gebotenen Sorgfalt". Ein Ergebnis sei "eher in Tagen und Wochen als in Monaten" zu erwarten. Vor Ostern jedoch nicht mehr.

Die liberale Frontfrau und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments war mit ihrer Dissertation über die "lateinische Münzunion" - wie berichtet - unter Plagiatsverdacht geraten. Die Heidelberger Kontrolleure gehen jetzt der Frage nach, ob Koch-Mehrin mehr als zulässig abgeschrieben hat, ohne Quellen anzugeben. Sobald ein Resultat vorliegt, wird die Politikerin um eine Stellungnahme gebeten. Bisher ist die Ex-Studentin nur über das Verfahren informiert worden. Sollte es sich bei der Verfehlung lediglich um eine Bagatelle handeln, könne eine Korrektur verlangt werden, erklärte die Uni-Sprecherin. Bei einem schwerwiegenden Verstoß gegen wissenschaftliche Regeln würde der Titel aberkannt.

Die Universität Heidelberg untersucht mit Hochdruck die Plagiatsvorwürfe gegen die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin. Archivfoto

Silvana Koch-Mehrin hält sich komplett bedeckt. "Sie sagt nichts", erklärte ihr Sprecher Georg Streiter auf Anfrage. Aus ihrem Umfeld verlautete allerdings, dass die 2004 gewählte Europa-Abgeordnete dem Ausgang des Verfahrens eher gelassen entgegensieht. Zwar haben die auf Doktorarbeiten spezialisierten Internet-Fahnder inzwischen auf über 20 Prozent der 227 Seiten umfassenden Dissertation Koch-Mehrins Hinweise auf mögliche Plagiate gefunden. Doch zum Teil handelt es sich nur um Halbsätze, die aus anderen Werken oder nicht genannten Quellen stammen könnten.

Die mit der drittbesten Note "cum laude" ("mit Lob") bewertete Arbeit als Abschluss des Studiums in Wirtschaftsgeschichte hat nicht nur Koch-Mehrins "Doktorvater", der frühere Heidelberger Uni-Rektor Volker Sellin geprüft, sondern auch ein zweiter Professor. Die enge Verflechtung zwischen Betreuer und Kontrolleur sei in einer "Individualpromotion" üblich, erklärte Marietta Fuhrmann-Koch. In Graduiertenprogrammen dagegen würden die Doktoranden in einem Verbund mit anderen betreut.

An der 1386 gegründeten Universität wurde bisher ein Doktortitel aberkannt. Eine Dissertation wird derzeit auf wissenschaftliches Fehlverhalten überprüft. Ob künftig von Doktoranden eine eidesstattliche Versicherung verlangt wird, ist derzeit im Gespräch.

Die Diskussion um die liberale Kollegin mag der neu in den baden-württembergischen Landtag gewählte Matthias Pröfrock (CDU) aus Waiblingen nicht kommentieren. Auch er steht unter Plagiatsverdacht, allerdings hatte er sofort gehandelt und die Universität Tübingen um eine Überprüfung gebeten. "Ich warte ab", sagte er gestern, "erst wenn das Ergebnis vorliegt, werde ich mich öffentlich äußern."

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Erstellt:
15. April 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. April 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. April 2011, 12:00 Uhr

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