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Verkehrslösung gefunden · Tunnelbau frühestens in 20 Jahren fertig

Knoten vor dem Schindhaubasistunnel optimiert

Wie kann man die Verkehrsknoten nördlich und südlich des geplanten Schindhaubasistunnels am besten gestalten? Bürger, Verkehrsplaner des Regierungspräsidiums und die Tübinger Stadtverwaltung haben nun gemeinsam eine Lösung gefunden. Doch: Vor den 2030er Jahren wird das Großprojekt kaum fertig sein.

29.01.2015
  • Gernot Stegert

Tübingen. Ulrich Kunze, der verantwortliche Verkehrsplaner des Regierungspräsidiums, Tübingens Stadtplaner Tim von Winning und rund 30 Bürgerinnen und Bürger zeigten sich am Mittwochabend im Regierungspräsidium zufrieden. Sie lobten den gemeinsamen Prozess der Lösungsfindung und das nun der Öffentlichkeit vorgestellte Ergebnis. Es leitet die täglichen Automassen staufrei über B 27 und B 28, verbraucht weniger Grünflächen als vorherige Varianten und schützt die Anwohner des Französischen Viertels so gut wie möglich vor Lärm.

Knoten vor dem Schindhaubasistunnel optimiert
Rot und Blau sind die geplanten Fahrbahnen am Tübinger Nord-Knoten gekennzeichnet. Die blauen Strecken bestehen schon, die roten müssen neu gebaut werden. Die grünen Linien sind Straßen, die jetzt vorhanden sind, künftig aber wegfallen und renaturiert werden können. Die gestrichelte rote Linie steht für den Tunnel, links vom Ausgang liegt das Französische Viertel. Nördlich des Knotens befinden sich das Wasserschutzgebiet und das Gewerbegebiet Au mit dem kleinen Verkehrsknoten Richtung Lustnau. Die B28 führt von der Mitte des linken Bildrands (Reutlinger Straße) bis nach rechts unten (auf die Härten).

Jahrzehnte schon quält sich der Autoverkehr auf der B 27 durch das Nadelöhr Stuttgarter Straße und belästigt die Anwohner in der Tübinger Südstadt. Offene und gedeckelte Varianten auf der bestehenden Trasse, über und durch den Schindbau wurden abgewogen. Am Ende blieb die lange Tunnelversion übrig. Sie erfordert einen kleinen Verkehrsknoten am Süd- und einen großen am Nordausgang.

Ein 2012 vorgestellter Entwurf des Regierungspräsidiums wirkte auf Oberbürgermeister Boris Palmer wie Bürger monströs. In der Folge beteiligte die Landesbehörde die Betroffenen. Nach einem Jahr war eine Variante mit weniger Beton und Asphalt ausgetüftelt. Doch auch diese war noch zu optimieren. Das haben Kunze und seine Mitarbeiter in den vergangenen Monaten gemacht und das Ergebnis jetzt präsentiert:

Der Tunnel soll 2,3 Kilometer lang sein und aus zwei Röhren mit je zwei Fahrbahnen (ohne Standstreifen) bestehen.

Der Süd-Knoten am Bläsibad ist gegenüber den ersten Entwürfen verschlankt. Die B 27 führt vierspurig aus dem und in den Tunnel. Die jetzige B 27 soll parallel an den bestehenden Kreisel im südlichen Eingang des Gewerbegebiets angeschlossen werden. Der Kreisel wiederum wird an die vierspurige neue B 27 angebunden. Wer also aus dem Süden in die Tübinger Innenstadt will, biegt am Bläsibad von der B 27 ab, quert den Kreisel und fährt auf die ausgebaute Gewerbestraße, die in die alte B 27 eingeschwenkt.

Der Nord-Knoten hat im Planungsprozess die meisten Veränderungen erfahren. Aus einem wüsten Geflecht von Zu- und Abfahrten mit etlichen Brücken hatte schon der Bürgerdialog von 2012 bis 2013 eine übersichtliche Variante gemacht. Doch war bei dieser der Weg aus dem Tunnel von der B 27 auf die B 28 nach Tübingen oder nach Reutlingen zu umständlich. Diese Fahrtbeziehung haben die Verkehrsplaner des Regierungspräsidiums nun durch ein zweites Ohr vor der Abfahrt nach Lustnau vereinfacht.

Folgende Fahrtwege wären dem neuen Entwurf nach zu nehmen:

Der Durchgangsverkehr aus dem Süden (Steinlachtal, Hechingen, Balingen) nach Stuttgart fährt auf der vierspurigen B 27 durch den Tunnel ungehindert geradeaus, bis die Straße auf die bisherige B 27 einschwenkt. Gleiches gilt in die umgekehrte Richtung.

Knoten vor dem Schindhaubasistunnel optimiert
Der Süd-Knoten: Dick rot ist die neue vierspurige B27 beim Bläsibad vor und im Tunnel markiert. Der schmale Strich links davon kennzeichnet die Strecke über den Kreisel nach Tübingen.

Aus dem Tunnel führt kein Weg direkt rechts ab nach Reutlingen. „Das geht technisch nicht“, sagte Kunze. Der Hang sei zu steil. Fahrer müssen stattdessen ein paar hundert Meter weiter fahren, dann rechts abbiegen, wo sie eine Schleife zurück über eine Brücke über die B 27 im rechten Winkel auf die B 28 führt. Dort soll es eine Ampel geben. An der biegen Fahrer aus ihrer Sicht nach Reutlingen links, nach Tübingen rechts ab.

Der Verkehr aus dem Norden nimmt die neue Abzweigung südwestlich des Gewerbegebiets Au zur Ampel an der B 28.

Verkehr aus Tübingen Richtung Süden biegt an der ersten Ampel links ab und fährt auf einer Schleife auf die B 27 in den Tunnel. Verkehr Richtung Norden biegt von der B 28 an einer zweiten Ampel auf der Brücke über die 27 links ab und ist gleich auf der B 27. Damit die Linksabbieger auf der Straße nach Reutlingen keine Staus verursachen, sind neben den zwei Fahrstreifen auch zwei Linksabbiegespuren vorgesehen.

Das Tierheim und der Baseballplatz werden über einen Weg am Rande des Französischen Viertels und kleine Tunnel unter der B 28 hindurch erschlossen. LKW-Verkehr zur Schinderklinge werde es bis zur Fertigstellung des Knotens nicht mehr geben, weil diese bis dahin verfüllt sei, sagte Stadtplaner von Winning.

Die B 28 wird vom Französischen Viertel etwas abgerückt. Das erhält den Verkehrsfluss während der Bauzeit und erlaubt vor allem den Bau schmaler Gewerbegebäude, die als Lärmschutz dienen, auf der jetzigen Straßenfläche.

Von Winning sagte, die Verwaltung werde dem Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss empfehlen. Zwei Punkte würden noch offen diskutiert werden, versprach der Stadtplaner: der Lärmschutz für die Anwohner des Französischen Viertels und dessen Verkehrsanbindung.

Lange Gesichter gab es am Mittwochabend nur, als Kunze den weiteren Ablauf vorstellte. Die Tunnelplanung sei fast fertig, aber Knotenplanungen seien erst am Anfang: „Was wir bisher hatten, können wir natürlich in die Tonne treten.“ Ende 2016 könne das RP fertig sein, um die Planungen 2017 den Landes- und Bundesministerien vorzulegen. Deren Prüfung könne ein Jahr dauern. Dann erst könnten die Unterlagen fürs Planfeststellungsverfahren erarbeitet werden. Dieses selbst dauere mindestens zwei Jahre.

Dann könnten Klagen das Projekt verzögern. Nötig sei ferner eine Ausführungsplanung. Schon ist die zweite Hälfte der 2020er Jahre erreicht. Dann kommt es auf die Finanzierung an. Auch andere Großprojekte im Regierungsbezirk seien mit höchster Priorität bewertet, sagte Kunze. Schließlich müsse man mit sieben bis acht Jahren Bauzeit rechnen. 20 Jahre müssen Tübinger und Auswärtige demnach mindestens noch warten, ehe sie Tunnel und neue Straßen benutzen können.

  • Das gesamte Bauprojekt kostet nach derzeitigen Schätzungen 217 Millionen Euro. Davon entfallen 170 Millionen auf den Tunnel.
  • >Der Planung liegt folgende Verkehrsprognose für das Jahr 2025 zugrunde: am Nord-Knoten 51 300 Kraftfahrzeuge am Tag und am Süd-Knoten 51 400 KFZ. Zwei Drittel davon fahren durch den Tunnel (34 700 KFZ).
  • >Am Bürgerdialog von 2012 bis 2013 waren beteiligt: Regierungspräsidium, Stadtverwaltung Tübingen, Verkehrsministerium des Landes, Initiativgruppe Gartenstadt, Forum Französisches Viertel, Bürgerinitiative Südstadt und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Auch bei der weiteren Überarbeitung in den vergangenen Monaten blieb das RP mit den jeweiligen Akteuren im Gespräch.

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29.01.2015, 12:00 Uhr
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