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Heilbronn

Knapp 2000 Delikte an Flüchtlings-Standorten

Die Polizei im Südwesten ist wegen der Flüchtlingskrise immer stärker gefordert.

06.10.2015
  • dpa

Heilbronn. Zwischen August 2014 und August 2015 leiteten die Beamten in und um Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes 1934 Ermittlungsverfahren ein. Dies geht aus einer Anfrage der FDP-Landtagsfraktion an das Innenministerium hervor, die den Zeitungen «Heilbronner Stimme» und «Mannheimer Morgen» (Mittwoch) vorliegt.

Ein Schwerpunkt bilden Diebstähle mit 1020 Delikten. In 311 Fällen ermittelten die Beamten wegen Körperverletzung. In der Statistik tauchen auch sechs Fälle von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung sowie ein versuchter Mord auf.

Die Zahl der Einsätze beläuft sich dabei auf 1870 – die Beamten mussten an manchen Tagen gleich wegen mehrerer Delikte ermitteln. «Das hinter den Zahlen stehende Ausmaß an Kriminalität und Leid ist erschreckend», sagt FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Mit der derzeitigen Zahl an Mitarbeitern seien die Herausforderungen nicht zu bewältigen. «Wir brauchen mehr Personal vor Ort und mehr Polizei», sagt der Politiker. Die FDP fordert eine Aufstockung der Polizei im Land um 1000 Stellen.

In zunehmendem Maß muss demnach auch die Bereitschaftspolizei – sie gehört zum im Januar 2014 geschaffenen «Polizeipräsidium Einsatz» mit Sitz in Göppingen – ihre Kollegen an den Erstaufnahmestandorten für Flüchtlinge unterstützen. Zwischen August 2014 und Ende September 2015 wurden laut der Anfrage 4566 Bereitschaftspolizisten an Flüchtlingsstandorte entsendet. Daraus würden sich 35.517 Arbeitsstunden zusätzlich ergeben. «Die Polizei arbeitet schon jetzt im Ausnahmemodus», sagt Rülke.

Joachim Lautensack, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, hat «die Sorge, dass das alles für die Polizei bald nicht mehr zu leisten ist». Er fordert das Land auf, die Polizei mit Assistenten zu verstärken.

Der Flüchtlingsrat in Baden-Württemberg weist auch auf die schwierigen Bedingungen hin. «Viele Flüchtlinge haben Angst, was die eigene Zukunft bringt», sagt Vorstandsmitglied Vera Kohlmeyer-Kaiser. Zudem hätten viele wegen der angespannten Wohnsituation «keine Privatsphäre mehr». Werden Flüchtlinge straffällig, können sie in Härtefällen auch abgeschoben werden. «Voraussetzung dafür ist aber, dass das Asylverfahren abgeschlossen ist», sagt ein Sprecher des Innenministeriums.

Knapp 2000 Delikte an Flüchtlings-Standorten
Politiker und Polizeivertreter fordern Entlastung der Beamten. Foto: Sdmg/Boehmler/Archiv

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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