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Britische Boulevard-Presse auf Ergenzinger Spurensuche

Klopp: The normal one

Es ist wieder omnipräsent, das breite Grinsen mit Drei-Tage-Bart, in allen Gazetten und Fernsehkanälen. Nach einem halben Sabath-Jahr ist die Kloppo-Mania wieder ausgebrochen. Ganz neu allerdings: Jürgen Klopp kalauert auf Englisch, hat er doch nach der Frustsaison in Dortmund und einer kurzen Auszeit nun beim FC Liverpool, dem zuletzt nicht sonderlich erfolgreichen Traditionsclub aus der Premierleague, angeheuert. Klopp punktete in der ersten Pressekonferenz mit Sprüchen wie „I am a normal one“ (in Anlehnung an die Worte des noch berühmteren Berufskollegen José Mourinhos „I am the special one“).

17.10.2015

Die Fans der Reds liegen dem Messias aus Germany zu Füßen, die britische Boulevard-Presse heftet sich an Klopps Spuren. So bekam plötzlich das Bezirksligaspiel des TuS Ergenzingen gegen Dornhan am vergangenen Sonntag besondere Bedeutung: Reporter Greame Culliford von der „Sun“ traf sich mit TuS-Vereinsverantwortlichen, zusammen durchforsteten sie auf der Suche nach Belegen für Klopps fußballerische Vergangenheit in Ergenzingen das Archiv des 2013 verstorbenen Walter Baur, einst Klopps Trainer und väterlicher Freund.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist Klopp ein Stuttgarter. In der Landeshauptstadt hat er zwar das Licht der Welt erblickt, weil der Hausarzt und seine Mutter bei der Geburt Komplikationen befürchteten. Klopp ist aber in Glatten, unweit von Freudenstadt, aufgewachsen – und dazu steht der 49-Jährige, der mit Borussia Dortmund Geschichte geschrieben hat: „I am the normal one from the Black Forest.“ Den abgeschiedenen Heimatort im Glatt-Tal hat er immer wieder angesteuert – nicht zuletzt der Familie wegen, aber auch für einige öffentliche Auftritte. 2011 wurde er Ehrenbürger in Glatten, feierte mit 1000 Leuten den ersten Meistertitel mit Dortmund: Sprechchöre gab’s für den berühmten Sohn der Gemeinde, für die Kinder hatte Klopp gelb-schwarze Pöler-Kappen mitgebracht.

Und auch zum TuS Ergenzingen, für den er vier Jugendjahre gegen den Ball trat, hat Klopp den Kontakt gehalten – nicht zuletzt auf Vermittlung seines einstigen Trainers Walter Baur. Der war später, zu Klopps Dortmunder Zeiten, für die Borussia als Scout im Einsatz. Einige Male mischte sich der prominente Gast beim Pfingstturnier auf den Breitwiesen unters Volk, suchte den Kontakt zu den einstigen Mitstreitern. Auch 2007, im letzten Jahr als Mainzer Trainer, hatte er die Kicker-Kumpels von einst, mittlerweile mitten im Beruf und über dem Globus verteilt, zum Nostalgie-Trip ins Gäu zusammengerufen. Einer unter seinesgleichen: Schon damals hatte sich Klopp das Prädikat „the normal one“ redlich verdient. Den Mittag verbrachte er noch auf den Zuschauerrängen, erfüllte Autogrammwünsche, stand bereit zum Selfie. Nicht immer nur fröhlich lächelnd. „Kloppo, ein Foto mit dir“, rief ein etwa 15-Jähriger aus der zweiten Reihe. „Für dich immer noch Herr Klopp“, raunzte der Star-Trainer und ließ ihn stehen. Auch dies eine durchaus menschliche Reaktion. So zog sich Klopp dann doch irgendwann genervt zurück – und widmete sich dem eigentlichen Zweck der weiten Reise, dem Altersklassentreffen.

Harald Mehring hatte sich entschuldigt: Singapur, einfach zu weit weg. Andreas Backady, einst TuS-Torhüter, war eigens aus Berlin angereist, Frank Bartsch kam aus Karlsruhe, Harry Walz und „Paco“ Francisco Garzia hatten’s da nicht ganz so weit. Dann traf auch noch Hartmut Rath ein. Zum einstigen Mitspieler, Sohn des ersten Jugendtrainers beim SV Glatten, ist der Kontakt am engsten: Klopp war bei dessen rauschenden Hochzeitfeier dabei, Rath ist außerdem Patenonkel von Klopps Sohn, der an jedem Pfingstwochenende mit der U 19 des FSV Mainz bis ins Finale vorgedrungen war. „Da werden auf Knopfdruck Erinnerungen wieder wach“, sagte Klopp. Und man erinnert sich, laut palavernd und lachend: Als der altersschwache „Schwarzwald-Express“ , der die Spieler aus dem Freudenstädter Revier nach Ergenzingen brachte, plötzlich liegenblieb, die fünfköpfige Besatzung nach langem Marsch mit benzingetränkten Hosen zuhause ankam. Kaputte Motoren, durchzechte Nächte – Klopp immer mittendrin.

„Jürgen konnte sehr gut feiern“, sagte der einstige TuS-Mittelfeldmotor Harry Walz ohne in der Veteranen-Runde auf Widerspruch zu stoßen. Er vergaß aber auch nicht die schon Mitte der 1980er-Jahren ausgeprägten Führungsqualitäten des wieselflinken Rechtsaußen, des Mannschaftskapitäns und Schulsprechers zu erwähnen: „Er war ehrgeizig und wollte immer gewinnen.“ Es ist nicht sicher überliefert, aber es geht das Gerücht, dass Klopp nach jener heiteren Nacht vom Pfingstsonntag auf den Pfingstmontag im Jahr 2007 im Auto von Frank Bartsch übernachtet hat. Der hatte jedenfalls schon vorsorglich zwei Kissen deponiert. Ein Beweis mehr: Jürgen Klopp ist „the normal one“.bernhard schmidt

Klopp: The normal one

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17.10.2015, 12:00 Uhr
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