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"Dames Pipi" sollen Luxus-Örtchen weichen

Klo-Krieg in Paris: Toilettenfrauen stemmen sich gegen ihre Abschaffung

Jahrzehntelang hüteten die "Dames Pipi" öffentliche Toiletten an Pariser Touristenattraktionen wie der Kathedrale Notre-Dame. Doch plötzlich sollen sie nicht mehr gut genug sein für diesen Job.

10.10.2015
  • PETER HEUSCH

Paris Es gibt sicherlich appetitlichere Jobs als den einer "Dame Pipi". So jedenfalls nennt der französische Volksmund jene Frauen, die sich um die Sauberkeit der öffentlichen Toiletten kümmern und dafür sorgen, dass deren von einem dringenden Bedürfnis getriebenen Besucher nicht das Tellerchen für die Münzen der bescheidenen Benutzungsgebühr übersehen. Aber die Toilettenfrauen von Paris, elf an der Zahl, hängen an ihrem Beruf. Verzweifelt wehren sie sich dagegen, einfach abgeschafft zu werden.

Mit Vornamen heißen sie Mahliya, Gabrielle, Awan oder Thi-Hoa. Die meisten von ihnen wurden im Ausland geboren, sind vom Rentenalter nicht mehr weit entfernt und arbeiten seit Jahrzehnten "unter Tage" - sprich in den Toiletten an Touristenattraktionen wie dem Eiffelturm, Notre Dame oder auf dem Montmartre Hügel. Im Juli jedoch wechselte der Betreiber der öffentlichen Bedürfnisanstalten in Paris und setzte alle bisherigen Angestellten kurzerhand auf die Straße.

Neun von ihnen wehrten sich und zogen mit einem Eilantrag vors Arbeitsgericht. Da ihr Antrag vor wenigen Tagen abgelehnt wurde, gingen die "Dames Pipi" nun sogar in Berufung. Vor allem aber erhoffen sie sich Hilfe von der Stadt.

Tatsächlich bezeichnete das Rathaus, dem der schlagzeilenträchtige "Pariser Klo-Krieg" hochnotpeinlich ist, die Entscheidung des Arbeitsgerichts als einen "Interpretationsfehler" und versprach, alles zu tun, um eine "stabile berufliche Lösung" für die entlassenen Frauen zu finden.

"Die behandeln uns wie alte Scheuerlappen, die man einfach wegwirft", schimpft Gabrielle Adams (62). Mit "die" ist das niederländische Unternehmen "2theloo" gemeint, dessen Filiale "Sarivo PointWC" die öffentlichen Pariser Toiletten übernommen hat.

Obwohl eine gesetzliche Vereinbarung der Reinigungsbranche die Weiterbeschäftigung der bisherigen Angestellten vorschreibt, sind die Holländer der Meinung, als Handelsbetrieb nicht unter diese Regelung zu fallen. Und tatsächlich folgte das Arbeitsgericht in erster Instanz dieser Argumentation.

Die Stadt Paris klagt von "2theloo" nun eine "verantwortungsbewusstere Haltung" ein. Doch zwingen kann sie das Unternehmen nicht, das derweil schon einmal große Pläne schmiedet. In edle "Toiletten-Boutiquen" will es die stillen Örtchen künftig verwandeln und sie auch für den Verkauf von Souvenirs oder Accessoires wie Klopapierrollen-Halter und Plüschtiere nutzen. In dieses Konzept der Luxus-Klos aber passen die alteingesessenen "Dames Pipi" ganz offenbar nicht hinein. "Sie haben uns erklärt, dass wir nicht das erwünschte Profil hätten und dass sie Angestellte suchen, die mehrere Sprachen sprechen, um die ausländische Kundschaft besser zu betreuen", erzählt Mahliya Fiokouna (46).

"Wir nehmen an, dass zu dem Profil der neuen Toilettenfrau wohl auch ein Hochschulabschluss gehören dürfte", spottet ein Sprecher der Gewerkschaft Force Ouvrière, die sich hinter die "Dames Pipi" gestellt hat. Bleibt die Frage, wo die Niederländer mehrsprachige Kandidaten finden wollen, die für netto 1250 Euro im Monat unter Tage Böden und Kloschüsseln putzen.

Mehr nämlich haben Gabrielle, Mahliya und ihre Mitstreiterinnen vor der schnöden Entlassung nicht verdient.

Klo-Krieg in Paris: Toilettenfrauen stemmen sich gegen ihre Abschaffung
Edel-Klos wie hier am Londoner Covent Garden soll es auch in Paris geben - zu schick für Klofrauen wie Gabrielle an der Treppe zur Sacré-Coeur. Fotoa: 2theloo/afp

Klo-Krieg in Paris: Toilettenfrauen stemmen sich gegen ihre Abschaffung

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10.10.2015, 12:00 Uhr
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