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Unnötige Operationen?

Kliniken schauen auf lohnende Behandlungen

Wird in Deutschland operiert, weil es dem Budget der Kliniken dient? Den Eindruck erwecken Krankenversicherungen. Sie verhandeln derzeit mit der Politik - über eine Neuausrichtung der Klinikfinanzen.

31.05.2012

Von BASIL WEGENER, DPA

Berlin. Patienten in Deutschland müssen nach Einschätzung der Krankenkassen Operationen fürchten, die von den Krankenhäusern vor allem deshalb gemacht werden, weil sie Geld bringen. "Man muss immer mehr aufpassen, dass man nicht unters Messer kommt", warnte der Krankenhaus-Experte des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung, Wulf-Dietrich Leber. Leber sprach von der Grenze des medizinisch Sinnvollen - etwa angesichts großer Zuwächse bei Knie- und Hüftprothesen sowie Wirbelsäulen-Eingriffen.

Nach einer neuen Studie, die im Auftrag des Kassenverbands erstellt wurde, nahmen Behandlungen zwischen 2006 und 2010 um 13 Prozent zu. Nur 40 Prozent dieses Anstiegs seien durch die Alterung der Gesellschaft zu erklären, sagte Studienautor Boris Augurzky, Gesundheitsexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Ein Teil der Zunahme bei den Operationen gehe darauf zurück, dass die Kliniken einfach mehr Leistungen anböten. Darauf deuteten auch Aussagen von Klinikärzten hin, denen zufolge Mediziner zu mehr Behandlungen angehalten würden.

Hintergrund dieser Entwicklung ist nach Einschätzung von RWI und Kassenverband, dass die einzelnen Behandlungen den Kliniken immer höher vergütet werden. Deshalb erhöhten die Krankenhäuser die Zahl der lohnenden Behandlungen.

Zufällig kommen die jetzigen Warnungen der Kassen jedoch nicht. Hinter den Kulissen verhandeln die Gesundheitspolitiker von Union und FDP für eine Neuausrichtung für die Klinikfinanzen - inklusive Operationsbremse. Schon bisher bekam ein Krankenhaus etwas weniger bezahlt, wenn es mehr operierte als vorgesehen. Der Abschlag galt ein Jahr. Genau diese Abschläge will die Koalition nun von einem auf zwei Jahre ausdehnen.

Die Politik kaufe sich nur Zeit bis nach der nächsten Bundestagswahl, kritisiert Kassenexperte Leber, der auch an der Preisschraube für Klinikleistungen drehen will. Mitte 2013 - also noch vor der Bundestagswahl - sollen Kassen und Kliniken zudem neue Vorschläge vorlegen.

Geht es nach der SPD, gibt es dann aber eine grundlegende Reform. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wirft Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) vor, mit den Abschlägen bei übermäßig vielen Eingriffen ausgerechnet die Kliniken zu bestrafen, die sich auf bestimmte Therapien spezialisiert hätten - und diese dann oft auch gut machten. "Notwendige und nicht notwendige Leistungen würden so zurückgedrängt." Lauterbach plädiert dafür, dass sich die Krankenhäuser auch künftig weiter spezialisieren - nicht alle sollen immer alles machen dürfen.

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Erstellt:
31. Mai 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Mai 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2012, 12:00 Uhr

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