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Klinik bekommt Super-OP
Moderner und praktischer soll der neue OP am Marienhospital sein. Die Mediziner machen sich derzeit damit vertraut. Foto: Caroline Holowiecki
Medizin

Klinik bekommt Super-OP

Das Marienhospital eröffnet den modernsten Operationssaal der Region. Noch übt das Personal an Dummys, nächste Woche startet der Realbetrieb.

06.09.2017
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Der Silikonklotz wird's überleben. Ein Team aus Gefäßchirurgen hat soeben erfolgreich mehrere Gefäßprothesen in seine kranke Bauchschlagader eingeführt und verbunden. Das zentrale Blutgefäß ist deutlich vergrößert und weist eine bedrohliche Aussackung, ein Aneurysma, auf. „Ab fünf, fünfeinhalb Zentimeter ist das Risiko groß, dass sie reißt“, erklärt Klaus Klemm, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie des Stuttgarter Marienhospitals.

Unter Klemms wachsamen Augen schieben Carsten Weiß, Leitender Oberarzt, und der Oberarzt Mirko Zimmermann mehrere Drähte in den kastenförmigen Leib auf dem OP-Tisch. Sind die richtig platziert, folgt die eigentliche Kunst: Über einen Katheter werden entlang der Drähte nach und nach die zusammenfalteten Prothesen eingeführt. Entfalten die sich, legen sie sich von innen ans Gefäß und stützen es, sodass es sich nicht mehr weiten kann. Geschafft! Die Gefahr, dass der Silikonklotz innerlich verblutet, ist gebannt. Auch wenn durch seine eingefrästen Adern nur Wasser gepumpt wird.

Technik statt Handarbeit

Was dieser Tage noch am Dummy geübt wird, wird ab der kommenden Woche am Menschen vollbracht. Neu ist das Einführen von sogenannten Endografts – meist durch die Leiste – nicht. Doch im Marienhospital verwenden die Mediziner nun neuartige Prothesen aus Draht und Gore-Tex. Und gemacht wird dies im Stuttgarter Süden ab sofort in einem nagelneuen Hightech-Operationssaal, einem sogenannten Hybrid-OP, in dem Dinge, die bisher von Hand erledigt werden mussten, per Knopfdruck funktionieren. Nach Krankenhaus-Angaben ist es der modernste OP der Region und der einzige in der Landeshauptstadt, der derartig ausgestattet ist. Eine Million Euro hat die Klinik in die neue technische Ausstattung investiert.

Das Herzstück ist ein neuer Röntgenapparat. Der wird bei diesen endovaskulären Eingriffen benötigt, um zu sehen, wo die Instrumente positioniert werden müssen. Ein gespritztes Kontrastmittel macht die Gefäße sichtbar. Bislang musste das Röntgengerät von einem OP-Mitarbeiter auf Zuruf des Arztes von Hand an die richtige Position gerollt und in den exakten Winkel gedreht werden; eine körperlich anstrengende und diffizile Arbeit, vor allem wenn man bedenkt, dass Lendenschurz, Weste, Schilddrüsenschutz, Bleiglasbrille und Spezialhaube, die jeden im Team vor den gefährlichen Strahlen schützen sollen, gut und gerne sieben Kilo wiegen und teils über Stunden getragen werden.

Im neuen Hochtechnologie-OP kann der Operateur das Gerät einfach per Knopfdruck und Joystick bewegen. „Wenn Sie das selber bedienen können, ist es leichter und effektiver. Und die OP-Pfleger sind frei und können andere Dinge machen“, erklärt Klemm. Der Sensor des neuen Apparats ist zudem größer und kann mit einem Bild einen größeren Abschnitt des Körpers abbilden. Heißt: weniger Aufnahmen und somit weniger Strahlung.

Zudem liefert die neue Technik bessere Bilder und kann auch mehr. Auf den riesigen Bildschirm können jederzeit weitere Informationen, etwa das EKG, eingespielt werden, erklärt Weiß. Zusatzmonitore verhindern, dass sich alle anderen im Saal die Hälse verrenken müssen. Im angrenzenden Technikraum können zudem frühere Aufnahmen als 3D-Animationen mit den Live-Bildern aus dem OP gekoppelt werden. Weiß, seit 2002 Gefäßchirurg, ist begeistert. „Das ist, wie wenn Sie vorher einen Passat gefahren sind und jetzt einen Porsche bekommen.“ Und dieser Porsche steht auch noch in einer besonders schönen Garage. Die Wände des Hybrid-OPs, der wegen der üppigen Technik deutlich größer ist als ein normaler, bestehen aus hygienischem Glas in Blau.

Der neue Super-OP reiht sich ein in eine ganze Latte von Investitionen und Veränderungen im Marienhospital. 2011 endete bereits eine fünfjährige Sanierungsphase, in der 46,7 Millionen Euro investiert wurden. Schon bald danach startete eine weitere, in die unter anderem die Renovierung und Erweiterung der Intensiv- und OP-Trakte fallen. 40 Millionen Euro sollen dafür nach Klinik-Angaben in die Hand genommen werden.

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06.09.2017, 06:00 Uhr
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