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Kunst

Klimt und Gloria

Im Jahr 1918 ging nicht nur der Erste Weltkrieg vorbei, auch der Inbegriff des Wiener Künstlers starb: Gustav Klimt. Eine neue Biografie würdigt ihn.

05.02.2018

Von LENA GRUNDHUBER

Die „goldene Adele“ von 1907 fast hundert Jahre später restituiert. Foto: DeAgostini/Getty Images

Wien. Gustav Klimt war stur und zielstrebig, selbstbewusst und uneitel. Er hat für seine Kunst und durch seine Kunst gelebt und sich nicht verbogen.“ Es klingt wie eine Verteidigung, was die beiden schreiben. „Gustav Klimt. Die Biografie“ heißt der Band, den Mona Horncastle und Alfred Weidinger pünktlich zum Jubiläumsjahr vorgelegt haben und in dem sie diesen Mann nicht nur zwischen den Zeilen feiern.

Vor fast genau 100 Jahren, am 6. Februar, ist der Maler gestorben. Er ist heute einer der beliebtesten Künstler der Welt, seine Bilder sind auf abertausenden Kaffeetassen zwischen Wien und Wuhan abgebildet, die Leute pilgern zu seinem erotisch fragwürdigen „Kuss“ ins Belvedere, und seine Bedeutung als Wiener Secessionist steht eigentlich nicht in Frage. So arg verteidigen muss man ihn gar nicht, diesen Klimt.

1918 stirbt das Fin de Siècle

Ein bissel Esoterik mag bei so einem Protagonisten aber erlaubt sein. Im Nachhinein wirkt es fast zeichenhaft, dass mit der Doppelmonarchie nicht nur Klimt, sondern auch Koloman Moser, Otto Wagner und Egon Schiele im Jahre 1918 verstarben. Mit der Glorie Habsburgs ging auch der Glanz des Fin de Siècle zuschanden, aber Wien kokettiert bekanntlich gern mit der Vergangenheit und ehrt Klimt, den wienerischen Künstler schlechthin, an einschlägigen Orten. Auch wenn man ihn damals gar nicht immer so mochte, den 1862 in kleinen Verhältnissen geborenen Knaben, der nebst seines künstlerischen ein Talent zum Skandal beweisen sollte. Ein Mann, der in Emilie Flöge zwar einen Lebensmenschen fand, aber unverheiratet blieb, weil er so viele Frauen liebte – oh ja, auch körperlich.

Wie die Biografen meinen, zeige sich Klimts Respekt vor der Souveränität des anderen Körpers viel eher in den Studien masturbierender Frauen, die er nahezu nicht ausgestellt hat, als in den berühmten Porträts von Damen, deren Körper in Ornament und Gold verschwinden: „Er stellt seine Modelle als von Angst und Scham befreite lustvolle Subjekte dar und steht mit diesem Interesse an der weiblichen Selbstliebe außerhalb der gängigen Normen“, schreiben sie.

Vor den Normen scheint Gustav Klimt eh nicht so furchtbar viel Angst gehabt zu haben. Nicht umsonst machte ihn nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule und ersten größeren Aufträgen mit seiner Künstler-Compagnie – noch heute sind die Ergebnisse im Kunsthistorischen Museum und im Burgtheater zu bewundern – ein Skandal berühmt. Die hysterische Aufregung um die „Fakultätsbilder“ beantwortete Klimt mit folgenden Worten an den Unterrichtsminister: „Für einen Auftraggeber, der nicht an mein Werk glaubt, der mich beschimpfen lässt, weigere ich mich, ferner zu arbeiten.“

Das führt dazu, dass Gustav Klimt seine Kunden eben nicht bei Adel oder Staat, sondern vor allem in der jüdischen Oberschicht gewinnt. „Das jüdische Großbürgertum machte ihn zu ihrem (sic!) Porträtisten, weil er einer der wenigen Künstler von Rang war, die liberal genug waren, diese Aufträge anzunehmen (.?.?.) Das jüdische Großbürgertum machte ihn aber auch darum zu ihrem Porträtisten, weil wenige andere Großbürger der zeitgenössischen Kunst gegenüber aufgeschlossen waren“, schreiben Mona Horncastle und Alfred Weidinger in ihrem Buch, das stark auf solche inhaltlichen Schlaglichter und weniger auf eine Nahaufnahme der Person setzt.

Klimts Nachruhm jedenfalls bleibt an die Namen mancher Porträtierten gebunden: zum Beispiel an Adele Bloch-Bauer, deren goldenes Porträt „Adele Bloch-Bauer I“ zu einem der spektakulärsten Restitutionsfälle als Folge der NS-Zeit wurde. 2006 triumphierte die Erbin über Österreich und erhielt das Bild zurück. Die „goldene Adele“, für die 135 Millionen US-Dollar gezahlt worden sein sollen, hängt heute in New York.

„Die These, dass der immer wieder unrühmliche Umgang mit Restitutionsforderungen Klimts Ruhm bedingt, ist nicht zu leugnen“, schreiben die Autoren. Es ist nicht zuletzt ihre Geschichte, die diese Werke ausmacht. Wenn man's recht bedenkt: auch eine Art historischer Gerechtigkeit.

Mona Horncastle/Alfred Weidinger: Gustav Klimt Die Biografie. Brandstätter Verlag, 320 Seiten, 29.90 Euro. Foto: Verlag

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Erstellt:
5. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Februar 2018, 06:00 Uhr

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