Katastrophenschutz

Klimawandel befeuert Brandgefahr

Verheerende Waldbrände kennen die meisten Menschen im Südwesten nur aus dem Fernsehen. Das könnte sich wegen der zunehmenden Trockenheit ändern. Die Behörden bereiten sich vor.

28.09.2020

Von SÖNKE MÖHL, DPA

Wasser marsch: Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr demonstrieren in einem Wald bei Bruchsal, wie ein Waldbrand bekämpft wird. Foto: Uli Deck

Eine ferngesteuerte Raupenfräse könnte zum Erfolgsmodell beim Kampf gegen Waldbrände werden. Mit ihrer Hilfe lassen sich Wege schnell zu kleinen Feuerschutzschneisen ausbauen. Das zeigt eine Demonstration der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg nördlich von Karlsruhe, die nicht von ungefähr kommt: Wegen des Klimawandels könnten Waldbrände bald auch im Südwesten zum großen Problem werden.

Waldbesitzer, Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und Behörden bereiten sich deshalb darauf vor. Sie haben das Projekt „Waldbrand-Klima-Resilienz“ gegründet, um Prävention und Krisenmanagement abzustimmen und voneinander zu lernen. „Wir müssen uns wirklich darum kümmern“, sagte der kommissarische Landesforstpräsident Martin Strittmatter in der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) bei einer Pressekonferenz zum Thema Waldbrandmanagement.

Drei Jahre zu wenig Regen

Im Südwesten hat es seit drei Jahren viel zu wenig geregnet, in manchen Wäldern sterben bereits Kiefern, Fichten und Buchen. In zu viel Totholz, vermehrtem Bewuchs mit Gräsern oder Ginster und langen Trockenperioden sehen die Experten ein großes Risiko für Waldbrände. „Der Klimawandel führt dazu, dass unsere Wälder brennbarer werden“, sagte Max Reger, der kommissarische Vorstandsvorsitzende von ForstBW, dem Betrieb, der die Landeswälder managt. Dass die Entwicklung so kommen würde, hätten sie gewusst, sagte Strittmatter. Aber: „Dass der Prozess so schnell gehen würde, hatten wir nicht auf der Agenda. Wir müssen einen Zahn zulegen.“

Alexander Held vom European Forest Institute (EFI) berichtete von Erfahrungen aus anderen Ländern und lobte dabei die Erfolge, die mit den ferngesteuerten Raupen erzielt werden können. Sie seien unter anderem bereits in Großbritannien im Einsatz. Dort sei man der Waldbrandentwicklung und -bekämpfung in Deutschland um etwa ein Jahrzehnt voraus. Die Feuerwehren hierzulande seien mit ihrer Ausrüstung auf Vegetationsbrände noch nicht gut eingestellt. Held lobte allerdings den baden-württembergischen Ansatz der Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das sei besser als in manchen anderen Bundesländern. Im Südwesten sind fast 40 Prozent der Landesfläche mit Wald bewachsen.

Der laufende Umbau weg von Nadelbäumen hin zu durchmischten Laubwäldern soll den Wald nicht nur für den Klimawandel fit machen, er dient nach Überzeugung der Experten auch dem Schutz vor Waldbränden. Ein gegen Feuer widerstandsfähiger Wald sei schattig und feucht, sagte Held. Dazu gehöre auch eine gewisse Menge Totholz, das dazu beitrage, die Bodenstruktur zu verbessern.

2700 Hektar zerstört

Nach Angaben des Umweltbundesamtes in Berlin gab es im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 1500 Waldbrände mit einer Fläche von gut 2700 Hektar (das entspricht einem Quadrat mit einer Kantenlänge von mehr als fünf Kilometern). Das war die zweitgrößte Fläche seit Einführung der Waldbrandstatistik im Jahr 1977.

Bei 44 Prozent der Brände konnte den Angaben zufolge keine Ursache festgestellt werden. Brandstiftung und Fahrlässigkeit waren für 39 Prozent der Feuer verantwortlich und nur rund sechs Prozent der Brände hatten eine natürliche Ursache wie Blitzschlag. Sönke Möhl, dpa

Mithilfe einer ferngesteuerten Raupenfräse können Feuerschutzschneisen erstellt und Brände eingedämmt werden. Foto: Uli Deck

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Erstellt:
28. September 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
28. September 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. September 2020, 06:00 Uhr

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