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"Klimaveränderungen belasten arme Länder zusätzlich"
Bärbel Dieckmann auf der Klimakonferenz in Paris: Das Bewusstsein, in einer Welt zu leben, ist gewachsen. Foto: Welthungerhilfe
Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann hofft in Paris auf Entscheidungen, die auch die Unterernährung im Blick haben

"Klimaveränderungen belasten arme Länder zusätzlich"

Die Weltklimakonferenz in Paris muss ihre Ziele erreichen. Tut sie das nicht, wird auch der Kampf gegen Armut und Hunger erschwert, sagt die Präsidentin der Welthungerhilfe Bärbel Dieckmann.

07.12.2015
  • ANDRÉ BOCHOW

Frau Dieckmann, welchen Beitrag kann die Deutsche Welthungerhilfe bei einer Klimakonferenz leisten?

BÄRBEL DIECKMANN: Wir sind hier, weil die Menschen in den ärmsten Ländern, mit denen und für die wir arbeiten, zusätzlich durch die Klimaveränderungen belastet werden. Die Bekämpfung von Hunger und Armut ist nicht möglich, wenn es jetzt keine guten Entscheidungen in Paris gibt.

Im Bundestag hat Umweltministerin Barbara Hendricks erklärt, wir würden den Kampf gegen Armut, Kriege und Flucht verlieren, wenn wir die Klimaziele verfehlen. Findet das in Paris genügend Beachtung?

DIECKMANN: In den Hauptverhandlungen wird das bisher nicht thematisiert. Aber es spielt trotzdem eine große Rolle. Vor allem bei vielen Veranstaltungen, die die Konferenz begleiten. Ich glaube, dass der Druck deutlich gestiegen ist, die Klimaveränderungen auch wegen der Armuts- und der entsprechenden Folgeprobleme in den Griff zu bekommen.

Wird denn die Stimme der ärmsten Länder gehört?

DIECKMANN: Durchaus. Alle Länder sind hier gleichberechtigt vertreten. Wenn ich auf all die Klimakonferenzen zurückblicke, an denen ich teilgenommen habe, muss ich sagen, dass das Bewusstsein gewachsen ist, dass wir in einer Welt leben und voneinander abhängen.

Aufstrebende Länder wie Indien setzen auch in Zukunft auf fossile Brennstoffe - mit dem Hinweis darauf, dass sie in der Vergangenheit zum CO2-Ausstoß relativ wenig beigetragen haben. Wird Entwicklung zum Klimaproblem?

DIECKMANN: Nein, Entwicklung und Klimaschutz müssen Hand in Hand gehen. Indien ist sicher eines der Länder, das hier im Mittelpunkt der Diskussionen um die Dekarbonisierung steht. Grundsätzlich gilt für alle, dass dieser Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen der entscheidende Weg ist, um die Klimaziele zu erreichen. Aber die Haltung Indiens könnte in der kommenden Woche doch noch eine Herausforderung werden.

Wie erleben Sie die Arbeitsatmosphäre in Paris? Manche beklagen das geringe Verhandlungstempo.

DIECKMANN: Ja, es könnte schneller gehen. Trotzdem besteht noch kein Anlass zum Pessimismus. Es wurde sehr begrüßt, dass die Staats-und Regierungschefs dieses Mal schon zum Beginn der Verhandlungen nach Paris gekommen sind. Das hat einiges vorangebracht.

Die Bundesumweltministerin hat versichert, die Deutschen würden in Paris als ehrliche Makler angesehen. Können Sie das bestätigen?

DIECKMANN: Ja, ich glaube schon. Die Bundesrepublik ist auf einigen Gebieten vorangeschritten. Zum Beispiel bei den Erneuerbaren Energien. Auch das Thema Dekarbonisierung ist nun in Deutschland angekommen. Auf dieser Basis kann man sich natürlich gut in die Verhandlungen einbringen.

Was ist denn aus Ihrer Sicht das größte Hindernis auf dem Weg zu einem erfolgreichen Gipfelende?

DIECKMANN: Im Moment sehe ich eher, dass man sich auf vieles einigen kann. Die 100 Milliarden Euro, mit denen ab 2020 Umweltprojekte in Entwicklungsländern finanziert werden sollen, werden wohl zusammenkommen. Ich rechne mit Vereinbarungen über den Einstieg in die Dekarbonisierung, die auch von Indien und China unterschrieben werden. Es gibt sogar Diskussionen, ob man sich statt des 2-Grad-Zieles, an einem 1,5-Grad-Ziel orientieren sollte. Die eigentliche Herausforderung nach Paris wird aber die Kontrolle der Beschlüsse sein.

Dass über 1,5 Grad globale Erwärmung gesprochen wird, verblüfft. Derzeit reichen die Zusagen gerade einmal aus, um die Erwärmung auf 2,7 Grad zu begrenzen. Hat man sich nicht längst mit diesem höheren Wert abgefunden?

DIECKMANN: Ich hoffe nicht. Die Folgen wären verheerend. Deswegen müssen jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Wir können Fehler, die wir jetzt begehen, nicht wieder rückgängig machen. Dann verschwinden ganze Länder, dann gibt es noch mehr Dürren, Flutkatastrophen, Hunger, Krieg und immer mehr Flüchtlinge.

Alles in allem: Ist Ihre Pariser Zwischenbilanz eher positiv?

DIECKMANN: Ich versuche, positiv zu sein, obwohl ich in der Vergangenheit zu oft erlebt habe, wie am Ende alles noch einmal kippt. In Kopenhagen 2009 zum Beispiel hatte ich nicht den Eindruck, dass sich alle Teilnehmer des Ernstes der Lage bewusst waren.

Das ist jetzt in Paris anders?

DIECKMANN: Ja. Ich gehe wirklich von einem Erfolg aus.

Info Bärbel Dieckmann (66), ist seit sieben Jahren Präsidentin der Welthungerhilfe. Von 1994 bis 2009

war die SPD-Politikerin Bonner

Oberbürgermeisterin. Die Welthungerhilfe wurde Anfang der 60er Jahre gegründet und hat seither

tausende Hilfsprojekte in 70 Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens unterstützt.

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07.12.2015, 08:30 Uhr
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