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Auf dem Youtube-Kanal von WMF in Geislingen können sich Nutzer Koch-Tipps ansehen. Das Unternehmen will seinen Kunden auf diese Weise einen Mehrwert bieten. Foto: Screenshot Youtube WMF Kanal
Unternehmen setzen auf Youtube als Reklameplattform

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Ob Werbespots oder Produktplatzierungen: Möglichkeiten, seinen Betrieb auf Youtube zu bewerben, gibt es viele. Eigene Video-Kanäle mit Koch- oder Gartentipps können den Nutzern einen Mehrwert bieten.

08.12.2015
  • BIANCA FRIESS

Schwäbisch Gmünd. In ihrem Wohnzimmer in Schwäbisch Gmünd erklärt Anna Shivers, wie sie ihre Locken stylt oder selbst Nagellack anrührt. Dabei sehen der jungen Frau tausende Menschen aus der ganzen Welt zu: Ihren Kanal auf der Videoplattform Youtube haben über 3000 Nutzer abonniert. Die Abonnenten eines Kanals werden benachrichtigt, sobald ein Video hochgeladen wird. Um möglichst viele Menschen erreichen zu können, unterlegt Shivers ihre deutschen Videos mit englischen Untertiteln. Mit mehr als 100 000 Aufrufen ist ein sogenanntes "Do-it-Yourself-Tutorial", also eine Anleitung zum Selbermachen, ihr Top-Video. Dort führt sie vor, wie sie eigene Ringe bastelt.

Wer auf das Video klickt, muss sich oft zuerst einige Sekunden mit Versicherungen oder neuen Mobilfunktarifen beschäftigen: Die Videoplattform Youtube ist für viele Unternehmen zu einem wichtigen Werbekanal geworden. Spots vor den Videos sind klassischer Fernsehwerbung noch am ähnlichsten. Oft bieten Unternehmen auch eigene Kanäle an oder nutzen Youtube-Stars, um ihre Produkte zu vermarkten.

Für Hendrik Unger, Social Media Experte und Geschäftsführer einer Kölner Werbeagentur, liegt ein Vorteil von Youtube-Werbung in den geringen Streuverlusten. Man könne aktiv nach Interessensgebieten steuern, wer die Werbung zu sehen bekommt. Bei Shivers Clips wird also mehr Werbung zu Kosmetikartikeln als zu Bohrmaschinen zu sehen sein. Es gibt aber auch wirkungsvollere Wege als die "Werbe-Keule", wie er die Spots nennt.

Dazu gehören eigene Youtube-Kanäle. Dabei sollte der Mehrwert für den Nutzer im Vordergrund stehen, erklärt Unger. Das sagt auch Kai Hummel, Konzernsprecher des Geislinger Küchengeräteherstellers WMF. Youtube-Nutzer seien viel anspruchsvoller geworden. Der Inhalt der Videos muss von Beginn an interessant sein. WMF setzt auf Kochrezepte und Tipps für die Küche. Hummel sieht in Youtube einen "unverzichtbaren Kanal für die Unternehmenskommunikation" - wenn es richtig eingesetzt wird.

Auch der Ulmer Gartengeräte-Hersteller Gardena betreibt einen Youtube-Kanal. Darin sind klassische Spots eingebunden, das Unternehmen gibt aber zum Beispiel auch Ratschläge, wie Kunden ihr Herbstlaub recyceln können. Heribert Wettels, Pressesprecher des Unternehmens, sieht darin große Möglichkeiten: Durch praktische Tipps könne die Glaubwürdigkeit der Marke erhöht werden. Die Verbreitung über das Internet sei heute außerdem sehr komfortabel. "Wenn man ohnehin Videos produziert, kann man über Youtube eine größere Reichweite generieren", erklärt Wettels.

Unger spricht in dem Zusammenhang auch von "Shareability", also der "Teilbarkeit" eines Videos. Ein unterhaltsamer Clip wird auf der Plattform von Nutzern weiterverbreitet, es entstehen auch Verknüpfungen zu anderen sozialen Netzwerken wie Facebook. So können sehr viele Zielgruppen erreicht werden: "Auf Youtube sind keineswegs nur Teenager unterwegs", sagt er. Das habe sich sehr stark gewandelt: Die am stärksten wachsende Zielgruppe bestehe zur Zeit aus Menschen im Alter von über 55.

Shivers erreicht mit ihren BeautyVideos hauptsächlich junge Frauen zwischen 18 und 34 Jahren. Für sie als Youtuber ist Werbung ebenso wichtig wie für die Unternehmen: "Dem Zuschauer ist gar nicht bewusst, wie viel Arbeit hinter einem Video steckt. Durch die Werbeeinkünfte wird die Mühe belohnt", sagt sie. Dafür ist sie Partnerin von Youtube geworden. Die Plattform verhandelt mit den Unternehmen und steuert, zu welchen Videos der Partner welche Spots ausgestrahlt werden. Die Werbeeinkünfte werden zwischen Youtube und dem Videomacher aufgeteilt. Die Kosten für die werbetreibenden Unternehmen schwanken dabei von 3 Cent bis 50 Cent pro Videoaufruf - sofern der Spot nicht übersprungen wird, sagt Unger. Der Preis hänge davon ab, wie groß die Konkurrenz in der jeweiligen Branche ist.

Anfragen bekommt die 29-Jährige auch zu Produktplatzierungen, das heißt, dass eine Marke gegen Bezahlung in ihren Videos auftaucht. "Ein beliebter Youtuber wird so zum Werbesprachrohr", beschreibt Unger das Prinzip.

Große Youtuber hätten erkannt, wie wirkungsvoll Produktplatzierungen sein können und verlangen hohe Preise. Pro tausend Videoaufrufe können das 80 EUR sein, berichtet Unger. Bei den Stars der Szene kommen schnell Millionen Aufrufe zusammen - so steigen dann auch die Kosten.

Bislang kann Shivers von ihrer Youtube-Karriere nicht leben. Ob das ihr Ziel ist? Der Antwort auf die Frage sieht sie gelassen entgegen: "Was kommt, das kommt", sagt sie.

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08.12.2015, 08:30 Uhr
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