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Fernsehen

Kleine Heldin des Widerstands

Die sechsteilige Journalisten-Serie „Zarah – Wilde Jahre“ des ZDF zeigt die 70er, wie sie waren mit ihren sozialpolitischen Problemen und vielen kleinen Revolutionen.

05.09.2017
  • ISABELLE JAHN

Mainz. Ein Klaps auf den Po der Kollegin und barbusige Frauen auf dem Titelbild – ganz normal im Hamburger Magazin „Relevant“ Anfang der 1970er-Jahre. Doch mit der neuen stellvertretenden Chefredakteurin Zarah Wolf (Claudia Eisinger) läuft das nicht. Die Frauenrechtlerin und erfolgreiche Buchautorin will die Emanzipation vorantreiben. In der auflagenstarken Illustrierten sollen sexistische Themen solchen weichen, mit denen Frauen sich identifizieren können. Die selbstbewusste und offensive Zarah tut sich in der männerdominierten Redaktion aber schwer. Sie eckt vor allem beim Chefredakteur Hans-Peter Kerchow (Torben Liebrecht) an und setzt bald ihren Job aufs Spiel.

Deutschland 1973, ein Land zwischen dem biederen Mief des Wirtschaftswunders und den aufbegehenden 68ern. In diese Zeit führt die sechsteilige Serie „Zarah“ des ZDF. Ein spannendes Thema, weil die 70er-Jahre selten als historischer Stoff behandelt werden – und weil aus der Perspektive der Journalistin erzählt wird, in einer Zeit, die als die goldene Ära des Printjournalismus gilt.

Als engagierte Redakteurin erlebt Zarah die brennenden Themen dieser Zeit aus einem besonderen Blickwinkel: Ihre naive und eingeschüchterte Mutter deckt eine RAF-Terroristin. Zarah bricht aus dem Machismus dieser Zeit aus und beginnt eine Liebschaft mit der Volontärin. Im Frauenforum trifft sie feministische Mitstreiterinnen, mit denen sie gegen das Abtreibungs-Verbot kämpft. Der Aufbruch ist spürbar: Frauen als Kämpferinnen, die arbeiten, sogar in Führungspositionen.

An Zeitkolorit mangelt es nicht: Musik von The Doors, Schreibmaschinen, Drehscheiben-Telefone und noch viel mehr Requisiten und Outfits, die man heute höchstens noch auf hippen Flohmärkten findet. Dass nicht in einem Studio, sondern einem Bürogebäude gedreht worden ist, lässt den Redaktionsalltag echt wirken.

Einer der beiden Produzenten, Jan Kromschröder, hat die 70er als Jugendlicher erlebt und zwar als Sohn eines Journalisten. Seine Erfahrung ist für die Wahrhaftigkeit der Serie Gold wert.

Auch die Schauspieler tragen zur Atmosphäre bei: Claudia Eisinger („13 Semester“) verkauft die Feministin mit verbissener Mine und Kampfgeist à la Alice Schwarzer genauso gut wie die attraktive und zugleich verletzliche junge Frau, Liebhaberin, Familienmensch. Sie nutzt die Freiheit, eine fiktive Heldin zu verkörpern und keinem realen Vorbild nacheifern zu müssen. Torben Liebrecht („Luther“) gibt mit Koteletten, Schnauzer und Seitenscheitel den verbohrten Chef. Sein trauriger Blick entlockt dem Zuschauer aber auch Mitgefühl und den Wunsch, den weichen Kern in harter Schale kennenzulernen.

Die ZDF-Serie „Zarah“ füllt gleich zwei Lücken im deutschen Fernsehen: Zum einen kommen die 70er-Jahre in fiktionalen Formaten allgemein selten vor. Zum anderen ist das Genre der Journalistenserie kaum bespielt. Und gerade in den 70ern gehörte der Journalismus als „vierte Macht“ im Staate zu den Traumberufen schlechthin, war aber für Frauen weitgehend unerreichbar.

Zwar bedient die Serie mit funkiger Musik, knalligen Klamotten und schrägen Frisuren die Stereotypen der Zeit. Mit dem Fokus auf die patriarchale Welt, in der Frauen um die Gleichberechtigung kämpfen, bringt sie aber auch das hervor, was man mit dieser Zeit nicht so schnell verbindet: die sozialpolitischen Probleme und die vielen kleinen Revolutionen. Aus heutiger Sicht hat sich damals und seitdem vieles getan, und doch wurde nicht alles erreicht, was damals schon greifbar nah erschien.

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05.09.2017, 06:00 Uhr
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