Immobilien

Klein, kleiner, Tiny House

Minihäuser sind im Trend, viele Menschen wollen ein kleines Eigenheim im Grünen. Die Umsetzung ist aber nicht einfach.

23.02.2021

Von Caroline Strang

Mobile Minihäuser gewinnen an Beliebheit. Gefertigt werden sie unter anderem von Schreinereien wie Diekmann in Hamm. Foto: Guido Kirchner/dpa

Küche, Schlafraum, Ess- und Wohnbereich und Bad – alles auf 50 Quadratmetern. Leben auf kleinstem Raum wird zunehmend zum Trend. Nicht nur bei Menschen, die sparen wollen und Nachhaltigkeit leben, sondern auch bei Singles oder älteren Paaren. Tiny Houses, Kleinsthäuser, nennen sich die Minigebäude, die viel Komfort bieten können. Die Fotos mit den kleinen Perlen in der freien Natur allerdings täuschen. Wer dauerhaft in solch einem Haus leben möchte, muss ein Grundstück kaufen und eine Baugenehmigung beantragen – wie die Besitzer des Einfamilienhauses in der Nachbarschaft. Die wichtigsten punkte in Kürze.

Ist Tiny House nur ein moderner Begriff für Wohn- oder Bauwagen? Nein. Denn auch wenn ein klassisches Tiny House Räder hat, ist es höchstens „für den gelegentlichen Standortwechsel geeignet“, sagt Regina Schleyer, Vorsitzende des Tiny-House-Verbands. Wohnwagen hingegen seien grundsätzlich nicht als Wohngebäude konzipiert. „Tiny Houses sind echte Wohngebäude.“ Das unterscheidet sie wiederum auch vom Bauwagen, denn wer in einem Tiny House lebt, verzichtet meist bewusst auf viel Platz, nicht unbedingt aber auf Komfort, während das Leben im Bauwagen historisch gesehen eher aus der Not heraus begründet war.

Welche Arten von Kleinsthäusern gibt es? Die Begriffe sind nicht klar definiert. Es gibt Tiny Houses mit und ohne Räder. Außerdem gibt es Modul- oder Minihäuser, die in System-, Container- und modularer Bauweise errichtet werden. Sie haben eine Größe von im Schnitt 50 Quadratmetern und sind per Schwertransport-Lastwagen versetzbar. Dazu zählen zum Beispiel auch die „FlyingSpaces“ von Schwörer Haus mit Sitz in Hohenstein-Oberstetten auf der Schwäbischen Alb.. Örtlich feste Gebäude mit bis zu 100 Quadratmetern nennt man Mini-, Mikro-, Single- und Kleinhäuser.

Wo darf man sie abstellen oder bauen? Ein dauerhaft bewohntes Minihaus gilt als Gebäude – mit den zugehörigen rechtlichen Pflichten. So muss zum Beispiel eine Baugenehmigung eingeholt werden. Auf welchen Grundstücken das Tiny House gebaut werden darf, sei im örtlichen Flächennutzungsplan sowie, soweit vorhanden, im Bebauungsplan ersichtlich, erklärt Schleyer. „Das Grundstück muss sich im Innenbereich befinden und erschlossen sein.“ Es braucht also zum Beispiel einen Strom- und Wasseranschluss. Eine Alternative seien Campingplätze. Viele Campingplätze erlaubten das Aufstellen von Tiny Houses. „Das Anmelden eines Erstwohnsitzes ist dort jedoch in der Regel nicht möglich.“

Inwiefern ist die Gestaltung festgelegt? Auch die äußere Erscheinung und die Abmessungen sind im Bebauungsplan oder in der Ortsgestaltungssatzung festgelegt. Schleyer weist darauf hin: „Es ist einfacher, sein Tiny House nach den individuellen baurechtlichen Vorgaben des vorher ausgesuchten Grundstücks zu bauen, als zuerst das Tiny House zu bauen und dann ein Grundstück zu suchen, das in seinen baurechtlichen Vorgaben dem Tiny House entspricht.“ Probleme kann es zum Beispiel mit dem Dach geben. Viele Tiny Houses haben ein Flachdach. Ist ein Satteldach im Gestaltungsplan festgelegt, kann es teurer werden, erklärt Carola Kochner, die Sprecherin von Schwörer Haus.

Wie viel kostet ein Tiny House? Der Tiny-House-Verband rechnet je nach Größe und Ausstattung mit Kosten zwischen 35.000 und 120.000 Euro. Bei Schwörer Haus beträgt der Quadratmeterpreis für ein schlüsselfertiges Modul der Flying Spaces zwischen 2800 und 3000 Euro. Damit liegt der Preis pro Quadratmeter häufig höher als bei größeren Häusern, der Gesamtpreis bleibt allerdings deutlich darunter.

Welche Hersteller gibt es? Gerade Fertighaushersteller wie Schwörer Haus haben den Trend für sich entdeckt und bieten Kleinhäuser an. Modulhäuser bieten zum Beispiel auch Max-Haus oder Deltamodul. Wer ein mobiles Tiny House sucht, kann auf kleinere, spezialisierte Produzenten setzen wie zum Beispiel Kleiner Nomade, Tiny Home Factory, Tiny House Deutschland oder Mobiltraumhaus. Im Internet sind einige Anlaufstellen zu finden.

Welche Schwierigkeiten können auftreten, wenn man ein Tiny House bauen möchte? „Generell kann man sagen, dass durch das deutsche Baurecht es alles andere als einfach und außerdem oftmals teuer ist, einen geeigneten Platz für das eigene Tiny House zu finden“, sagt Schleyer. Auch Kochner wünscht sich, dass Verfahren vereinfacht werden. „Ein spezielles Baurecht für Kleinstwohnen und mobile Häuser würde dem Trend entgegenkommen und die Realisierung der Vorhaben beschleunigen.“ So könnten Restgrundstücke erschlossen werden und bezahlbarer Wohnraum, der dringend benötigt wird, geschaffen werden. Es gibt jedoch auch Anwohner, die sich gegen die Ansiedlung der Kleinsthäuser wehren, weil sie eine Art Wohnwagensiedlung fürchten.

Auf dem Lastwagen zum Grundstück

Gerade die Modulhäuser eigenen sich auch als Anbau an bestehende Gebäude, zum Beispiel, wenn Bürofläche gebraucht wird oder sich die Familie vergrößert. Oder als Aufbau: So gibt es moderne Wohnprojekte, bei denen Minihäuser für Singles auf bestehende Garagenreihen gebaut werden. Module können auch gestapelt und damit mehrstöckig werden oder beliebig aneinander gebaut, je nachdem was die Bauordnung zulässt. Die Module vieler Anbieter sind 50 Quadratmeter groß und können per Lkw transportiert werden.

Bei der Auslieferung kann auch die Begleitung der Polizei nötig werden, je nach Landkreis. Dies lässt die Kosten steigen. Beliebt werden die kleinen Häuser laut Experten inzwischen übrigens auch zunehmend als Investitionsimmobilien, die sich dann vermieten lassen.

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Erstellt:
23. Februar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Februar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2021, 06:00 Uhr

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