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Tanzen

Kleider wie eine Prinzessin

Die German Open Championships in der Liederhalle sind Kostümspektakel und Spitzensport. Kinder orientieren sich am Vorbild der Erwachsenen.

19.08.2019

Von BARBARA WOLLNY

Schick gekleidet und frisiert im Stil der Großen wirbeln auch die Kinder übers Parkett. Foto: Ferdinando Iannone

Wer bislang dachte, dass sich Profitänzer gegenseitig nicht auf die Füße treten, konnte in den vergangenen Tagen in der Liederhalle das Gegenteil besichtigen. Obwohl gut die Hälfte der Bestuhlung im Beethovensaal entfernt worden war und zusammen mit dem Platz, den sonst die Orchester einnehmen, eine große Tanzfläche zur Verfügung stand, kamen sich die Tänzer öfters mal in die Quere. Teilweise mussten die Damen sogar um ihre kunstvollen Frisuren bangen, wenn es an den begehrten Flächen vor Preisrichtern und Fotografen eng wurde.

Der Liederhallen-Komplex samt Alter Reithalle und Teilen des Maritim-Hotels waren bis Samstagabend ein von Haar-, Parfüm und Bräunungssprays durchwaberter Kosmos für sich. Mit den 33. Deutschen Open Championships im Tanzsport (GOC) fand die weltweit größte Tanzmeisterschaft in Stuttgart statt – bereits zum 16. Mal.

Bei den 45 Wettbewerben, die bis hin zu den Europameisterschaften im Boogie Woogie reichten und auch Wettbewerbe für Rollstuhlfahrer und Kinder mit einschlossen, waren sowohl Zuschauerraum wie Tanzparkett gut gefüllt. „Der GOC ist die bedeutendste Sportveranstaltung in Stuttgart, die jährlich stattfindet und mitten im Sommer auch ein Riesengeschäft für die Stuttgarter Hoteliers, Restaurants und Geschäfte bedeutet“, sagt Wilfried Scheible, Geschäftsführer des GOC und Präsident des Tanzsportvereins Baden-Württemberg. Trotz der 4000 Starts von 2000 Paaren aus 50 Nationen, einer Warteliste für die Messestände und gut gefüllter Zuschauerränge könne sich der GOC nicht auf den Lorbeeren ausruhen: „Die Suche nach Sponsoren wird immer schwieriger.“

Deshalb ist Scheible erleichtert, dass die Stadt angekündigt hat, ihren GOC Zuschuss von bislang 95 000 Euro im nächsten Jahr aufzustocken. Allein für die Miete muss der GOC über 250 000 Euro aufbringen.

Sportlich müsse sich Deutschland anstrengen, sagt Scheible: Die besten Tänzer stammen heute aus Russland, Rumänien, Moldavien oder China. Bei den Kinderwettbewerben, die jüngsten Teilnehmer sind zwischen sechs und neun Jahre alt, waren fast keine deutschen Teilnehmer am Start. Genau so professionell wie ihre erwachsenen Vorbilder adrett frisiert in Smokinghosen, Ballkleidchen und Tanzsandaletten wirbeln die Kinder über das Parkett und imitieren Mimik und Gestik der Großen. Nur Schminke ist erst ab 14 Jahren erlaubt.

Bis zu zwei Stunden dauert es, bis die Flechtfrisur sitzt, sagt Mama Nastasja. Aber Tochter Anastasija hielt beim Friseur tapfer still und ist auch bereit, mehrere Stunden täglich zu trainieren. Nikita und Varvara sind beide elf und stammen aus dem russischen Astrachan. Sie sind wie fast alle anderen Kinder mit Eltern und Trainer angereist. „Es ist sehr cool und elegant“, antwortet Varvara auf die Fragen, warum sie gerne tanzt. „Es ist meine Passion“, erklärt ernst die neunjährige Maria Madrescu aus Portugal.

Während die Herren bei den Standardtänzen im schwarzen Frack mit weißer Fliege über das Parkett wirbelten, funkelten die Damen in allen Farben des Regenbogens von Aquagrün bis Ultraviolett. Die Kostüme sind die Prinzessinnenkleider der Moderne. Da es oft so aussehen soll, als seien Steine und Dekorationen auf nackter Haut befestigt, gibt es hautfarbene Trikots in mehr als 20 Tönen. Bis zu 4000 Euro kostet ein aufwendiges Tanzkostüm, Spezialanfertigungen noch mehr.

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Erstellt:
19. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 06:00 Uhr

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