Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Kinderbetreuung

Kita-Plätze dringend gesucht

Die Großstädte bauen ihr Angebot massiv aus, die Nachfrage wächst aber schneller. Mit der Wunsch-Krippe klappt es oft nicht.

11.09.2019

Von Alfred Wiedemann

Betreuung in der Kita: Allein Stuttgart hat die Zahl der Betreuungsplätze für Kleinkinder in zehn Jahren von 3740 auf 8239 erhöht. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Wartelisten für Kita-Plätze gibt es in Mannheim nicht. Eltern, die für ihre Kleinen einen Platz im Kindergarten, in der Schulkindbetreuung oder in der Tagespflege suchen, tragen sich ins „Meki“ ein, ins städtische Meldesystem Kinderbetreuung. Insgesamt 1190 Krippenplätze für die Kleinsten wurden zum 1. Juli gesucht. 636 Kinder waren gleich versorgt. 554 Kinder blieben übrig.

„Das heißt aber nicht, dass alle diese Kinder unversorgt sind“, sagt Beate Klehr-Merkl. „Erfasst sind alle, die suchen“, sagt die städtische Pressereferentin. Also auch die schon einen Platz haben, aber einen anderen möchten oder statt Tagespflege eine Krippe. Die Lage sei angespannt, „bisher konnte aber allen Eltern ein „rechtsanspruchskonformer Betreuungsplatz“ angeboten werden – „wenn auch nicht immer in der ,Wunsch-Kita'“.

Ähnlich sieht es in allen Südwest-Großstädten bei der Betreuung der Kinder unter drei Jahren aus. In Freiburg sei die Versorgung im Stadtgebiet „nicht einheitlich“, sagt ein Rathaussprecher. „Entsprechend gibt es Eltern, die keinen Platz in ihrer Wunsch-Kita erhalten.“ Akzeptable Lösungen seien bisher aber immer gelungen – „in zumutbarer Entfernung“.

Was längere Wege sind, ist relativ, sagt der Ulmer Amtsleiter Günther Scheffold. Die Stadt garantiere bei entsprechendem Wunsch „eine Unterbringung in dem Sozialraum, in dem das Kind wohnt.“ Nicht alle kommen aber in die Wunsch-Kita. Besonders neue Einrichtungen mit ihrem breitem Angebot stünden bei vielen Eltern „auf der Wunschliste“.

Auch Karlsruhe kann „nicht immer einen Betreuungsplatz in der Wunscheinrichtung“ anbieten, teilt die Pressestelle mit. Wunsch-Kita sei allerdings auch nicht unbedingt die nächstliegende. Auch pädagogische Ausrichtung oder Arbeitsweg spielten eine Rolle.

„Eltern sind bei der Suche nach einem Betreuungsplatz fürs Kind oft sehr flexibel“, teilt eine Sprecherin der Stadt Heidelberg mit. „Bisher konnte für jedes Kleinkind, dessen Eltern sich an das Kinder- und Jugendamt gewandt haben, ein geeigneter Betreuungsplatz gefunden werden.“

„Wir gehen davon aus, dass in einigen Stadtteilen nicht alle Eltern ihren Wunschplatz erhalten können“, sagt der Heilbronner Amtsleiter Achim Bronner. Einige Eltern warteten deshalb freiwillig auf ihren Wunschplatz. „Eltern, die dringend einen Platz benötigen, werden auf Wunsch in andere Einrichtungen vermittelt.“

Stuttgart achte darauf, dass die Kita „in unter 30 Minuten erreichbar ist“, sagt Sven Matis, Leiter der Pressestelle. „Dies gilt gesetzlich als zumutbar. Nur so kann man von einem bedarfsgerechten Betreuungsplatzangebot sprechen.“ Meistens seien es aber weniger als 30 Minuten.

Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Platz für ihre Kleinen. Klappt das nicht, muss die Stadt die Kosten übernehmen – aber nur, wenn diese für die Eltern unzumutbar sind, urteilte das Bundesverwaltungsgericht vor zwei Jahren. In Mannheim gab es noch keinen solchen Fall. Die Städte Karlsruhe, Heilbronn, Pforzheim, Ulm und Heidelberg winken ebenfalls ab.

Anders Stuttgart: In der Landeshauptstadt liegen etwa drei Dutzend Anträge von Eltern auf Kostenerstattung vor. Elf Verfahren sind laut Stadt beim Verwaltungsgericht anhängig. Nur noch im „begründeten Einzelfall“ erstatte die Stadt die Differenz für private Betreuung. Geprüft werde „insbesondere mit Blick darauf, ob die Mehrbelastung zumutbar ist oder nicht.“

Seit Jahren bauen die Kommunen die Betreuung aus. Die Nachfrage steigt aber stärker. Mannheim plant bis 2021 zum Beispiel 27,5 neue Kindergartengruppen mit 550 Ganztagsplätzen. Auch 21 neue Krippengruppen mit 210 Plätzen entstehen. Freiburg richtet bis Ende 2022 für Kinder bis drei Jahre 420 Plätze ein und 690 Plätze für Kinder von drei bis sechs. Stuttgart hat die Zahl der Betreuungsplätze für Kleinkinder in zehn Jahren von 3740 auf 8239 erhöht. Der statistische Versorgungsgrad stieg von 23,8 Prozent 2008 auf rund 45 Prozent 2018. Weitere 1700 Plätze für unter Dreijährige sind beschlossen.

1700 zusätzliche Fachkräfte benötigt allein Stuttgart für den geplanten Ausbau seiner Kinderbetreuung. Diese Erzieherinnen und Erzieher müssen erst einmal gefunden werden. „Die Personalgewinnung ist schwierig“, sagt der Heilbronner Amtsleiter Bronner. Landesweit gebe es einen erhöhten Bedarf an Erzieherinnen. In Pforzheim sei „zurzeit der fehlende Platz das größere Problem“, sagt Ella Martin von der Stadtverwaltung. „Neue Einrichtungen finden aktuell ausreichend Fachkräfte.“

Fehlende Plätze seien „definitiv ein Problem“, heißt es in Freiburg. „Allerdings zeigt sich auch, dass Plätze nicht oder verzögert in Betrieb genommen werden, weil Personal fehlt.“ Deshalb gebe es auch „vorübergehend kürzere Öffnungszeiten oder Schließungen von Gruppen in einzelnen Einrichtungen.“ Das Besetzen offener Stellen habe aber bisher immer geklappt. Teure Mieten sind dabei auch Thema: „Ja, es gibt vereinzelte Fälle, in denen interessierte Erzieherinnen und Erzieher absagen, weil sie in Freiburg keine bezahlbare Wohnung finden“, so Toni Klein vom Pressereferat der Stadt.

Heidelberger Rekord

44,5 Prozent aller Heidelberger Kinder unter drei Jahren sind 2018 in einer Kindertageseinrichtung oder in der Tagespflege betreut worden. Das war nach den Zahlen des Statistischen Landesamtes der Rekord in Baden-Württemberg. In Freiburg waren es 42,5 Prozent, in Stuttgart 38,5 Prozent.

20,9 Prozent der Kinder unter drei waren dagegen in Pforzheim in einer öffentlich geförderten Betreuung. Göppingen (21,7 Prozent) und Alb-Donau (22 Prozent) folgten mit ebenfalls niedrigen Betreuungswerten.

29,1 Prozent aller Kinder unter drei Jahren waren in ganz Baden-Württemberg in einer Betreuungseinrichtung.

Zum Artikel

Erstellt:
11. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
11. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+