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Kirschblüten und rote Bohnen

Kirschblüten und rote Bohnen

Leises Drama aus Japan über drei einsame Menschen unterschiedlichen Alters, die sich an einer Imbissbude begegnen.

Kirschblüten und rote Bohnen

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An
Japan 2014

Regie: Naomi Kawase
Mit: Kirin Kiki, Masatoshi Nagase, Etsuko Ichihara

113 Min. - ab 0 Jahren

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17.01.2016
  • Klaus-Peter Eichele

Obwohl seit Jahren Stammgast im Wettbewerb des Festivals von Cannes, ist die japanische Regisseurin Naomi Kawase in Deutschland und Tübingen noch kaum bekannt. Als erste Kostprobe lief vor kurzem ihr Coming-of-Age-Drama „Still The Water““ im Arsenal. Ihr jüngstes Werk mit dem knackigen Originaltitel „An““ ist in vieler Hinsicht das Gegenstück dazu. „Still The Water“ spielt auf einer idyllischen Insel und hat jugendliche Protagonisten, Schauplatz des neuen Films ist eine wenig ansehnliche Großstadt und die Hauptfigur eine 76 Jahre alte Dame.

Diese sichtlich nicht auf Kirschblüten gebettete Tokue bewirbt sich um einen Aushilfsjob bei dem verschlossenen Imbissbudenbetreiber Sentaro, der sie nach einigem Hin und Her engagiert. Dank ihrer selbstgemachten Bohnenpaste gedeiht die zuvor nur mäßig frequentierte Pfannkuchen-Klitsche zum Publikumsmagneten.

Von vielen ähnlichen Filmen unterscheidet sich „An““, dass die Regisseurin das Kulinarische sehr Ernst nimmt. Eine Viertelstunde lang zeigt sie, wie Tokue nach traditionellem Rezept und mit beinah poetischer Anmut ein Bohnenmus der Extraklasse zubereitet (was man im Kino leider nur erahnen kann).

In der Hauptsache geht es dann aber doch ums Zwischenmenschliche. Tokue und Sentaro tragen Wunden aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, die sie zunächst voreinander verbergen. Der „Chef““ ist Alkoholiker und hat Schulden, die ihn bis ans Lebensende drücken werden, und über die alte Frau kursieren alsbald Gerüchte, die den Geschäftserfolg ins Gegenteil verkehren könnten.

Gemeinsam mit einer einsamen Schülerin bilden die beiden schließlich eine Zelle gegen die Vorurteile und die Grobheit der Gesellschaft. Diese einfache Geschichte von einfachen Menschen, die im Gegensatz zu „Still The Water“ ohne Tiefensymbolik auskommt, ist ein weiterer kleiner Baustein in Kawases Werk-Plädoyer für eine menschenfreundliche Welt –- zu der fraglos auch gutes, mit Respekt vor den Bedürfnissen von Mensch und Natur zubereitetes Essen gehört.

In diesem leisen Drama aus Japan geht die Sanftmut durch den Magen.

Spielplan

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17.01.2016, 11:11 Uhr
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Ein herausragender Film, zu Recht wird er als ein "deutscher Kaurismäki" bezeichnet. Als "Liebesfilm" würde ich ihn allerdings in keinster Weise bezeichnen, diese Szenen sind nur ein kleiner Teil. In erster Linie wird ohne viele Worte die aussichtslose Lage der prekär beschäftigen Menschen gezeigt, die beispielsweise trotz Verbots weggeworfene Lebensmittel direkt am Container im wahresten Sinne des Wortes "verschlingen". Sie versuchen, sich ihre Würde und auch ihren Humor zu bewahren. Interessant ist es, die Kurzgeschichte von Clemens Meyer zu lesen, sie umfasst nur 25 Seiten. Die Umsetzung im Film ist hervorragend gelungen, einige wenige Szenen wurden verändert bzw. hinzugefügt.
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