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Das Haus des Drogisten

Kirchgasse 10 gibt bei Sanierung Geheimnisse preis

Es ist ein besonders altes Haus und war zuletzt eines der baufälligsten der Tübinger Altstadt: Mit der Sanierung soll in der Kirchgasse 10 qualitätvoller Wohnraum entstehen.

19.05.2011

Von Ulrike Pfeil

Tübingen. Hier im Parterre hatte der weit über Tübingen hinaus für seine Originalität bekannte Drogist Hans Herb sein Geschäft, in dem man nützliche und altmodische Dinge bekam, die es sonst nirgends mehr gab: loses Seifenpulver, Rattengift und manche selbst gemixte Tinktur zur Entfernung auch der speziellsten Flecken. Als Herb vor zwei Jahren starb, wurde auch die traditionsreiche, über 130 Jahre alte Drogerie nach und nach aufgelöst.

Das gelbe Haus links (Holzmarkt 2) und das derzeit hinter einem Gerüst versteckte Haus Kirchgasse 10 (die ehemalige Drogerie Müller von Hans Herb) waren ursprünglich ein Gebäude. Jetzt wird die Kirchgasse 10 saniert. Im Erdgeschoss entsteht ein Ladengeschäft, darüber werden Wohnungen ausgebaut.Bild: Metz

Und schließlich auch das Haus selbst. An dem Gebäude aus dem Jahr 1450 wird einmal mehr ein Finanzierungsmodell vorgeführt, das marode Baudenkmale zu neuem Leben erweckt, deren Sanierung für einzelne private Eigentümer kaum erschwinglich wäre. Die Tübinger Sax-Gruppe erwarb das schwer verkäufliche Gebäude. „Die Familie Herb ist auf uns zugekommen“, sagt Geschäftsführer Bernd Ruck. Vermittelnd wirkte Nonnenhaus-Besitzer Ernst Gumrich, der den Erhalt historischer Bausubstanz zu seinem persönlichen Thema gemacht hat.

Als Bauträger verfügt die Sax-Gruppe über einige Erfahrung mit Denkmalschutzobjekten. Dennoch sagt Ruck: „Kirchgasse 10 ist eines der schwierigsten.“ Das mittelalterliche Fachwerkhaus war zuletzt so baufällig, dass das Wohnen dort untersagt wurde. Ein Dönerverkäufer im Erdgeschoss stand auf einem Brett, das über einen Treppenabgang gelegt war und von unten mit Balken abgestützt wurde.

Aus dem Jahr 1250 stammen Fliesen mit zum Teil christlichen Motiven (Weintrauben, Fisch) aus dem Kloster Bebenhausen, die im Dachgebälk der Kirchgasse 10 gefunden wurden. Sie dienten dort als Unterlegscheiben.Privatbilder

Bei der Untersuchung der Bausubstanz vor der Sanierung entdeckte Bauhistoriker Tilmann Marstaller älteste Balken aus dem Jahr 1347; diese wurden aber wohl beim Bau schon recycelt. Als Baudatum gilt das Jahr 1450. Kirchgasse 10 und das Nachbarhaus am Holzmarkt wurden damals als ein Gebäude errichtet, mit einem gemeinsamen Kellergewölbe (Herbs „Giftkeller“). 1515 wurde das Anwesen vertikal geteilt. Wegen der Größe des Erstbaus und Hinweisen auf die Ausstattung vermutet Marstaller, dass es sich um einen sehr frühen Gewerbebau handelte, vielleicht für eine Schneiderei.

1620 wurde das Haus aufgestockt und zu einem dreischiffigen Gebäude umgebaut, 1715 kam ein weiterer Keller hinzu. Dokumentiert sind weiterhin „schwere Schäden“ am Ende des 18. Jahrhunderts. Sicher ist aber, dass das Haus nie ein anständiges Treppenhaus bekam. Dieses muss nun hinter dem neuen Eingang erst hergestellt werden.

Nach Plänen aus dem Tübinger Architekturbüro Gottfried Haefele wird die zurückspringende Fassade im Erdgeschoss wieder begradigt. Auf den drei Stockwerken entstehen gediegene Mietwohnungen (an der Rückseite zum Teil mit abgedeckter Loggia). Für den neuen Laden von etwa 75 Quadratmetern hat Ruck bereits einen Mieter. Es handle sich, nur so viel gibt er fürs Erste preis, um ein „hochwertiges Lebensmittelgeschäft“.

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Erstellt:
19. Mai 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Mai 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2011, 12:00 Uhr

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