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Gewalt

Kippa-Tragen war ein Test

Das Opfer des antisemitischen Angriffs in Berlin stellt klar, dass er Israeli, aber kein Jude ist. Der Täter hat sich gestellt.

20.04.2018
  • MICHAEL GABEL

Berlin. Er ist 19 Jahre alt und soll im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg mit einem Gürtel auf einen 21-Jährigen eingeschlagen haben, nur weil dieser eine Kippa trug. Am Donnerstag stellte sich der Tatverdächtige. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, es wurde Haftbefehl erlassen. Laut „Bild“-Zeitung soll es sich bei dem Tatverdächtigen um einen palästinensischen Syrer handeln, der in einer Brandenburger Einrichtung gemeldet sei.

Zuvor hatte es eine Überraschung gegeben: Der Überfallene stellte klar, dass er zwar Israeli, aber kein Jude ist. Er habe die jüdische Kopfbedeckung zu Testzwecken getragen, sagte Adam Armoush. Nach der Tat am Dienstagabend hatte er den Eindruck erweckt, dass er die Kippa aus religiösen Gründen trug. Armoush erzählte, er habe einem israelischen Freund beweisen wollen, dass es in Deutschland kein Problem sei, sich als Jude erkennen zu geben. Nun sei er überzeugt, dass sie hierzulande „nicht so sicher leben können, wie ich gedacht habe“.

Der Student der Tiermedizin war am Dienstagabend mit einem Bekannten, der ebenfalls eine Kippa trug, in Prenzlauer Berg unterwegs. Dort wurden die beiden von einer Gruppe arabisch sprechender Männer zuerst beschimpft, dann schlug einer der Männer mit einem Gürtel auf den 21-Jährigen ein und versuchte, ihn mit einer Flasche zu treffen. Armoush filmte die Tat und stellte das Video ins Netz.

Kritik an Vorgehen

Der Deutschlandchef der Menschrechtsorganisation Human Rights Watch, Wenzel Michalski, hält es für unglücklich, dass der Eindruck entstand, das Opfer sei jüdischen Glaubens. „Es wäre besser gewesen, den Hintergrund der Aktion sofort zu benennen“, sagt Michalski der SÜDWEST PRESSE. Das ändere aber nichts daran, „dass es ein antisemitischer Vorfall war und das Opfer angegriffen wurde, weil es eine Kippa trug“, ergänzt er. Für ihn steht fest: „Auch in bürgerlichen Vierteln ist es gefährlich, sich als Jude zu erkennen zu geben – und nicht nur an sozialen Brennpunkten.“ Der Tübinger Medienwissenschaftsprofessor Bernhard Pörksen sieht die Begleitumstände der Aktion eher locker. Ob der Mann nun jüdischen Glaubens sei oder nicht – „ein solches Experiment ist völlig in Ordnung und schon durch das Ergebnis gerechtfertigt“, sagt er.

In letzter Zeit waren gehäuft antisemitische Vorfälle bekannt geworden, an denen Muslime beteiligt waren – zuletzt, als eine jüdische Schülerin von muslimischen Kameraden gemobbt wurde. 1453 antisemitische Straftaten hat die Polizei 2017 gezählt. Wobei neun Zehntel auf das Konto Rechtsextremer gingen. Kanzlerin Angela Merkel sagte gestern: „Der Kampf gegen antisemitische Ausschreitungen muss gewonnen werden.“ Michael Gabel

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20.04.2018, 06:00 Uhr
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