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Pädophilie

Kinderschutz: Kritik am Vatikan

Die letzte Opfervertreterin verlässt frustriert die päpstliche Kommission: „Kein Wille zur Zusammenarbeit.“

03.03.2017
  • BETTINA GABBE

Rom. Nachdem Paul Saunders und jetzt Marie Collins die päpstliche Kinderschutzkommission unter Protest verlassen haben, gehört ihr kein Opfer mehr an. Die Irin erhebt schwere Vorwürfe gegen die vatikanische Kurie, insbesondere gegen die Glaubenskongregation. Den Kampf der katholischen Kirche gegen sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen sieht sie jedoch nicht in Gefahr.

Ob die Blockadehaltung der Kurie gegen die Aufarbeitung von Missbrauchsskandalen zum Widerstand gegen Papst Franziskus gehört, wollte Collins öffentlich nicht beurteilen. Sie macht aber ausdrücklich „allgemeinen Widerwillen zur Zusammenarbeit“ im Vatikan für ihren Rückzug verantwortlich.

Vor drei Jahren habe sie die Berufung als Missbrauchsopfer in die Kommission unter einer Bedingung angenommen, sagte Collins: Es dürfe keine Widersprüche zwischen öffentlichen Erklärungen und dem geben, was hinter den Kulissen geschieht.

Die Glaubenskongregation beantworte Fragen von Missbrauchsopfern nicht, obwohl Papst Franziskus das auf Empfehlung der Kinderschutzkommission befürworte, bemängelt sie. Die Behörde rechtfertige das mit der üblichen Praxis, dass Anfragen von Gläubigen vom Ortsbischof zu beantworten seien.

„Dieses Verhalten gegenüber den Opfern habe ich nicht mehr ausgehalten“, sagte Collins. Sie war im Alter von 13 Jahren während eines Krankenhausaufenthalts von einem Geistlichen missbraucht worden.

Juristische Spitzfindigkeiten

Die Glaubenskongregation habe überdies mit juristischen Spitzfindigkeiten verhindert, dass das von Papst Franziskus eingesetzte und in dieser Kongregation angesiedelte Gericht gegen Bischöfe vorgehe, denen im Umgang mit Missbrauchsfällen Nachlässigkeit vorgeworfen wird, kritisierte Collins. Die Glaubenskongregation ist seit 2001 auch für die Verfahren gegen pädophile Priester zuständig.

Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und die Einführung von Normen zum stärkeren Schutz vor Pädophilie schreiten nach Collins Einschätzung sehr unterschiedlich voran. In Italien sei die Kirche im Vergleich zu anderen Ländern im Rückstand. „Es kann effektivere Normen und bessere Schutzmechanismen für Minderjährige geben, aber wenn sich die Mentalität nicht ändert, reicht das nicht.“

Der Vatikan ist weiterhin stark von seinem italienischen Umfeld geprägt, auch wenn der argentinische Papst Tendenzen zur Vertuschung Forderungen nach Transparenz entgegensetzt.

Bettina Gabbe

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03.03.2017, 06:00 Uhr
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