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Interview mit Psychologe Christian Montag

„Kinder sollen herumtollen“

Kinder sollten bis zu einem bestimmten Alter die Finger von Smartphones und Tablets lassen. Das sagt der Psychologe Christian Montag von der Universität Ulm.

07.02.2018
  • Igor Steinle

Herr Montag, was machen die sozialen Medien mit uns?

Christian Montag: Die ersten Studien zeigen: Bereits nach drei Monaten Dauernutzung entwickeln Smartphone-Nutzer ADHS-ähnliche Symptome. Sie werden unaufmerksamer und impulsiver. Das Smartphone übt außerdem über Messenger wie WhatsApp sozialen Stress aus. Wenn ich eine Nachricht bekomme, steigt der soziale Druck, sofort zu antworten. Gerade bei Kindern ist die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren schwach, sie sind noch eher verhaftet, sofort zu antworten.

Wieso ist das gerade bei Facebook gefährlich?

Durch die vielen Likes neigen Menschen dazu, die schönsten Seiten von sich zu präsentieren, auch Seiten, die es oft gar nicht gibt. Wenn ich immer nur sehe, wie toll die Erlebnisse Anderer sind, kann das zu Neid und sogar depressiven Tendenzen führen.

Was ist stattdessen wichtig?

Kinder bis zwölf Jahren sollten vor allem viel miteinander spielen, herumtollen und raufen. Das ist zentral für eine gesunde Hirnentwicklung. Wenn das nicht stattfindet, erlernen Kinder nicht ausreichend soziale Kompetenzen.

Aber was, wenn alle anderen Kinder auch auf Facebook sind?

Das ist das Dilemma. Wenn ich das einzige Kind ohne den neuen Facebook-Messenger für Kinder bin, stehe ich im Abseits. Die Frage sollte aber sein, ob Kinder ihn überhaupt nutzen sollten. Soziale Medien sollten unter zwölf Jahren keine Rolle spielen. Die Zahl ist allerdings nur ein Richtwert, den Studien erst belegen müssen.

Verpassen Kinder so nicht den digitalen Anschluss?

Nein, digitale Medien sind so leicht zu bedienen, dass schon Dreijährige auf Tablets rumtippen können. Wenn jemand erst mit zwölf einsteigt, sehe ich dieses Problem nicht. Soziale Medien haben früher keine Rolle in der Kindheit gespielt, wieso sollten sie es heute tun?

Weil man zum Beispiel auch nützliche Dinge mit dem Smartphone machen kann.

Es kommt immer auf den Inhalt an. Da sind die Eltern gefragt. Natürlich ist es nicht schlimm, auf dem Tablet „Die Sendung mit der Maus“ zu schauen. Ein Problem entsteht, wenn die Kinder dann zu wenig draußen spielen.

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07.02.2018, 08:07 Uhr
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