Uni Tübingen

Corona-Kinderstudie: Wohl keine Virenschleudern

Aufgrund erster Zwischenergebnisse der Corona-Kinderstudie in Tübingen, Ulm, Freiburg und Heidelberg öffnen die Kitas wieder. Das Tübinger Uniklinikum hält sich noch bedeckt.

03.06.2020

Von Lisa Maria Sporrer

Bild: congerdesign / Pixabay

Es könne ausgeschlossen werden, dass Kinder besondere Treiber des aktuellen Infektionsgeschehens seien, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der vergangene Wochen bei einer Regierungspressekonferenz und bezog sich dabei auf eine Studie, die auch in Tübingen läuft.

Rund 5000 Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren sowie je ein Elternteil sind in Tübingen, Ulm, Freiburg und Heidelberg mit Nase-Mund-Rachen-Abstrichen auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet worden. Es ist die bislang größte Studie ihrer Art. Sie wurde von der Landesregierung in Auftrag gegeben und finanziert. Aufgrund der hohen Dringlichkeit und der ganz besonderen Belastung von Eltern und Kindern in der Coronakrise habe Kretschmann die federführende Universitätsklinik Heidelberg aber gebeten, erste belastbare Zwischenergebnisse mitzuteilen, so die Pressestelle der Klinik in Heidelberg gegenüber dem TAGBLATT. Aus dem Zwischenergebnis leitete Kretschmann die Entscheidung ab, Grundschulen und Kitas in Baden-Württemberg bis Ende Juni wieder komplett zu öffnen.

Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, an der die Tübinger Corona-Kinderstudie läuft, verweist darauf, dass die endgültigen Daten erst vorgestellt würden, wenn deren Auswertung vollständig abgeschlossen ist. Wann das sein wird, könne man noch nicht sagen, da die Blutproben und Abstriche in Heidelberg ausgewertet werden.

Während sich also die Kliniken in Tübingen, in Heidelberg und in Freiburg mit einer Einschätzung der ersten Ergebnisse noch sehr zurückhalten, sagte der Ärztliche Direktor der Ulmer Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Prof. Klaus-Michael Debatin, der SÜDWEST PRESSE in Ulm, dass Kinder offensichtlich nicht stark belastet seien: Der Nachweis des Virus sei bei den Studienteilnehmern aller Regionen minimal gewesen. Er habe sogar bei deutlich unter einem Promille gelegen. Der Erreger sei lediglich bei einem einzigen Eltern-Kind-Paar nachgewiesen worden, so Debatin.

Anders verhielt es sich aber wohl beim Nachweis von Antikörpern gegen das Coronavirus. Diese fanden die Forscher demnach bei knapp zwei Prozent der Getesteten. Allerdings mit der eindeutigen Tendenz, dass Kinder weniger oft Antikörper hatten, selbst wenn diese bei ihren eigenen Eltern nachgewiesen worden waren, sagt Debatin.

Aber nicht nur der Wissenschaftler, auch Ministerpräsident Kretschmann betonte in seiner Pressekonferenz, dass es sich bei diesen Einschätzungen lediglich um Zwischenergebnisse handelt und die finale Auswertung noch aussteht.

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Erstellt:
3. Juni 2020, 19:40 Uhr
Aktualisiert:
3. Juni 2020, 19:40 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Juni 2020, 19:40 Uhr

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