Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Interview

„Kinder sind die Leidtragenden“

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat sich die Arbeits- und Lebensbedingungen derjenigen angeschaut, die das produzieren, was wir für wenig Geld kaufen.

26.01.2019

Von ANDRé BOCHOW

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin. Sie haben mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) einen 10-Punkte-Plan zum Kakaohandel vorgestellt. Was gibt es denn beim Thema Kakao zu regeln?

Gerd Müller: Schokolade ist die Lieblingssüßigkeit der Deutschen. Aber sie hat immer noch eine bittere Seite: Hungerlöhne, Armut, Kinderarbeit und Abholzung der Regenwälder. Zwar haben wir mit dem „Forum Nachhaltiger Kakao“ schon viel erreicht. Rund 60 Prozent des Kakaos in Deutschland wird mittlerweile nachhaltig hergestellt. Aber wir müssen endlich zu 100 Prozent kommen. Das bedeutet, dass allen Menschen ein fairer Preis gezahlt wird, die unseren Kakao auf den Plantagen Westafrikas anbauen und ernten. In einer 100-Gramm-Tafel Schokolade, stecken – ohne faire Preise – gerade einmal 5 Cent für die Produzenten.

Was Kinderarbeit nach sich zieht?

Ja. Die Einkommen reichen gerade einmal zum Überleben. Deswegen müssen die Kinder auf den Plantagen schuften und die Kakaobohnen in 20 Kilo schweren Säcken schleppen. Ich habe das in Afrika selbst gesehen. An Schule und Bildung ist da nicht zu denken. 1,2 Millionen Kinder arbeiten allein in der Elfenbeinküste in der Kakaoproduktion. Fast die Hälfte unseres Kakao kommt von dort. Das muss sich dringend ändern.

Aber unfaire Preise sind auch bei anderen Produkten ein Problem.

Bei anderen Produkten ist das Problem sogar noch größer. Und immer wieder sind Kinder die Leidtragenden. 150 Millionen Kinder müssen weltweit unter teils ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Viele unser täglichen Produkte werden in Entwicklungsländern produziert: Kaffee, Bananen, Baumwolle oder Palmöl. Wer hier faire Preise bezahlt, sichert den Menschen existenzsichernde Einkommen. Und hilft, Kinderarbeit zu beenden.

Wie wäre es, gesetzlich Standards festzulegen?

Wir haben mit dem Wettbewerb um möglichst niedrige Preise bei landwirtschaftlichen Produkten selbst einschlägige Erfahrungen gesammelt. Ich erinnere nur an den Preiskampf bei der Milch, der eindeutig zu Lasten der Milchbauern ging. Irgendwann kamen die Handelsketten aber zu der Einsicht, dass die Landwirte einen Grundpreis brauchen. Und auf diese Einsicht setze ich auch im internationalen Handel.

Und wenn es die nicht gibt?

Dann wird die Politik handeln und dies gesetzlich regeln. Wir haben schließlich internationale Vereinbarungen über Kinderrechte und über Mindeststandards bei der Arbeit.

Zum Artikel

Erstellt:
26. Januar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Januar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+      Google+