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15 Jungen und Mädchen aus dem Tschernobyl-Gebiet machen Urlaub in Mössingen

Kinder aus Kursk wieder da

In Dörfern rund um Kursk sprießen nächstes Jahr Blumen aus Mössingen. Den Samen dafür nehmen die russischen Kinder mit, die derzeit hier Urlaub machen. Eingeladen hat sie wie immer die katholische Gruppe „Pax Christi“, die seit vielen Jahren Kontakt in die Tschernobyl-Region hält.

17.07.2009
  • Gabi Schweizer

<strong>Mössingen.</strong> Nikolai schaut irritiert: „Das ist doch kein Akkordeon!“ sagt der Elfjährige auf die Frage, wo er so schön spielen gelernt hat. Nein, eine Harmonika ist es, mit der er sich auf die Reise von Russland ins schwäbische Mössingen gemacht hat. Im Bürgersaal des Rathauses holte er das etwas ramponiert wirkende Instrument aus dem Stoffbeutel, für ein russisches Volkslied. Schön klingt es. Sein Vater hat ihm die Griffe beigebracht. Oberbürgermeister Werner Fifka hatte die Kinder aus dem Großraum Kursk gestern ins Rathaus eingeladen. „Das ist die Mössinger Duma“, erklärte Johannes Kepplinger von der Pax Christi-Gruppe. „Manchmal geht’s auch so zu“, witzelte Fifka.

Blumensamen, Taschen mit rotem Mohn vor Farrenberg-Motiv, Würstchen auf der Dachterrasse des Rathauses bekamen die acht Mädchen und sieben Jungen. Fifka lobte das Engagement der Kirchengemeinde. Was Pax Christi leiste, könne man mit Geld nicht bezahlen, sagte auch Irina Agapova von der russischen Hilfsorganisation Fond Mira – und überreichte eine Goldmedaille sowohl an Fifka als auch an Lilli Beck, Mitglied im Organisationsteam und Vorsitzende der örtlichen Pax Christi-Gruppe.

In vielen Dörfern gibt es weder Schule noch Arzt

Agapova und drei weitere Frauen kamen als Betreuerinnen mit den Kindern nach Deutschland. Aus kleinen Dörfern rund um Kursk stammen die Elf- und Zwölfjährigen: Ein Junge ist der Jüngste von elf Geschwistern, andere sind Waisen oder Halbwaisen, erzählt Agapova. Bedürftig sind sie alle – für einen Auslandsurlaub hätten ihre Eltern niemals Geld gehabt. In manchen Dörfern gebe es weder eine Schule noch einen Arzt, weiß Lilli Beck, die selbst schon oft in Russland war und bestürzt ist über die Armut der Menschen. „Gestern hab’ ich Gulasch gekocht“, erzählt sie. Die meisten Kinder kannten das Gericht nicht – Fleisch komme bei ihnen selten auf den Tisch, dafür immer wieder Kartoffeln.

Bezahlt wird der dreiwöchige Aufenthalt von den Spenden, die Pax Christi sammelt. Doch so ein Urlaub ist teuer. Nur alle zwei Jahre gibt das Konto das her – gerade sieht es in der Kasse ohnehin knapp aus. Beck hofft darum sehr, dass auch weiterhin erholungsbedürftige Kinder nach Mössingen kommen können.

Schon jetzt spart die Organisations-Gruppe am Programm und beschränkt sich auf einen großen Ausflug an den Bodensee. Spaß machen allerdings auch die Aktivitäten rund um Mössingen, wie Nikolai und Sascha versichern, zwei der Urlauber. Die russischen Jungen kickten bereits gegen die Kinder vom Christlichen Verein Junger Menschen – und gewannen prompt. Die Kinder gehen auf Fledermaus-Pirsch, spielen Badminton oder schauen bei der Feuerwehr vorbei. Einige Betreuerinnen übersetzen, auch Lilli Beck kann russisch: Nach ihrem ersten Russland-Aufenthalt Anfang der 90er-Jahre hat sie begonnen, die Sprache zu lernen.

Die russischen Mädchen besuchten vorgestern das Mädchencafé im „Häusle“ – eine tolle Einrichtung, wie Kepplinger findet. Das „Häusle“ hat auch für Pax Christi eine besondere Bedeutung, denn in den Vorjahren war dies der Treffpunkt für die russischen Kinder, die damals noch in Gastfamilien übernachteten. Da es diese Anlaufstelle für untertags nun nicht mehr gibt, sind alle durchgehend im Aible untergebracht – bis auf das übernächste Wochenende. Das sollen die Kinder in Gastfamilien verbringen und so Kontakte zu Mössingern knüpfen. Denn auch darum geht es: „Für die Völkerverständigung ist es wichtig, dass sie Deutschland als gastfreundliches Land kennenlernen“, ist Beck überzeugt. Ganz in diesem Sinne machen die Kinder auch beim 1. „Mössinger Allerlei“ mit, dem „Fest der Kulturen und Generationen“ vor der Gottlieb-Rühle-Schule am Sonntag. Um 13.15 Uhr zeigen sie auf der Bühne einen Tanz.

Die Rückfahrt mit dem Bus dauert zwei Tage

Seit 1991 ist die Mössinger Pax Christi-Gruppe im Kontakt mit Menschen aus der Tschernobyl-Region. Zunächst hatten die Mössinger Erwachsene hierher eingeladen, auf Anfrage der russischen Freunde dann 1993 erstmals Kinder. Gerne würde Beck auch einmal mit einer Gruppe nach Kursk reisen. Daran allerdings zeigte bislang kaum jemand Interesse.

Noch bis Freitag, 31. Juli, sind die russischen Kinder in Mössingen. Dann geht es zurück, mit dem Bus. Zwei Tage lang. Im Gepäck den Mössinger Blumensamen.

Info

Spendenkonto: Russlandpartnerschaft der Pax Christi-Gruppe e.V., Kontonummer 3096413, BLZ 64150020.

Kinder aus Kursk wieder da
Urlaub in Mössingen: 15 russische Kinder sind für drei Wochen in der Blumenstadt. Gestern machten sie einen Abstecher ins Rathaus und zum Grillen auf die Dachterrasse. Ganz rechts steht der 11-jährige Nikolai, der sehr schön auf seiner Harmonika spielt. Bild: Franke

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17.07.2009, 12:00 Uhr
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