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Eingeschleppt aus Amerika

«Killermaschine Kalikokrebs» bedroht Arten und Gewässer

Der Mitte der 90er Jahre nach Baden-Württemberg eingeschleppte Kalikokrebs entwickelt sich zunehmend zur ernsten Gefahr für einheimische Amphibien und Wasserinsekten.

12.07.2018
  • dpa/lsw

Karlsruhe. Er breite sich rasant aus und sei inzwischen in den Gewässern entlang des gesamten Oberrheins zu finden. «Ich wage mal eine grobe Schätzung: In 80 Prozent der Auengewässer findet sich der Kaliko», sagte Andreas Stephan, der gemeinsam mit seinem Kollegen Alexander Herrmann an der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe ein Forschungsprojekt zu dem nordamerikanischen Flusskrebs betreut. Das gefräßige Tier bedrohe Amphibien und Insekten, etwa Libellen, massiv. Es nimmt ihren Lebensraum in Beschlag und frisst sämtliche Nahrung in Gewässern auf.

Der Kalikokrebs, eine eingeschleppte Art, wurde vermutlich 1993 in der Nähe des Baden-Airparks ausgesetzt. Seitdem verbreitet er sich explosionsartig, weil er sich in extrem kurzen Zyklen und riesiger Zahl vermehren kann. «Ein Krebs, der Anfang des Jahres aus dem Ei schlüpft, ist schon im August des gleichen Jahres geschlechtsreif und kann Hunderte von Eiern tragen», sagt Stephan. Der Forscher schätzt, dass die Zahl der Kalikokrebse sich inzwischen «im Millionenbereich» befindet.

Ein weiteres Glück für den Krebs, aber Unglück für die Artenvielfalt: Der Eindringling wandert über Land - und zwar das ganze Jahr, ergab eine Auswertung von Sichtungen wandernder Krebse, die Nabu-Fachexperte für Flusskrebse, Adam Schnabler, sowie die Hochschulforscher Stephan und Herrmann kürzlich veröffentlichten. Das heißt, dass sich die Invasion der Tiere auch in Gewässern abseits von Bächen und Flüssen vollzieht.

Inzwischen ist der Krebs nach Worten Schnablers im Süden bei Offenburg angelangt und im Norden bis ins rheinland-pfälzische Worms vorgedrungen. Auch im Elsass sei er längst ansässig. Allerdings dürfte er damit mehr oder weniger sein maximales Verbreitungsgebiet erreicht haben, schätzt der Forscher. Man müsse sich dennoch weiter Sorgen machen, dass das Tier beispielsweise von Menschen als Fischfutter in Forellenzuchtanlagen in neue Gebiete eingeschleppt werde. «Dann wird er auch dort heimisch, wo er von sich aus nicht hinwandern würde.»

Auch wenn man den Krebs flächendeckend nie mehr los wird, so gibt es doch vielversprechende Möglichkeiten, den Bestand zu dezimieren und einheimische Amphibien und Insekten wieder anzusiedeln: «Man muss Kleingewässer sanieren und neue Gewässer so anlegen, dass der Krebs da möglichst nicht hineinkommt», sagt Schnabler. Baumstammbarrieren helfen dabei, das Tier vom Wandern abzuhalten und Kiesufer hindern es daran, sich zu vergraben. «In Einzelfällen mag auch das Ablassen und temporäre Trockenlegen von Gewässern in Erwägung zu ziehen sein», sagt ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums.

Passiert nichts, «so gehen wir davon aus, dass der Krebs in 10 bis 15 Jahren dafür gesorgt hat, dass Amphibienbestände massiv eingebrochen sind und keine Chance mehr auf Erholung haben», sagt Stephan. Nabu-Experte Schnabler hält den Kalikokrebs für die schlimmste invasive Tierart im Südwesten. «Er ist eine richtige Killermaschine.»

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12.07.2018, 09:47 Uhr | geändert: 12.07.2018, 08:00 Uhr
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