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Der Traum vom legalen Haschisch-Rausch

Kiffer hoffen auf Genehmigung von "Cannabis Social Clubs" - Beispiel Stuttgart

Hanf pflanzen, ernten und rauchen: Davon träumen Anhänger der Cannabis Social Clubs. In anderen Ländern gibt es sie schon - wegen der aktuellen Debatte hoffen Konsumenten nun. Etwa in Stuttgart.

07.08.2015

Von STEFANIE JÄRKEL, DPA

Stuttgart Timo Strohmenger ist 43 Jahre alt, betreibt seit elf Jahren in Stuttgart ein Restaurant - und konsumiert regelmäßig Cannabis. "Es ist eine Diskriminierung", schimpft er über das Verbot der Droge. "Ich will mich nicht in die Ecke stellen lassen: Rastafari - der kriegt nichts hin." Vor einem Jahr hat er den Cannabis Social Club (CSC) Stuttgart gegründet. Ziel der Gruppe ist ein Verein, dessen erwachsene Mitglieder Hanf selbst anbauen und zum Selbstkostenpreis konsumieren. Die aktuelle politische Debatte um eine Cannabis-Legalisierung macht den Hanf-Konsumenten Hoffnung.

Im Juli hatte sich Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) als erster Ministerpräsident für eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schloss sich der Haltung grundsätzlich an. Die Grünen haben im März einen Entwurf für ein Cannabiskontrollgesetz vorgelegt. Der Bremer Strafrechtsprofessor Lorenz Böllinger fordert eine gesetzliche "Experimentierklausel" für Modellprojekte zur Cannabisabgabe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt eine Freigabe der Droge allerdings ab. 0,5 Prozent der Erwachsenen gelten laut Drogen- und Suchtbericht als süchtig nach Cannabis: rund 405 000 Menschen bundesweit, 53 000 im Südwesten.

Grundsätzlich sind Anbau, Konsum und Handel mit Cannabis nach dem Betäubungsmittelgesetz in Deutschland verboten. Entdeckt die Polizei geringe Mengen zum Eigengebrauch bei einem Konsumenten, kann die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen allerdings einstellen. Die Länder legen fest, was gering bedeutet. In Baden-Württemberg sind es wie in den meisten Ländern sechs Gramm, in Berlin beispielsweise zehn Gramm.

Aktuell muss das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Ausnahmen beim Anbau und bei der Abgabe erlauben. Im Juni wurde nach Angaben der Behörde erstmals ein Antrag aus "öffentlichem Interesse" gestellt: Der Bezirk Berlin-Kreuzberg will Cannabis-Verkaufsstellen einrichten. Der Antrag werde geprüft, sagte eine Institutssprecherin. Anträge für einen CSC als eingetragener Verein habe es noch nie gegeben. Bundesweit soll es laut dem Deutschen Hanfverband knapp ein Dutzend aktiver Gruppen geben. Der Verband verweist auf Belgien und Spanien, wo es dieses Angebot bereits seit Jahren gibt. In Hannover schaffte es im Mai eine Petition für einen Club nach CSC-Vorbild in den Sozialausschusses des Stadtrates. Er wurde mehrheitlich abgelehnt.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bewertet die Idee des CSC grundsätzlich positiv. "Es ist ungewöhnlich, weil es zwar einen Konsumentenmarkt eröffnet, aber das Produkt dem Handel entzieht", sagt DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann. Auch die Landesstelle für Suchtfragen in Baden-Württemberg hält die CSCs für eine gute Möglichkeit. Die DHS fordert eine Überprüfung der aktuellen Gesetzeslage. "Niemand ist damit glücklich, wie es jetzt ist", sagt Gaßmann. "Die gegenwärtige Situation verhindert auch nicht, dass Minderjährige konsumieren." Sollte es eine Neuregelung im Sinne eine Legalisierung geben, sei ein rigider Jugendschutz entscheidend.

Rainer Thomasius, Suchtexperte vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, lehnt die CSC wie eine Legalisierung von Cannabis strikt ab. Der Deutsche Hanfverband lobt die CSC-Idee, sieht sie allerdings nicht als Lösung des Schwarzmarktproblems.

In Stuttgart hat der CSC seine Idee im städtischen Bürgerhaushalt zur Abstimmung gestellt. Die Stuttgarter konnten wählen, für welche Projekte die Stadt Geld ausgeben sollen: Der CSC kam auf Platz 15 von 3732 Vorschlägen. Doch die Stadt verweist an den Bund.

Der Stuttgarter Gastwirt Timo Strohmenger, aufgenommen mit einer männlichen Hanf-Pflanze (Cannabis). Strohmenger setzt sich mit Gleichgesinnten für eine Legalisierung von Cannabis ein. Foto: dpa

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Erstellt:
7. August 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. August 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. August 2015, 12:00 Uhr

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