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Ketten machen sich ihre Produkte selbst
Wer die Lebensmittel hergestellt hat, ist für Verbraucher immer schwerer festzustellen. Foto: dpa
Handel

Ketten machen sich ihre Produkte selbst

Kaffeeröster Aldi, Eiscreme-Hersteller Lidl: Lebensmittelverkäufer produzieren mehr in Eigenregie. Damit sparen sie Geld und machen sich unabhängiger.

06.11.2017
  • THOMAS VEITINGER MIT DPA

Ulm. Lebensmittelhändler verkaufen Eigenmarken, die es nur bei ihnen gibt. Das ist ein alter Hut. Diese werden von externen Produzenten geliefert. Weniger bekannt ist aber, dass Edeka unter die Obstbauern geht, Lidl eigene Eiscreme verkauft und Rewe sein eigenes Brot backt: Immer häufiger beschränken sich die großen deutschen Lebensmittelhändler nicht mehr darauf, die Produkte Anderer zu verkaufen – sie werden selbst zum Produzenten.

Vorreiter ist dabei Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka. Die Kette aus Hamburg verfügt inzwischen über 17 eigene Fleischwerke, 16 Backbetriebe, eine Weinkellerei und eine Fruchtsaftproduktion. Erst im vergangenen Sommer kaufte Edeka auch noch eine Obstplantage in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Fläche von 200 Hektar hinzu. „Damit reduzieren wir die Abhängigkeit von der Industrie, erhöhen unsere Flexibilität und sichern die langfristige Warenversorgung unserer Kaufleute ab“, begründet das Unternehmen.

Edeka ist damit nicht allein. Konkurrent Rewe hat ebenfalls vier eigene Produktionsstätten für Fleisch- und Wurstwaren und erzielt damit einen Umsatz von rund 600 Mio. EUR. Die eigene Bäckerei liefert weitere 172 Mio. EUR an Erlösen. Abgerundet wird das Made-by-Rewe-Sortiment durch eine Blumenerde-Produktion im niedersächsischen Warenholz. Die eigene Herstellung erlaube eine schnellere Reaktion auf Veränderungen im Markt, heißt es bei Rewe. Außerdem biete sie Vorteile in der Wertschöpfung. Zu deutsch: Sie bringt am Ende mehr Gewinn als der bloße Weiterverkauf von zugelieferten Produkten anderer Hersteller.

Auch die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) produziert selbst Mineralwasser und Erfrischungsgetränke, Fleisch- und Wurstwaren, Backwaren, Schokolade und Trockenfrüchte. Erst vor kurzem nahm die Unternehmensgruppe außerdem eine eigene Eiscreme-Fabrik in Betrieb. Lidl wolle sich damit „unabhängiger machen von bisherigen Handelsmarken-Lieferanten“, schreibt das Fachblatt „Lebensmittel Zeitung“. Laut „Handelsblatt“ soll es immer wieder Lieferschwierigkeiten gegeben haben.

Einzig Aldi zeigt sich bislang zurückhaltend. Zwar betreibt Aldi Süd seit Jahrzehnten zwei Röstereien, um die Kunden günstig mit Kaffee versorgen zu können. Doch das war es dann auch. Und Aldi Nord verzichtet sogar ganz auf eigene Produktionsbetriebe.

Für den Marketing-Experten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist der Trend zur eigenen Herstellung gut nachvollziehbar. „Die eigenen Produktionsbetriebe steigern die Gewinne der Lebensmittelhändler. Denn Edeka, Rewe und Co. können dadurch auch noch den Anteil vom Gewinn kassieren, der sonst an die Hersteller geht“, erklärt er.

Und noch ein anderer Aspekt dürfte wichtig sein, ist Marco Atzberger vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI überzeugt: „Mit dem direkten Zugriff auf eigene Produktionskapazitäten sichern sich die Handelsketten ihre Lieferfähigkeit, auch wenn es in der Branche einmal zu Engpässen kommt.“

Im September gab es etwa Meldungen, nach denen Säfte knapp werden könnten, weil der Hurrikan Irma in den USA Orangenbestände radikal dezimiert hat. Bei Eiern kam es durch den Fipronil-Skandal zu einem Engpass. Auch Bio-Butter war im Sommer in einigen Läden nicht mehr zu bekommen. Die Zukunft der weltweiten Lebensmittelversorgung ist nach einer Studie sowieso ungewiss. Die Unternehmensberatung PwC hält für das Jahr 2050 sowohl ein ausreichendes Nahrungsmittelangebot, als auch Knappheit und steigende Preise für denkbar – je nachdem, wie Regierungen und Lebensmittelindustrie auf die wachsende Weltbevölkerung und der globalen Erwärmung reagierten.

In Zukunft könnten die eigenen , Bäckereien und Kaffeeröstereien für die Handelsketten noch wertvoller werden, glaubt Fassnacht. „Durch den Online-Handel könnte die Bedeutung der eigenen Produktionsstätten und der darin produzierten Eigenmarken für die Lebensmittelhändler sogar noch wachsen. Denn die Eigenmarken bieten nicht nur höhere Gewinnmargen, sondern ermöglichen es auch, Preisvergleichen im Internet zu entgehen.“ mit dpa

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06.11.2017, 06:00 Uhr
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