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Auto

„Keinen Arzt, keinen Pfarrer“

Trotz Branchenflaute sind die deutschen Zulieferer weitgehend optimistisch. Doch es gibt bereits erste Entlassungen. Selbst Werksschließungen sind möglich.

19.08.2019

Von AUTOR

Auch die Großen wie Bosch spüren derzeit eine Abkehr vom Verbrennungsmotor sowie Marktprobleme in China, Indien, USA. Foto: Uli Deck/dpa

Eine mobile Branche geht am Stock. Abbau von Arbeitszeitkonten, Personalreduzierung, Standortverlagerung, sogar Werksschließungen: Die Autozulieferer in Deutschland diskutieren landauf landab, wie sie sich am sinnvollsten gegen die Branchenflaute wappnen. Die Automobilindustrie und damit die Zulieferer hat mit der möglichen Abkehr vom Verbrennungsmotor sowie Marktproblemen in China, Indien und den USA eine saftige Strukturkrise ereilt. Und zwar viel schneller, als einige Konzernlenker erwartet hatten. Ein Überblick:

Bosch Der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, Volkmar Denner, hat es der „Süddeutschen Zeitung“ jüngst vorgerechnet: Der Zulieferer setzt für das Einspritzsystem eines Dieselmotors zehn Mitarbeiter ein. Bei einem Benziner sind drei Bosch-Beschäftigte beteiligt, bei einem Elektrofahrzeug einer. Stellenkürzungen seien praktisch unausweichlich. Allerdings ist der größte Autozulieferer der Welt auch noch in anderen Sparten aktiv, etwa im Maschinenbau.

Continental Der Hannoveraner Traditionshersteller hat große Probleme, die Spur zu halten. „Derzeit ist das Marktumfeld sehr herausfordernd“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart zuletzt, er sprach von einem tiefgreifenden, sich dramatisch beschleunigenden und „teilweise disruptiven“ Wandel in der Branche. Es brauche nun „Kostendisziplin“, was für Conti auch heißen dürfte Stellen zu streichen. Das Reifengeschäft ist aber ein fester Ertragspfeiler.

ZF Der Hersteller unter anderem von Getrieben aus Friedrichshafen ist breit aufgestellt, spürt aber dennoch den Gegenwind der Branche. Der ZF-Vorstand nahm seine noch im April geäußerte Umsatzerwartung zurück. Der Gewinn brach im ersten Halbjahr 2019 drastisch auf die Hälfte des Vorjahreswertes ein. Chef Wolf-Henning Scheider musste einräumen, ZF liege deutlich unter Plan. In China reagierte ZF bereits mit Entlassungen.

Mahle Auch bei den 79 000 Mitarbeitern von Mahle geht die Angst um. Der Betriebsrat des Stuttgarter Unternehmens hat ein Strategiepapier vorgelegt, das zu einem Entlassungsstopp bis 2025 führen soll. Die Geschäftsleitung hatte den Abbau von 380 der 4300 Stellen in Stuttgart und die Schließung eines Werks angekündigt.

Schaeffler Der größte fränkische Auto-Zulieferer aus Herzogenaurach sieht bisher noch keine Notwendigkeit für drastische Maßnahmen, will aber dennoch kürzer treten. So sollen etwa nach Brückentagen in der zweiten Jahreshälfte die Bänder still stehen. 00 Stellen fallen weg, Standorte kommen auf den Prüfstand.

Brose Das Coburger Familienunternehmen musste ebenfalls Federn lassen und will mit „Kapazitätsanpassungen“ reagieren. Man habe ein Programm zur Kostensenkung gestartet. Langfristig sieht Brose allerdings in den neuen Mobilitätstrends mehr Chancen als Risiken.

Leoni Der im SDax notierte Nürnberger Zulieferer ist wohl einer der bisher am stärksten Betroffenen der Branche. Firmenchef Aldo Kamper musste sich schon gegen Untergangsszenarien wehren. „Wir brauchen keinen Arzt und keinen Pfarrer“, sagte der Niederländer. Während die meisten Firmen der Branche Einbußen wegstecken und immer noch gut über der Nulllinie wirtschaften, liefen beim Kabel- und Bordnetzexperten im ersten Halbjahr 176 Mio. EUR Verlust auf. dpa

Foto: © Continental AG Foto: © Continental AG

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Erstellt:
19. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 06:00 Uhr

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