Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Knigge

Keine rote Karte für Nascher

Wer im Restaurant mal vom Teller des Partners kostet, eckt nicht an. Sagt jetzt sogar der Knigge. In der Praxis war es nie ein Problem.

24.10.2012

Von WILHELM HÖLKEMEIER

Ulm/Essen "Das Lokal ist so nobel, da fliegt man raus, wenn man mal vom Teller eines Tischnachbarn probiert." Ähnliche Warnungen kursieren immer mal unter Gourmets. Sie entstammen aber eher der Gerüchteküche als dem Restaurantalltag.

Harald Wohlfahrt, Chefkoch der "Schwarzwaldstube" im Baiersbronner Hotel Traube Tonbach - nach verbreitetem Feinschmeckerurteil das wohl beste deutsche Restaurant - hält entsprechende Hinweise für geschäftsschädigende Lügen.

Er kostet nicht nur selbst gern mal vom Teller seiner Frau. Sondern betont, gut schwäbisch: Wenn die Dame von drei Rehmedaillons nur zwei verspeise, sei es sinnvoll, wenn ihr Partner sich am dritten erfreue. "Es ist doch oft so, dass die Herren größere Portionen vertragen." Noch jeder befragte Kollege habe beteuert, in seinem Restaurant werde das genauso locker gehandhabt.

Gleichwohl wird sogar kolportiert, durch Naschen beim Nachbarn aufgefallene Gäste von Sterneköchen hätten mitsamt ihrer Rechnung eine rote Karte erhalten oder den schriftlichen Hinweis "Bitte beehren Sie unser Haus nicht wieder". Eine nachprüfbare Bestätigung dafür aber gibt es nicht. Fernsehkoch Johann Lafer hat sogar 3000 Euro Belohnung für denjenigen ausgelobt, der ihm eine derartige Abmahnung vorlegt. Bisher ohne Resonanz.

Nun haben auch die Benimm-Experten von der Deutschen Knigge-Gesellschaft sich des Problems angenommen und neugierigen Mitspeisenden offiziell Dispens erteilt: Das Verbot, von Nachbars Gericht zu kosten, sei "nicht mehr zeitgemäß". Sie empfehlen lediglich, nicht selbst den ganzen Teller auszutauschen und ein Malheur zu riskieren. Sondern den Service um einen kleinen Probierteller zu bitten.

Ein Bissen vom Nachbarn? Durchaus gestattet. Foto: © lily/Fotolia.com

Zum Artikel

Erstellt:
24. Oktober 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Oktober 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2012, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+