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Messe "Outdoor " - das Geschäft mit aushäusigen Aktivitäten floriert

Keine Zeit für die Krise

Der Weg hinaus in die Natur ist einer mit Zukunft. Das sagen die Outdoor-Branche und die Messe Friedrichshafen. Dort wurde gestern im erweiterten Messegelände die 16. Fachmesse "Outdoor " eröffnet.

17.07.2009
  • LORENZ KOCH

Das Zwei-Personen-Zelt wiegt gerade mal tausend Gramm, Funktionsjacken aus drei Lagen Stoff weniger als 300 Gramm. Das "Tech Shirt ", die Oberbekleidung, hat einen UV-Schutzfaktor von 50plus, mehr als jede Sonnenschutzcreme bringt. Die einen statten ihre Kleidungsstücke mit Keramikpartikeln aus, die den Körper stimulieren sollen, die anderen integrieren Mentholkapseln in die Wäsche, die durch Schweiß aktiviert werden und dann einen Kühl-Kick geben sollen. Steigeisen sind aus rostfreiem Edelstahl, aus der Jacke kann man einen Rucksack machen oder umgekehrt: Kaum etwas gibt es, das es derzeit in den Messehallen in Friedrichshafen nicht zu sehen gibt. Die Branche für aushäusige Aktivitäten, die von sich selbst putzmunter behauptet, ihr ginge es trotz Wirtschaftskrise gut bis sehr gut, sieht sich auf der 16. Fachmesse "Outdoor ", die gestern eröffnet wurde auf Innovationskurs. Dafür sprechen über 200 Weltpremieren, welche die insgesamt 810 Aussteller aus 38 Ländern aufgelistet haben. Dass Outdoor als Chance gilt, macht aber nicht nur die Rekordbeteiligung an der Friedrichshafener Messe deutlich, die sich als europäische Leitmesse und auf dem Weg an die weltweite Spitze sieht. Das zeigt sich auch daran, dass der Branchenriese des Sports Adidas nach Jahren wieder auf der Messe mitmischen will, wo man schon 1978 mit Reinhold Messner als Galionsfigur erfolgreich einen Trekkingschuh lanciert hatte. "Im Rahmen eines Stufenplans will sich Adidas bis 2015 im Outdoor-Segment als feste Größe etablieren. Der Fokus liegt dabei auf den Bereichen Mountain Sports, Trekking und Hiking. In der Produktentwicklung gilt die Konzentration Schuhen, Textilien und Hartwaren ", sagt Rolf Reinschmidt vom Wiedereinsteiger: "Outdoor ist eine Lebenseinstellung. "Für den Sportfachhandel und die vielen Spezialisten des Genres ist Outdoor die stabilste Größe in diesem Handelssegment. Es habe "seine besten Zeiten wahrscheinlich noch vor sich ", sagt Dr. Eike Wenzel, Chefredakteur eines Trendletters des Zukunfts-Instituts von Matthias Horx. Dazu passen auch die Zukunftsaussichten, die Mark Held, Geschäftsführer des europäischen Branchenverbandes European Outdoor Group, in Friedrichshafen aufzeigte: Für den Kernbereich der einschlägigen Industrie rechnet er - genaue Zahlen liegen wegen Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen Gesamt-Branche und deren Kernbereich noch nicht vor - für 2008 mit einer Wachstumsrate von 1,2 bis 1,4 Prozent, einen Marktumfang von rund 5,75 Mrd. EUR, gerechnet in Einzelhandelspreisen. Die Zahlen wären besser, wenn man den "allgemeinen Lifestyle-Markt " herausrechne. Und auch in diesem Jahr ist man gut unterwegs: Für 2009 gebe es eine "relativ gute Auftragslage ". Thomas Lipke, Geschäftsführer der deutschen Outdoor-Handelskette "Globetrotter ", rechnet für den Handel in diesem Jahr mit einem Wachstum "im guten einstelligen Bereich ". Wie die Friedrichshafener Messegesellschaft und das Zukunftsinstitut sieht auch er rosige Aussichten: "Es ist ein fantastischer Markt. Für die Krise haben wir keine Zeit. " Selbst trübe Nachrichten wie die von der Insolvenz des Kaufhaus-Konzerns Karstadt können den Optimismus bei Industrie und Handel nicht trüben: Was dort geschehe, sei "eine natürliche Auslese " und kein Ausfluss der Wirtschaftskrise. Die kommt in den Staaten Europas unterschiedlich an: Spanien und Italien seien stark betroffen, sagt Mark Held, Deutschland dagegen nicht. Hier sei das Konsumklima in Ordnung und nicht zuletzt Outdoor auch für die Verbraucher ein großes Thema: Sie gehen hinaus in die Natur, geben dafür auch Geld aus: 18 Prozent wollen laut einer Umfrage mehr investieren als im vergangenen Jahr. So kaufen sie zum Beispiel Zelte, um zu campen - und damit andererseits aber auch den Umsatz der traditionellen Ferienhotellerie zu schmälern. Wie viele der so genannten Innovationen es wirklich in die Verkaufsregale der Sport- und Outdoor-Geschäfte schaffen und damit beim Verbraucher ankommen, ist in jedem Jahr eine der meist gestellten Fragen bei den Fachbesuchern. Thomas Lipke gießt da etwas Wasser in den Wein der Messe-Euphorie: "Vieles, was als Innovation verkauft wird, ist doch nur Evolution. " Es fehle bei manchem halt doch der Mut zum unternehmerischen Risiko, das mit Neuerungen immer verbunden sei. Es bleibt also die Frage: Gibt es bald Hemden und Jacken aus Seide zu kaufen, wie sie ein neuseeländisches Unternehmen vorstellt, oder ein kaum durchtrennbares Stahlnetz um den Rucksack des Fernreisenden, der sich in unsichereren Gegenden der Welt bewegt?

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17.07.2009, 12:00 Uhr
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