Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Keine Bonitätsanleihen mehr für Privatanleger
2008 ging die US-Investmentbank Lehman Brothers pleite. Wer Zertifikate von ihr gekauft hatte, traute seinen Augen nicht. Er verlor viel Geld. Foto: dpa
Finanzaufsicht plant Verbot der riskanten Wertpapiere – LBBW ist der bundesweit mit Abstand größte Emittent

Keine Bonitätsanleihen mehr für Privatanleger

Zertifikate sind Wertpapiere. Wer sie kauft, kann sein ganzes Kapital verlieren. Die Finanzaufsicht will den Verkauf an Privatanleger einschränken.

27.08.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Zertifikate haben spätestens seit der Lehman-Pleite 2008 einen fragwürdigen Ruf. Viele Kleinanleger haben damals viel Geld verloren, weil ihnen offensichtlich die hohen Risiken der Papiere nicht deutlich gemacht worden waren. Bonitätsanleihen gehören genau in diese Kategorie. Es sind Zertifikate, also strukturierte und damit eigens zusammengebaute Anlageprodukte – eine Mischung aus Anleihe und Wette auf die Zahlungsfähigkeit des Schuldners, in der Regel ein Unternehmen. Bleibt der Schuldner zahlungsfähig, gibt es jedes Jahr Zins und am Ende der Laufzeit auch das Geld zurück. Kommt es aber zum so genannten Kredit-Ereignis, sieht es düster aus. Kann also das Unternehmen Zins und Tilgung nicht leisten, muss es umschulden oder wird gar insolvent. Dann fällt der Zins weg und möglicherweise das gesamte Geld. Dies gilt auch, wenn der Emittent der Bonitätsanleihe, also die Bank oder Sparkasse zahlungsunfähig wird. Das Ausfallrisiko der Anleihe liegt allein beim Anleger.

„Strukturierte Produkte, die sich auf Kreditrisiken beziehen, können für institutionelle Investoren eine sinnvolle Anlage-Alternative sein. In die Hände von Privatanleger gehören sie aber nicht“, sagt Elisabeth Roegele, Exekutivdirektorin der Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (Bafin). Vor allem wegen der hohen Komplexität von Bonitätsanleihen hat die Finanzaufsicht Bedenken.

Anders als der Name nahelegt, handele es sich nicht um Anleihen im klassischen Sinn, sagt Roegele. „Der Anleger ist bei wirtschaftlicher Betrachtung nämlich gerade nicht (Anleihe-)Darlehensgeber, sondern übernimmt eine ähnliche Rolle wie ein Versicherungsgeber und damit das Risiko des Kreditereignisses“.

Für die Bafin ist klar, dass Banken und Sparkassen Bonitätsanleihen „gezielt“ für den Verkauf an Privatkunden auflegen. Die Auswertung von Beratungsdokumenten zeigt, so Roegele, dass die Funktion der Papiere und ihre Risiken „nicht adäquat erklärt“ werden.

Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband, signalisiert volle Unterstützung für die Bafin. „Das geplante Verbot ist richtig“. Der Name Bonitätsanleihe sei irreführend. „Es klingt wie eine Unternehmensanleihe, ist aber eine Wette darauf, dass ein Unternehmen keine Zahlungsschwierigkeiten erfährt. Gleichzeitig ist es eine Schuldverschreibung der Bank und keine Anleihen des Unternehmens. Anleger tragen also zusätzlich das Risiko des Emittenten.“

Anfang September will sich Roegele mit Vertretern der Finanzwirtschaft zusammensetzen. Am Verbot, das die Bafin auf Grundlage des seit einem Jahr gültigen Kleinanlegerschutzgesetzes aussprechen kann, gibt es aber kaum Zweifel. Der Entwurf ist fertig.

Für Banken geht es um einen ansehnlichen Markt. Ende Mai waren Bonitätsanleihen im Volumen von fast 7 Mrd. EUR in Umlauf. Das entspricht einem Anteil von 10 Prozent am gesamten Zertifikate-Markt. Nach Angaben Branchenverbandes DDV ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit einem Marktanteil von fast 48 Prozent größter Emittent von Bonitätsanleihen, die DekaBank des Sparkassen-Sektors kommt auf 20 Prozent, die italienische Unicredit auf 11 und die Landesbank Berlin auf 6 Prozent.

Beim DDV kann man nicht nachvollziehen, warum ein „etabliertes“ Produkt verboten werden soll. Bonitätsanleihen seien, so der Verband, reguliert und würden den Kunden erklärt. Verbote könnten nur ein letztes Mittel sein. Ein Verbot stelle die Branche vor Herausforderungen, räumt Roegele ein. Aber weil Ruf und Glaubwürdigkeit des Zertifikate-Marktes wichtig seien, „müssen wir bei einzelnen Produkten intervenieren“.

Ohnehin treffen Zertifikate und damit auch Bonitätsanleihen nicht überall in der Branche auf Zustimmung. Das renommierte Bankhaus Metzler bietet seinen Kunden gar keine Zertifikate an. „Bonitätsanleihen sind für uns und unsere Kunden kein Thema“, sagt auch Martin Schneider vom Vermögensverwalter Schaan Investment: „Für einen Anleger sind Bonitätsanleihen mit dem Emittentenrisiko und dem Risiko des Referenzschuldners nicht geeignet.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular