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Kommentar

Kein schlimmer Befund

Den höchsten Krankenstand seit 20 Jahren meldet die DAK. Das klingt dramatisch. Mehr Fehltage wegen seelischer Erkrankungen: Haben sich Depressionen oder das Burn-out-Syndrom endgültig zu Volkskrankheiten entwickelt? Und die zunehmenden Rückenleiden: Ist unsere Gesellschaft im Jahresvergleich noch unbeweglicher geworden?

04.08.2016
  • TANJA WOLTER

So einfach ist es nicht. Denn die Krankenkurve hängt ein Stück weit auch immer von der konjunkturellen Lage ab. In Zeiten der Rekorderwerbstätigkeit ist die Angst vor dem Jobverlust nicht so groß wie in der Krise. Der Gang zum Arzt fällt dann leichter. Mit Blaumachen muss das nichts zu tun haben, eher kümmert man sich auch mal um die eigenen Belange. Der Schaden für die Wirtschaft ist relativ: Wer eine Krankheit verschleppt, irgendwann zusammenklappt und dann länger fehlt als wenn er sich gleich krankmeldet, kommt seinen Arbeitgeber teurer.

Auffällig bleibt der Anstieg der psychischen Erkrankungen dennoch, denn er ist – unabhängig von der Wirtschaftslage – konstant. Von einer Epidemie kann zwar keine Rede sein, denn eine Enttabuisierung spielt hier genauso eine Rolle wie konkretere ärztliche Diagnosen. Selbst die Versorgung wirkt sich aus: Wo es viele Psychotherapeuten gibt, werden auch mehr seelische Leiden festgestellt. Das allein erklärt jedoch nicht, warum die Psyche so vieler Menschen streikt. Ein lange Zeit verkanntes Problem ist nicht weniger ein Problem, nur weil es immer mehr ans Tageslicht tritt.

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04.08.2016, 06:00 Uhr
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