Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Studenten quälen sich mit E-Autos quer durch Deutschland

Kein Strom aus der Säule

Von 15 Stromlade-Säulen funktionieren nur 2 problemlos, statt 20 Stunden dauert die Fahrt 36: Studenten quälen sich im E-Auto nach Dänemark und in die Niederlande. Aber sie erfahren auch Positives.

18.02.2016

Von THOMAS VEITINGER

Das sind die E-Autos für den Versuch (von links): Zoe von Renault, Golf von VW und B-Klasse von Mercedes-Benz. Bis auf den Golf haben alle Fahrzeuge technische Probleme auf der Fahrt nach Enschede und Kopenhagen. Fotos: Digitale Hochschule Baden-Württemberg

Stuttgart. Um ein Abenteuer zu erleben, muss man nicht in den Urwald oder ins australische Outback. Deutsche Straßen tun es auch - vor allem, wenn man mit einem Elektroauto fährt. Dies ist das Ergebnis einer E-Mobilitätsstudie der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). 33 Studenten befragen in Dänemark, den Niederlanden und daheim 340 Studenten und zufällig vorbeikommende Passanten zum Thema Elektroauto - und fahren zur Erhebung der Daten selbst mit sechs E-Autos gen Norden.

"Wir kamen uns", fasst Projektleiter Prof. Marc Kuhn zusammen, "wie Bertha Benz vor bei ihrer ersten Fahrt mit einem Motorwagen." Die Frau des Autopioniers Carl Benz hatte ein Problem: Treibstoff. Während sie an einer Apotheke stoppte, um Leichtbenzin zu kaufen, halten die Studenten für ihre elektrischen Golfs von VW, B-Klasse von Daimler und Zoes von Renault nach Lademöglichkeiten Ausschau.

Um 6 Uhr morgens geht es an einem regnerischen Dezembertag los nach Enschede und Kopenhagen. Bereits nach einer Stunde ist Aufladen angesagt. "Nicht weit zu kommen ist schon nervig, aber dann funktioniert es noch nicht mal", kommentiert eine Studentin. "Geduld ist gefragt, aber die brauchen E-Fahrer ohnehin", heißt es lapidar in einem Film, der die Fahrten dokumentiert (siehe Online-Hinweis). An einer anderen Ladestation ist das Zahlen per Kreditkarte theoretisch möglich, praktisch funktioniert es aber nicht. Nach einem Telefonanruf schaltet der Anbieter die Ladesäule frei. Wenn sich die Studenten nicht so gut vorbereitet und die Standorte der Stationen recherchiert hätten - die Fahrt wäre schwierig bis unmöglich.

"Wenn es nur an 2 von 15 Ladesäulen problemlos klappt, ist das ein Armutszeugnis", bilanziert Vanessa Reit von der DHBW. Mal funktioniert das Laden nicht, dann das Bezahlen oder das Auto hat Ladehemmung. Schließlich kommt es noch zu einem totalen Elektronikzusammenbruch eines Fahrzeugs. Der Zoe muss zur Reparatur. Was für ein Glück, dass man sich in der Renault-Niederlassung zufällig auf E-Autos spezialisiert hat. "Wir waren mehr mit Problemen und Laden beschäftigt, als auf der Straße", sagt Reit. Schließlich dauert es - mit erzwungener Übernachtung - 36 statt geplanter 20 Stunden bis Kopenhagen. Das Enschede-Team dagegen kommt fast in der geplanten Zeit an. "Generell finde ich Elektromobilität gut. Für 120 Kilometer Fahrt aber 3 Stunden laden, ist einfach nicht attraktiv", resümiert Julia Heigl von der DHBW.

Im Mittelpunkt der Reise stehen jedoch nicht persönliche Erlebnisse, sondern Fragen zu kulturellen Unterschieden beim Thema E-Auto - mit dem auch die Befragten herumfahren. Dabei kommt es laut Studenten zu interessanten Ergebnissen. In Dänemark werden E-Autos mit bis zu 30 000 EUR durch Steuernachlässe gefördert. Attraktiver ist aber ein niedriger Listenpreis, ergibt ein Resultat der Untersuchung. "Dies ist wohl ein psychologischer Effekt", überlegt Kuhn.

Die Probefahrt spielt - wie so oft beim Autokauf - eine zentrale Rolle. Wer einmal die Stille bei gleichzeitiger Spritzigkeit eines E-Autos erfahren hat, kann sich einen Kauf eher vorstellen. Je weniger karriereorientierter ein potenzieller Käufer ist, desto höher ist sein Interesse, ergibt ein weiteres Zwischenergebnis: An Karriere Interessierte bevorzugen andere Autos als Statussymbole.

Ein weiteres Ergebnis: In dem von den Studenten als eher maskulin definiertem Deutschland interessiert man sich genauso für E-Autos wie in den eher femininen Niederlanden und Dänemark.

Die Studienendergebnisse werden im Juni vorgestellt.

Was die Studenten aber am meisten beeindruckte, war ihre eigene Fahrt in den Norden. "Bei Problemen fehlte es oft an Hilfe. Der ADAC wusste nicht weiter, eine Mercedes-Werkstätte hatte für Elektro keine Lizenz und konnte nichts machen", sagte Heigl.

Und noch einen Nachteil gab es: Mit Taschenheizung und warmen Socken mussten die Insassen der E-Autos gegen die Kälte kämpfen.

Einen Film über die Fahrt gibt es unter https://goo.gl/zcd0Gs

Das ständige Laden an Elektro-Zapfsäulen und die technischen Schwierigkeiten dabei waren das Hauptproblem der Fahrt.

Zum Artikel

Erstellt:
18. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
18. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2016, 08:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen?
Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+      Google+