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Unternehmen

Kein Pappenstiel

Die Albfactory von Ursula Hage und Karl Müller stellt in Sonnenbühl-Undingen Verpackungen aus Karton und Wellpappe mit individueller Bedruckung her. Ihre Verpackungen sind weltweit unterwegs. Aber die Konkurrenz schläft nicht, der Markt ist in Bewegung – und das Thema Ökologie wird immer wichtiger.

19.07.2019

Von TEXT: Matthias Reichert|FOTO: Horst Haas

Die Inhaber und Geschäftsführer Ursula Hage und Karl Müller haben 2018 ihre neu gebaute Albfactory im Undinger Gewerbegebiet bezogen. Selbstständig gemacht haben sich die Eheleute 20 Jahre zuvor 1998 in Tübingen-Pfrondorf.

Der digitale Flachbettdrucker, einer von dreien in der Firmenhalle in Sonnenbühl-Undingen, druckt millimetergenau Druckbilder auf einen Karton – fast geräuschlos und vollautomatisch. Bis zu 400 Quadratmeter schafft er in der Stunde. Daneben rillen vier große Schneideplotter Linien zum Falzen in Kartons. Die digitalisierte Produktion braucht weder Druckplatten noch Stanzwerkzeug. Die Albfactory der Gesellschaft Verpackungsberatung Hage ist auf die Herstellung von Verpackungen und Displays aus Karton und Wellpappe spezialisiert. Displays sind Warenaufsteller im Supermarkt, die mit Werbung bedruckt sind – etwa für Aktionsware. Hage produziert für die unterschiedlichsten Branchen, zum Beispiel Verpackungen für elektronische Geräte.

Außerdem stellt die Firma Werbeschilder für Messe-Auftritte, Wegweiser oder auch Gebäude-Beschriftungen her. Kartons und Schilder werden in der Albfactory bunt bedruckt. In der Produktionshalle steht ein Pferd aus Pappe – eine Spezialanfertigung für eine Hochzeit. „Wir können jede Art von Werbung individuell umsetzen und ab einem Stück loslegen“, sagt Mitinhaberin Ursula Hage. Die Albfactory kann sehr flexibel fertigen – auch in kleinen Auflagen. „1000 Stück sind für uns eine Riesenmenge“, sagt Hage. Für Großaufträge hat die Firma externe Hersteller an der Hand.

Mit ihren Spezialanfertigungen besetze die Firma eine Nische für Unternehmen aller Größen, vom Start-Up bis zum Konzern. Die Albfactory stellt unter anderem Markenverpackungen für eine große deutsche Baumarktkette her. Die meisten Kunden sitzen in Deutschland, viele sind inhabergeführte Mittelständler. Doch Hage-Verpackungen sind weltweit unterwegs. Weitere Kunden gibt es in halb Europa sowie in Amerika.

„Wir machen keine Verpackungen von der Stange“, unterstreicht Ursula Hage. Die Druckbilder werden digital umgesetzt. Die Albfactory erstellt die Verpackungskonstruktionen selbst mit einer Spezialsoftware oder bekommt sie von Kunden oder Agenturen geliefert. Wenn die Konstruktion feststeht und die Druckdaten vorliegen, können die Kartons binnen einer Woche bedruckt werden. Schnelle Verpackungslieferungen gibt es inzwischen über den Online-Shop. Und ein kleinerer Teil des Umsatzes wird mit „Lieblingskartons“ erwirtschaftet, einem Online-Shop mit Geschenkverpackungen und Wohnacessoires für Privatleute.

Der Anteil der Handelsware liegt bei 75 Prozent, die Produktion bei 25 Prozent. Seit 2011 firmiert das Unternehmen als Verpackungsberatung Hage GmbH und Co. KG. Die Eheleute sind geschäftsführende Gesellschafter. Karl Müller, der heute 59 Jahre alt ist, leitet die Produktion, die 56-jährige Ursula Hage die kaufmännische Verwaltung. Die Gesellschaft hat zuletzt mit 35 Mitarbeitern knapp 6 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet – Tendenz steigend. Die Firma soll weiter wachsen. Auch wenn der Konkurrenzdruck am Markt hoch ist. „Es gibt Verpackungen an jeder Ecke“, sagt Ursula Hage. Deshalb setze die Albfactory weiter auf Konzepte und Produktion in ihrer Nische.

„Es gibt immer schlaflose Nächte bei neuen Projekten“, blickt Hage auf 21 Jahre in der Branche zurück: „Geschenkt bekommt man mit so einer Firma nichts.“ 1998 haben die Eheleute in Tübingen- Pfrondorf angefangen. Beide waren aus der Verpackungsbranche. Sie machten sich selbstständig – mit einer Mark Startkapital, zwei Aktenordnern und einem Telefon im Wohnhaus. „Nach einem Vierteljahr kam der erste Auftrag – da brauchten wir Briefpapier und Rechnungen“, erinnert sich Ursula Hage lachend. Das Lager kam in den Gewölbekeller, und der Stapler stand in der Garage. Als das Unternehmen wuchs, mietete das Ehepaar ein Lager in Kirchentellinsfurt an. 2004 zog die Firma nach Undingen auf die Alb. Das Logistikzentrum sitzt seit 2014 in Mössingen-Talheim.

Die Verwaltung ist bis heute in der Ortsmitte von Undingen in einer ehemaligen Strickerei untergebracht. 2018 hat die Firma zusätzlich einen Neubau für die Produktion der Albfactory im Gewerbegebiet am Undinger Ortsrand errichtet: 1260 Quadratmeter Fläche, eine Investition von 2 Millionen Euro allein für Gebäude und Grundstück. Der Neubau ist energieeffizient, nutzt Fotovoltaik und kommt ohne fossile Brennstoffe aus. Vor der Tür dreht sich ein Windrad als Markenzeichen.

Zunehmend setzen die Kunden auf Ökologie. Damit können Hage und Müller dienen: Wellpappe stamme zu 80 Prozent aus Recyclingstoffen. Die Verpackungsberatung hat auch biologisch abbaubare Luftpolsterfolie im Angebot. Oder sogenannten Graskarton, bei dem ein Teil der Holzfasern durch Grasfasern ersetzt worden ist. Doch viele empfindliche Geräte werden immer noch mit herkömmlichem Schaumstoff transportfest gemacht. Die Umstellung auf ökologische Materialien gehe bei vielen Firmen nur langsam, sagt Ursula Hage. Aber der Markt sei im Umbruch – und Ökologie schon jetzt ein Riesenthema in der Branche.

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Erstellt:
19. Juli 2019, 00:50 Uhr
Aktualisiert:
19. Juli 2019, 00:50 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 00:50 Uhr

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