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Kein Groll auf Anton Schlecker
Ein Foto von Anton und Christa Schlecker hing in jeder Filiale. Die Schleckerfrauen verwendeten sie auf ihren Protestplakaten wieder Foto: A3464/_Rainer Jensen
Prozess

Kein Groll auf Anton Schlecker

Fünf Jahre nach der Insolvenz muss der Unternehmer vor Gericht. Margrit Kopp hat 23 Jahre für den Drogeriemarkt-Riesen gearbeitet. Sie hat längst damit abgeschlossen.

02.03.2017
  • SIMONE DÜRMUTH

Noch immer brennt im siebten Stock der ehemaligen Schleckerzentrale in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) regelmäßig das Licht. Noch immer soll Anton Schlecker, einst Herrscher über ein Drogeriemarkt-Imperium, jeden Tag in seinem Büro sitzen. Die Firmenzentrale gehört ihm längst nicht mehr. In seiner einstigen Machtzentrale ist der Drogeriekönig nur noch Mieter. Der Businesspark Ehingen Donau (BED) hat die Gebäude gekauft, die Stadt Ehingen ist mit 51 Prozent Gesellschafterin. Ein Großteil der 1650 Quadratmeter ist bereits vermietet.

Seit fünf Jahren ist das Imperium Geschichte. Doch jetzt wird sein Verfall noch einmal aufgerollt: Von Montag an steht der 72-jährige Anton Schlecker in Stuttgart vor Gericht. Mit ihm angeklagt sind seine Frau Christa und seine beiden Kinder Lars und Meike sowie zwei Wirtschaftsprüfer. Die Liste der Vorwürfe ist lang. Unter anderem soll die Familie Geld beiseite geschafft haben als bereits klar war, dass die Firma nicht mehr zu retten ist.

14 000 Märkte hatte Schlecker im In- und Ausland betrieben, 50 000 Mitarbeiter beschäftigt. Eine von ihnen war Margrit Kopp, die in Gaildorf (Landkreis Schwäbisch Hall) 23 Jahre für Schlecker gearbeitet hat, davon acht Jahre als Filialleiterin. Sie erlebte mit, wie über die Jahre das Geld immer knapper wurde – auch wenn sie die Zeichen erst jetzt zu deuten weiß: „Übrige Ware wurde früher nach Rumänien verschickt, aber das wurde immer weniger“, erinnert sich Kopp. Auch Geld- und Sachprämien für langjährige Mitarbeiter hätte es nach einiger Zeit nicht mehr gegeben.

Wenig erinnert noch an Schlecker

In der 25 000-Einwohner-Stadt Ehingen erinnert nur noch wenig an Schlecker: Der Schriftzug an der einstigen Firmenzentrale wurde entfernt, das Fachmarktzentrum Schleckerland wurde vom Hamburger Investor Newport für 8 Mio. EUR zum „Alb-Donau-Center“ umgebaut. Auch der einstige Schlecker-Baumarkt ist verkauft, in den Ehinger Filialen der Drogeriemarkt-Kette finden sich längst andere Geschäfte.

Am Montag muss Schlecker persönlich vor Gericht erscheinen. Für viele seiner Mitarbeiter war der Chef aber ein Phantom. Auch Margrit Kopp habe ihn nie zu Gesicht bekommen. „Es hieß zwar immer ,die Frau Schlecker fährt wieder 'rum‘ und dann herrschte Aufregung in den Filialen, aber gesehen habe ich sie nie“, erinnert sich Kopp.

Berüchtigt war Schlecker für diese Kontrollen und für den Druck, der auf die Mitarbeiter ausgeübt wurde. Ein Bild von den Schleckers hing in jedem Büro, Telefone gab es lange Jahre nicht. Trotzdem sei es für sie keine schlechte Zeit gewesen, so Kopp. „Er hat gut und immer pünktlich bezahlt.“ Nur etwas mehr Anerkennung hätte sie sich gewünscht. Und dass die Belegschaft erst durch die Pressekonferenz im Januar 2012 von der Insolvenz erfahren habe, hat sie sehr gestört. Auch wenn sie lange vor Meike Schleckers legendärem Satz „Es ist nichts mehr da“ geahnt habe, dass etwas nicht stimmt. „Als es hieß, die Kinder sollen Schlecker erneuern, habe ich schon gedacht, dass etwas los ist.“

Einen Groll gegen ihren ehemaligen Chef hegt Kopp aber nicht. Als ihre Filiale geschlossen wurde, war sie schon über 60. Viele Kolleginnen hätten sich das Ende ihres Arbeitgebers aber sehr zu Herzen genommen und seien krank geworden. Sie habe sich jedoch schnell distanziert, jetzt ist sie in Rente.

Den Prozess wird Margrit Kopp nicht verfolgen und sie wünscht sich auch keine späte Genugtuung. „Aber wenn rauskommt, dass er was falsch gemacht hat, muss er natürlich bestraft werden.“

In Ehingen residiert die Familie derweil wie eh und je hinter hohen Mauern. Alt und grau soll Anton Schlecker geworden sein, erzählt man sich im Ort. Und während seine Geschichte ab der kommenden Woche vor Gericht noch einmal aufgerollt wird, ist sein Erbe aus dem Städtchen fast vollständig verschwunden. Sogar das Gebäude beim Bahnhof, in dem Schleckers Vater einst eine Metzgerei betrieb, ist inzwischen zur Party-Location geworden. Auch während der Fasnet ist hier gefeiert worden. Nur wenige Tage später wird Anton Schlecker der Prozess gemacht.

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02.03.2017, 06:00 Uhr
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