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Breitbandausbau

Kein Bekenntnis zur Glasfaser

Union und SPD versprechen Gigabit-Netze bis 2025. Experten bezweifeln allerdings, dass der Plan gelingt.

25.01.2018

Von IGOR STEINLE

Alles so schön bunt hier: Glasfaser ist schneller als das gute alte Kupferkabel. Foto: dpa Foto: dpa

Berlin. Wer auf dem Land lebt, dürfte das Problem kennen: Die Geschwindigkeit, mit der Webseiten geladen oder Daten übertragen werden, sorgt vielerorts für Frustration. In unzähligen Gegenden Baden-Württembergs ist schnelles Internet die Ausnahme. Eine Studie der EU-Kommission zeigt: Lediglich 36 Prozent der Haushalte erreichen in ländlichen Gebieten Bandbreiten von mindestens 30 Megabit pro Sekunde. Union und SPD versprechen in ihrem Sondierungspapier Besserung. Von einem flächendeckenden Glasfaserausbau ist nicht die Rede.

EU-weit liegt Deutschland im Mittelfeld, was den Breitbandausbau angeht. Abgeschlagen hinter den Spitzenreitern Malta, den Niederlanden oder Litauen, die ihrer ländlichen Bevölkerung nahezu zu 100 Prozent mit hoher Bandbreite versorgen. Anders als in der Bundesrepublik können dort auch Landbewohner Medienangebote im Netz nutzen oder mit ihren in Städten lebenden Kindern videotelefonieren. „Schnelles Internet ist Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und längst ein Grundbedürfnis“ stellt die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie fest.

Dieses Bedürfnis wird hierzulande schon heute nicht erfüllt. In naher Zukunft wird gesellschaftliche Teilhabe allerdings noch viel mehr Bandbreite benötigen. Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) hat ergeben, dass Privathaushalte 2025 eine Mindestgeschwindigkeit von 500 Megabit benötigen, sobald Dienstleistungen im Gesundheitswesen oder städtischen Verwaltungen digitalisiert werden, mehr Menschen von Zuhause aus arbeiten und Bild- und Videodateien an Qualität zugewinnen. Bandbreiten, die die Wirtschaft schon heute braucht. „Der typische schwäbische Mittelständler überlegt schon heute, ob er seinen Standort aufrechterhalten kann“, so Christian Wernick vom WIK.

„Wir wollen den flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis zum Jahr 2025 erreichen“, heißt es deswegen im Sondierungspapier. Das bedeutet: 1000 Megabit schnelle Verbindungen in sieben Jahren für Jedermann. Schon der damalige Infrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) scheiterte allerdings mit einer sehr viel anspruchsloseren Zielmarke: Er wollte das Land flächendeckend mit einer Internetgeschwindigkeit von 50 Megabit bis 2018 ausstatten. Experten sind skeptisch, ob es diesmal gelingt. Denn nach wie vor setze sich die Regierung die falschen Ziele. „Es ist enttäuschend, dass im Sondierungspapier ein Bekenntnis zur Glasfaser fehlt“, sagt Bernd Beckert vom Karlsruher Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung. Beckert hat in einer Studie herausgefunden, warum Deutschland in Sachen Breitbandausbau nur Mittelmaß ist: Andere Länder formulieren als Zielmarke einen flächendeckenden Ausbau mit leistungsfähigen Glasfaserkabeln – und keine Megabit-Zahl über die gewünschte Geschwindigkeit, wie die Bundesregierung. Ein Vorgehen, das dazu führte, dass Deutschland sich mit einer Glasfaserversorgung von unter 10 Prozent unter den fünf letzten EU-Mitgliedern wiederfindet. Ohne Glasfaseranschluss bis in die Haushalte sind Geschwindigkeiten von 500 Megabit und mehr nach heutigem Stand der Technik aber nicht möglich.

Noch ein Indiz beunruhigt Kritiker: Zwar steht im neuen Sondierungspapier, dass ab demnächst nur noch Glasfasertechnologie förderfähig sein soll. Doch: „Vectoring beruht auch auf Glasfaser, aber nur bis zum Verteilerkasten“ (siehe Info), sagt Beckert.

Kritiker erkennen in dem neuen Papier deswegen die Handschrift der Deutschen Telekom, die Glasfaserkabel vornehmlich bis zu den Kästen legt und nicht wie von vielen gefordert bis in die Häuser. Das hat seinen Grund. Vor allem wegen des Tiefbaus sind die Ausbaukosten extrem hoch: Auf rund 80 Mrd. EUR schätzt die Bundesregierung den Preis eines flächendeckenden Glasfaserausbaus.

Grünen-Expertin für digitale Infrastruktur Tabea Rößner ist trotzdem enttäuscht. Sie hält das Papier für ein „trojanisches Pferd“: „Damit kann die Telekom Fördergelder absahnen, obwohl sie eben nicht ausschließlich Glasfaser bis ans Haus baut“, beklagt sie. Dabei galt schon Dobrindts 50-Megabit-Ziel als „Lex Telekom“. Diese Bandbreite entspricht genau jener, die die Telekom ohne Vectoring leisten konnte. Beckert: „Ein Schelm, wer hier Absprachen vermutet.“

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Erstellt:
25. Januar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Januar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2018, 06:00 Uhr

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