Stuttgart 21

Kehrtwende des Ministeriums

Beim Anhörungsverfahren zum Abstellbahnhof nimmt der Vertreter Winfried Hermanns Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Bahnprojekts zurück.

17.01.2020

Von Daniel Grupp

Ein Zug fährt auf Gleisen am zukünftigen Abstellbahnhof in Stuttgart-Untertürkheim. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Stuttgart. Durchgangsbahnhof und Abstellbahnhof sind unverzichtbare Elemente, damit der künftige Stuttgarter Tiefbahnhof funktionieren kann. Während der neue Bahnhof mit seinem Gleisring weiter Gestalt annimmt, sind für den Abstellbahnhof noch nicht einmal die Pläne rechtskräftig.

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für das Abstellareal in Untertürkheim, das Gelände des früheren Güterbahnhofs, wurde jetzt das Vorhaben diskutiert. Während Gegner von Stuttgart 21 die beiden Erörterungstage als Plattform nutzten, das Projekt im Detail und pauschal zu verwerfen, präsentierte Gerd Hickmann vom Verkehrsministerium des Landes, eine überraschende Kehrtwende. Der Abteilungsleiter öffentlicher Verkehr fegte Zweifel, ob der Tiefbahnhof den Deutschlandtakt und die angestrebte Verdoppelung der Fahrgastzahlen meistern kann, beiseite. „Der Deutschlandtakt geht mit der Infrastruktur im Knoten Stuttgart ohne Zweifel“, sagte Hickmann am Donnerstagmittag. Etwas später, als es um die noch ambitioniertere Verdoppelung der Fahrgastzahlen ging, setzte er noch einen drauf: „Es ist mit dem Großknoten S21 möglich, diese Verdoppelung abzuwickeln“, sagte Hickmann. „Wir planen mittelfristig, wieder Doppelstockzüge einzusetzen, damit die neuen Fahrgäste auch Sitzplätze bekommen.“ Eine Studie, die das Ministerium erstellen ließ, prognostiziert, dass sich gegenüber 2010 die täglich im Regionalverkehr gefahrenen Personenkilometer mehr als verdoppeln.

Nachdem Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) im Frühsommer 2019 angezweifelt hatte, dass S21 den Deutschlandtakt und die Verdoppelung der Fahrgäste bis 2030 meistern kann, war Hickmanns Aussage für die Vertreter der Bahn eine besondere Genugtuung. „Das Landesverkehrsministerium bestätigt die Leistungsfähigkeit von S21 für den Prognosehorizont“, freute sich Rechtsanwalt Peter Schütz, der die Projektgesellschaft juristisch betreut.

Hermanns Bedenken hatten in Stuttgart für Unruhe gesorgt, weil er prüfen wollte, einen Teil der Infrastruktur des Kopfbahnhofs zu erhalten. Auch eine unterirdische Variante wurde diskutiert, nachdem die Landeshauptstadt aus Sorge um ihr geplantes Rosensteinquartier gegen den Erhalt der Gleise protestierte. Hickmann betont jetzt aber auch, dass für die Zeit nach 2030 weitere Verbesserungen geprüft werden müssten, um den Bahnknoten gegen Störungen robuster zu machen und das Stuttgarter Zentrum zu entlasten.

Florian Bitzer, Vorstandsmitglied der Projektgesellschaft, erläuterte die Bedeutung der Abstellanlage. Ohne sie könne der Durchgangsbahnhof nicht leistungsfähig betrieben werden. „Es werden weiterhin Züge in Stuttgart starten und enden.“ Deshalb brauche es den Abstellhalt. Dies gelte für Fern- wie für Regionalzüge. Blitzer: „Schließlich sollen keine Geisterzüge lange in der Region unterwegs sein.“

Zur Verwirklichung des Projekts möchte die Bahn einen Teil der rund 4000 Mauereidechsen auf dem Gelände umsiedeln, ein Teil der Reptilien soll aber bleiben können. Naturschützer wie der BUND lehnen diese Vorgehensweise ab.

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Erstellt:
17. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2020, 06:00 Uhr

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