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Den Glauben durch die Straßen getragen

Katholiken in Rottenburg und Umgebung feierten Fronleichnam

Rund eintausend Gläubige begleiteten gestern bei der Rottenburger Fronleichnams-Prozession das Allerheiligste durch die Stadt. Die Feiern zum Fest des heiligen Leibes begannen am Mittwochabend mit dem Großen Zapfenstreich der Bürgerwache.

27.05.2016

Von Dunja Bernhard & Gert Fleischer

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Der Bischof und die Monstranz vor dem Dom. Bild: Dunja Bernhard
Die Stadtoberen Thomas Weigel und Stephan Neher stehen mal in der zweiten Reihe. Bild: Dunja Bernhard
Das Allerheilgste unter dem Baldachin. Bild: Dunja Bernhard
Die Urbansbrüder tragen ihren Namenspatron vor sich her. Bild: Dunja Bernhard
Die Erstkommunionkinder. Bild: Dunja Bernhard
Bischof Gebhard Fürst auf dem Morizplatz. ild: Dunja Bernhard
Morizministranten tragen den Heiligen Mauritius. Bild: Dunja Bernhard
Der Altar auf dem Neckar. Bild: Dunja Bernhard
Die Bürgerwache spielte auf dem Eugen-Bolz-Platz. Bild: Dunja Bernhard
Die Bürgerwache und Ministrante. Bild: Dunja Bernhard
Studentenverbindungen auf dem Morizplatz. Bild: Dunja Bernhard
Zweite Station der Prozession war auf dem Morizplatz. Bild: Dunja Bernhard

Rottenburg. Um 7 Uhr weckte die Artillerie der Bürgerwache die Rottenburger Bevölkerung gestern Früh traditionell mit Böllerschüssen. Eine Stunde später begann das Hochfest des Leibes und Blutes Christi auf dem Marktplatz. Rund 600 Gläubige hatten sich zu der frühen Stunde eingefunden. Bis zum Ende der Feier sollten es doppelt so viele sein. Beim Fronleichnamsfest verlässt das Allerheiligste in Gestalt einer Hostie die Kirche und wird durch die Straßen getragen. Rottenburgs Katholiken bekunden mit der Prozession, die vom Dom über den Morizplatz, die Kepplerbrücke und den Eugen-Bolz-Platz zurück zum Marktplatz führt, dass „Gott selbst Fußspuren in der Stadt hinterlassen hat“.

Die „Speisung der Fünftausend“, die nach biblischer Erzählung von fünf Broten und zwei Fischen satt wurden, war der Predigttext der Fronleichnamsmesse. „,Alle aßen und wurden satt‘ scheint ein sehr abgehobener Satz zu sein, wenn wir in unsere Welt blicken“, sagte Bischof Gebhard Fürst. Er klinge zynisch angesichts der täglich verbreiteten Bilder hungernder Menschen. Es sei der Skandal der heutigen Zeit, dass einige im Überfluss leben, während andere hungern.

Alle Menschen seien Kinder Gottes mit gleicher Würde. „Aber nicht mit gleichen Chancen.“ Es gehe nicht nur darum, zu sammeln und zu spenden, sondern eine gerechte Ordnung in der Welt einzurichten. „Das ist die zentrale Herausforderung unserer Zeit.“ Das Handeln so zu gestalten, dass andere nicht hungern müssen.

Es gehe um mehr als körperlich satt sein. Die Menschen hungerten nach Glück, Freude, Versöhnung und Frieden. Die Speisung der Fünftausend sei nicht nur eine Erzählung von damals. Jesu Leben und Taten gäben heute noch Orientierung, sagte Fürst. Jesus lud zu Essen und Trinken und Gemeinschaft ein – im Abendmahl. „Jesus selbst stillt unseren Hunger nach Leben und Sinn.“ Seinen Leib trugen die Gläubigen nach ihrem Verständnis durch die Straßen. Ein erfülltes Leben komme durch Begegnungen mit Menschen, sagte der Bischof. „Wir tragen unseren Glauben durch die Straßen.“

Bischof Fürst, Weihbischof Thomas Maria Renz und Generalvikar Clemens Stroppel wechselten sich beim Tragen der Hostie unter dem Himmel genannten Stoffbaldachin ab. Die Monstranz berührten sie dabei aus Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten nur mit dem Rauchmantel, einem Umhang, der ihnen um die Schultern gelegt wurde.

Zur ersten Station am Morizplatz führte ein Blütenteppich, den die Ministranten gelegt hatten. Weitere Halte waren am Schänzle, vorm Bischöflichen Palais und vorm Dom. Nach dem Unterwegssein mit Gott, bat der Bischof vorm Dom: „Gott bleibe bei uns.“ Dann kehrte die geweihte Hostie in das Tabernakel, den Aufbewahrungsort in der Sakramentskapelle zurück. Eine Gelegenheit, Gemeinschaft bei Essen und Trinken zu pflegen, bot sich den Prozessionsteilnehmern beim Mittagessen im Kolpinghaus oder auf dem Marktplatz.

Die Kolpingfamilie freute sich, dass dieses Jahr erstmals die Urbansbruderschaft der Einladung nachkam. Bei Wildgulasch mit Spätzle und Preiselbeeren sowie Nachtisch labte sich auch die katholische Tübinger Studentenverbindung Cheruskia im Kolpinghaus. Das war doch etwas anders als etwa der Lebertran, den zu trinken sie sich beim Stocherkahnrennen 2013 in Tübingen geweigert hatten.

Sie hätten ihn getrunken, wenn sie auch das Rennen 2014 hätten ausrichten dürfen – normalerweise das Anrecht des Verlierers. So erzählten die Studenten in Rottenburg, bevor sie zum diesjährigen Rennen aufbrachen. Doch die Cheruskia-Stocherer hatten so übertrieben, dass sie 45 Minuten später eintrudelten und disqualifiziert wurden. Eigentlich sei das Stocherkahnrennen ein Rennen um den letzten Platz. Denn wer als Verlierer den Wettbewerb im Folgejahr ausrichten muss, erzählten die Cherusker, könne durch die Startgebühren und durch den Getränkeverkauf ordentlich Geld verdienen.

Ab 14 Uhr traf sich wieder halb Rottenburg beim Familienkonzert der Stadtkapelle unter Linden und Kastanien hinter der Festhalle. In den Dörfern saßen die Leute meist im oder beim Gemeindehaus. Die Baisinger Fronleichnamshockete ist inzwischen attraktiv weit über die Ortsgrenzen hinaus. Selbst Ortsvorsteher Horst Schuh bekam nichts mehr ab vom gefüllten Schweinehals. Der war vertilgt, da waren die Ponys für die Kinder noch gar nicht eingetroffen. „Mit unseren Radwegen können wir inzwischen mithalten“, erklärte sich Schuh den Besucherandrang und beeilte er sich, dass er wenigstens noch ein Stück Rharbarberkuchen bekam, den seine Tochter gebacken hatte.

Weiß-Gelb und Weiß-Blau flatterten die Fahnen in Hemmendorf. Auch dort inszeniert der Musikverein seit Jahren verlässlich eine zünftige und nahrhafte Hockete am Fronleichnamstag.

Bischof Gebhard Fürst schreitet vor dem Allerheiligsten voran, das Weihbischof Thomas Maria Renz über die Keppler-Brücke trug. Mädchen zwischen Tübinger Verbindungsstudenten von Alamannia (links) und Guestfalia Bilder: Bernhard

Tradition: Großer Zapfenstreich der Bürgerwache Rottenburg am Vorabend zu Fronleichnam. Bild: Henning

Ein geknüpfter Teppich mit Abendmahl hinter und ein Blütenteppich mit Motiv vor einem Altar in Hemmendorf. Bild: Fleischer

Ohne Hüpfburg, aber mit viel Platz zum Spielen: Familienkonzert der Stadtkapelle Rottenburg hinter der Festhalle. Bild: Fleischer

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Erstellt:
27. Mai 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Mai 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2016, 01:00 Uhr

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