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Spanien

Kasperltheater: Von der Bühne ins Gefängnis

Ein spanischer Richter findet zwei Puppenspieler der Verherrlichung des Terrorismus verdächtig. Erst nach fünf Tagen kommen sie frei.

12.02.2016

Von MARTIN DAHMS

Zu Beginn die Entwarnung. "Die Kinder haben kein Trauma oder irgendwas dergleichen davongetragen", sagt Amaia, die Mutter zweier Kleinkinder, mit denen sie am vergangenen Freitag in Madrid zum Kasperltheater ging. Amaia ist eine der wenigen, die von einer Aufführung berichten kann, die in einem Skandal endete.

Bevor es losging, auf einem Platz im Madrider Arbeiterviertel Tetuán, traten die Puppenspieler Alfonso Lázaro y Raúl García vor ihre kleine Bühne und klärten die Eltern darüber auf, dass sie ein "antipädagogisches Stück" erwarte, voll "gräulicher, unmoralischer und respektloser Handlung". So kam es auch. In dem Stück "Die Hexe und Don Cristóbal" erleiden ein Vermieter, eine Nonne und ein Richter den Tod, allesamt böse Figuren. Ein Vater im Publikum regte sich so auf, dass er die Polizei rief. Die kam in zwei Mannschaftswagen und nahm die beiden Puppenspieler mit.

Das Theater war damit aber nicht zu Ende. Die Spieler verbrachten eine Nacht in einer Polizeizelle und vier weitere im Gefängnis, bis sie freikamen. Ein Richter des Nationalen Gerichtshofes, Ismael Moreno, warf ihnen "Aufstachelung zum Hass gegen bestimmte Personengruppen" und "Verherrlichung des Terrorismus" vor. Den zweiten Vorwurf hatten sie sich eingehandelt, weil eine ihrer Figuren gegen Ende des Stückes ein kleines Transparent hochhält, auf dem "Es lebe Alka-Eta" zu lesen ist - Alka steht für Al Kaida und Eta für die baskische Terrororganisation. Die Ironie der Geschichte ist, dass das Transparent der Figur im Laufe der Handlung untergeschoben wird, eben mit dem Ziel, sie der Sympathie für den Terror zu verdächtigen.

Empört sind nun Spaniens Kulturschaffende. Der Schauspieler Juan Diego Botto schreibt in einem Blog: "Die Fiktion zu kriminalisieren, ist nur den schlimmsten Diktaturen eigen."

Die Puppenspieler müssen sich nun jeden Tag bei der Polizei melden. Währenddessen hat der Verein Contrapoder Anzeige wegen Rechtsbeugung gegen den Staatsanwalt und gegen Richter Moreno erstattet. Sie hätten die Realität verdreht und damit die staatlichen Institutionen "in den Dienst der extremistischen Ideologie des Richters" gestellt. Das Kasperltheater wird noch weitergehen.

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Erstellt:
12. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2016, 08:30 Uhr

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