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Theologie wurde braune Ideologie

Karl Adam und die Nazis

Auf Tübingens Horemer erinnert eine Straße an Karl Adam. Der Theologe war nicht nur ein begeisterter Anhänger von Adolf Hitler. Er machte sich auch für die Vereinbarkeit von Katholizismus und Nationalsozialismus stark.

17.06.2009

Von Stefan Zibulla

Von 1919 bis zu einer Emeritierung im Jahre 1948 lehrte Karl Adam Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Aus den Vorlesungen des Theologen, der 1966 in Tübingen gestorben ist, entstand unter dem Titel „Das Wesen des Katholizismus“ sein bekanntestes Werk. Seit 1924 ist es in vielen Auflagen und in zahlreiche Sprachen übersetzt erschienen. Das Wesen seiner Kirche sieht der Autor darin, sich mit ihrem „unfehlbaren Lehrentscheid“ über die ganze Erde zu verbreiten.

In dem Aufsatz „Deutsches Volkstum und katholisches Christentum“ wird Hitler von Adam 1933 als „Befreier des deutschen Genius“ gefeiert, „der die Binden von unseren Augen nahm und uns durch alle politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, konfessionellen Hüllen hindurch wieder das eine wesenhaft sehen und lieben ließ: unsere bluthafte Einheit, unser deutsches Selbst, den Homo Germanicus.“

Noch im Zweiten Weltkrieg schwört er die Gläubigen seiner Kirche auf den Führer ein: „Nun steht dieses neue Dritte Reich vor uns, voll heißen Lebenswillens und Leidenschaft, voll unbändiger Kraft, voll schöpferischer Fruchtbarkeit. Wir Katholiken wissen uns als Glieder dieses Reiches und erblicken unsere höchste irdische Aufgabe in unserem Dienst am Reich.“ Das „deutsche Blut“ ist für ihn „der substanzielle Träger“ christlicher Wirklichkeit. „Um des Gewissens willen dienen wir dem neuen Reich mit allen unseren Kräften, mag kommen, was will.“

Adams positive Haltung zu Hitlers Regime ist lange bekannt. Gerhard Besier zählt ihn in seinem Buch „Die Kirchen und das Dritte Reich“ zu den „von der völkisch-nationalsozialistischen Ideologie begeisterten Theologen.“ Und der Tübinger Kirchenhistoriker Klaus Scholder erkannte in Adams Schriften eine „entschiedene Bejahung der nationalsozialistischen Rassenpolitik“.

Im Interesse einer Vereinbarkeit von Katholizismus und Nationalsozialismus relativierte Adam auch den Sündenbegriff. „Um dem nationalsozialistischen Gedanken eines Herrenmenschentums entgegenzukommen, behauptete Adam, dass die menschliche Natur durch die Ursünde nicht verdorben und die Kräfte des Menschen nicht geschwächt seien“, schrieb Lucia Scherzberg vor kurzem im „Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon“. Scherzberg, die sich 2001 in Tübingen habilitiert hat und seit 2003 als Theologin an der Universität des Saarlandes lehrt, belegt Adams „bewusste Entscheidung zur Kooperation mit dem Nationalsozialismus“.

„Adam hat sich nie ? weder explizit noch implizit ? von seiner nazistischen Vergangenheit distanziert“, erklärt Horst Junginger. „Ganz im Gegenteil stilisierte er sich als Opfer des NS-Regimes“, stellt der Tübinger Religionswissenschaftler fest. Dass Adam 1951 das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, hält Junginger für „eine groteske Fehlentscheidung, die wohl nur auf die allgemeine politische Stimmungslage in der Adenauerära zurück geführt werden kann“.

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Erstellt:
17. Juni 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Juni 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2009, 12:00 Uhr

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