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Streit nach dem Fund des Schatzschiffes "San José"

Karibik vor neuem Goldrausch

Der Jubel über den Fund ist noch nicht verklungen, da tauchen erste Fragen auf: Wie soll es nach der Lokalisierung der Galeone "San José" und ihrem sagenhaften Schatz vor Kolumbiens Küste weitergehen?

08.12.2015
  • TOBIAS KÄUFER

Bogotá. Kaum hatte Präsident Juan Manuel Santos die frohe Botschaft vom Fund des historischen Schiffes "San José" in kolumbianischen Gewässern verkündet, da gibt es erste Probleme. Und zwar nicht nur technischer Art. Es meldeten sich auch schon potentielle Mitbesitzer.

Die US-amerikanische Firma "Sea Search Armada" beansprucht die Hälfte des noch zu bergenden Vermögens und beruft sich auf Vorarbeiten und Verträge. Allerdings hat ein US-amerikanisches Gericht in der Vergangenheit ein ähnliches Ansinnen bereits abgeschmettert. Damals war die "San José" allerdings noch nicht gefunden.

Nun aber, da die zig Tonnen Gold- und Silbermünzen sowie die unzähligen Silberbarren, Smaragde und Goldstücke in greifbarer Nähe scheinen, hat ein Anwalt des Unternehmens Blut geleckt. Eine juristische Auseinandersetzung scheint wahrscheinlich.

Politisch brisant ist indes auch das spanische Anspruchsdenken. Auf eine Meldung der kolumbianischen Medien, dass das spanische Kulturministerium die kolumbianische Regierung wissen ließ, dass sie genauestens über den Fund informiert werden möchte, reagierten die sozialen Netzwerke in Kolumbien empört. Immerhin stammt das Gold und Silber aus dem Besitz indigener Ureinwohner der Region, die von den spanischen Kolonialherren skrupellos ausgeplündert wurden.

Spanien will nun eine einvernehmliche Regelung mit Kolumbien finden. Außenminister José Manuel García-Margallo unterstrich aber zugleich, dass Madrid die Eigentumsrechte beanspruche. "Dies war ein staatliches Schiff, und es gehört dem Staat, unter dessen Flagge es fuhr", sagte der Minister.

Noch spannender ist allerdings die Frage, wie das Schiff überhaupt vom Meeresgrund gehoben und dann irgendwann einmal in einem neuen, schmucken Museum in der kolumbianischen Kolonialstadt Cartagena ausgestellt werden soll. Bislang steht fest, dass das Schiff anhand von eindeutigen Initialen in den Kanonen auf dem Meeresgrund identifiziert wurde. Doch bislang war noch kein Taucher vor Ort, nur eine Spezialkamera hat den Fundort gefilmt. In welchem Zustand die Galeone tatsächlich ist, ob und wie viel Gold und Silber auf dem Meeresgrund liegt und in welchem Zustand das Vermögen sich befindet, das ist bislang noch nicht bekannt. Oder noch nicht veröffentlicht.

Präsident Santos hat viele Details für sich behalten, offenbar fürchtet er, dass ein Run auf die Fundstelle einsetzen könnte. Bekannt ist: Gebaut wurde das Schiff laut historischen Unterlagen vom Spanier Don Pedro de Aróstegui. Sein Sohn Francisco übergab die "San José" schließlich für seinen in der Zwischenzeit verstorbenen Vater 1698 an die spanische Flotte.

Insgesamt 64 Kanonen verschiedenen Kalibers sollten die Verteidigung des Schiffes sicherstellen. "Das wird eine langwierige und schwierige Operation", sagte eine Sprecherin des Präsidentin auf Anfrage dieser Zeitung. "Tatsache ist, dass wir dafür Experten verpflichten werden, die diesen archäologischen Schatz bergen sollen."

Spannend dürfte auch die Frage werden, wie die Schätze sicher an Land gebracht werden. Überfälle auf einen Frachter, der Millionenwerte transportiert, sind heutzutage nicht ausgeschlossen.

Der Fund dürfte allerdings noch eine ganz andere Auswirkung auf die Region haben. Insgesamt 1100 spanische Galeonen befinden sich nach Angaben der kolumbianischen Regierung noch auf dem Meeresgrund. Die Entdeckung der "San José" dürfte nun zu einem neuen Boom von professionellen und semiprofessionellen Schatzsuchern führen, die sich vom Reichtum der Schatz-Galeone inspirieren lassen. Die Karibik steht vor einem neuen Goldrausch.

Wann und wie der Schatz gehoben wird, ist unklar

Die „San José“ ist bereits 1708 gesunken. Warum wurde das Wrack erst jetzt entdeckt? Auf dem Grund der Karibik liegen zahlreiche Wracks aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie gingen in Stürmen unter oder wurden von gegnerischen Kriegsschiffen versenkt. Zu der Zeit kämpften Spanier, Briten und Franzosen um die Kontrolle in der Region. Außerdem machten Piraten die Gewässer unsicher. Die genauen Koordinaten untergegangener Schiffe sind meistens nicht bekannt. Schatzsucher und Historiker können sich nur auf historische Aufzeichnungen stützen.

Wann wird der Milliardenschatz gehoben? Das könnte noch Jahre dauern - wenn er überhaupt existiert. Bisher haben sich die Forscher der Fundstelle nur mit einer Unterwasserdrohne genähert und Aufnahmen von Kanonen und Gefäßen gemacht. Ob es den Schatz im Wert von 3 bis 17 Milliarden US-Dollar wirklich gibt, ist unklar.

Wem gehört das Wrack? Das ist umstritten. Der kolumbianische Staat beansprucht all jene Fundstücke für sich, die er als kulturelles Erbe der Nation ansieht. Was nicht unter das Kulturerbe fällt, kann laut Gesetz bis zu 50 Prozent an Dritte vergeben werden. Damit könnte Kolumbien beispielsweise die Privatfirma entlohnen, die bei der Suche geholfen hat. Aber auch Spanien als Herkunftsland der „San José“, Peru, woher ein Großteil des Schatzes stammt, und Panama, von wo das Schiff zu seiner letzten Fahrt aufbrach, könnten Ansprüche anmelden. dpa

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08.12.2015, 08:30 Uhr
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