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Ottawa

Kanadas Premier muss um sein Amt bangen

Stephen Harper saß fest im Sattel, er hat Kanada verändert wie kaum ein Premierminister vor ihm. Nun droht ihm die Abwahl. Was ist da passiert?

19.10.2015
  • JÖRG MICHEL

Stephen Harper steht mit dem Rücken zur Wand. Seit neun Jahren regiert der Konservative Kanada, doch bei der Parlamentswahl heute droht ihm eine Niederlage: Umfragen zufolge liegt er einige Punkte hinter dem Liberalen Justin Trudeau. Der präsentiert sich im Wahlkampf als jugendlicher Strahlemann - das krasse Gegenmodell des blassen, unnahbaren Harpers, den ehemalige Mitstreiter als detailversessenen Kontrollfreak beschreiben, der jede Akte selbst studiert.

Kanada gilt als freundlich und weltoffen - doch Stephen Harper hat das Land verändert. Er schickte Soldaten in Kampfeinsätze, stärkte die Geheimdienste, schränkte Bürgerrechte ein und erschwerte Einwanderung. Er peitschte das Freihandelsabkommen Ceta durch, trieb den Abbau umweltschädlichen Ölsands voran und kündigte internationale Verträge wie das Kyoto-Klimaprotokoll.

Dabei schreckte Harper auch vor fragwürdigen Aktionen nicht zurück. Dreimal schickte er in seiner Amtszeit das Parlament in Zwangsurlaub, als ihm Abgeordnete zu aufmüpfig wurden. Kritiker aus dem linksliberalen Lager warfen ihm vor, die Verfassung zu beugen und die Demokratie zu verhöhnen. Doch Harper sah alles stets ganz kühl. Die Aktionen dienten seinem Machterhalt und tatsächlich konnte er lange jeden Skandal abschütteln. Bei vielen Konservativen brachte ihm das Respekt. Harper führte das Land weitgehend unbeschadet durch die Finanzkrise. Er forciert das Ölgeschäft und verschaffte damit vielen Familien höhere Einkommen. Harper vermittelte Großstädtern ein Gefühl von Sicherheit und Landbewohnern von Geborgenheit.

Doch im Wahlkampf hat er sich womöglich verkalkuliert. Statt auf seine Wirtschaftskompetenz oder Erfahrung zu setzen, polarisierte der gelernte Volkswirt. Er überzog das Land mit antiislamischen Parolen, schürte Angst vor Flüchtlingen und Fremden. Entzündet hatte sich der Streit an einer Muslima, die zu ihrer Einbürgerungsfeier einen Gesichtsschleier tragen wollte. Harper wetterte dagegen - unüblich für das traditionelle Einwanderungsland Kanada. Seitdem fragen sich immer mehr Bürger: Ist das noch unser Land? 70 Prozent glauben inzwischen, es sei Zeit für einen Wechsel. Zwar sind die Werte mit Vorsicht zu genießen, da das Mehrheitswahlrecht Ergebnisse stark verzerren kann. Eines aber scheint klar: Harpers beste Tage sind vorüber.

Kanadas Premier muss um sein Amt bangen
Zu heftig gegen Fremde gewettert? Stephen Harper muss um sein Amt fürchten. Foto: dpa

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19.10.2015, 12:00 Uhr
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