Ganz unten

"Kampfradler" und die Robin Hoods der Straße

Der Frühling ist da und mobilisiert die Fahrrad-Lobby. Erstes Opfer: Verkehrsminister Peter Ramsauer. Der klagt über "Kampfradler". Kaum hat sich die CSU an die Spitze der Anti-Atomkraft-Bewegung gesetzt, sieht sich die bayerische Partei wachsendem ökologischen Erwartungsdruck ausgesetzt. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) nimmt dabei den christsozialen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ins Visier. "Der Radverkehr wird vernachlässigt", wirft Sprecherin Bettina Cibulski ihm vor und fordert breitere Radstreifen und mehr Schutz für Radler auf der Straße.

11.04.2011

Von WILHELM HÖLKEMEIER UND DPA

Ulm/Berlin Ramsauer sieht sich zu Unrecht attackiert. "Da radeln sie bei mir offene Türen ein", wehrt er sich und verweist auf den mit 100 Millionen Euro im Jahr geförderten Ausbau des Radwegenetzes und die Förderung des Leihradsystems. Doch kann er nicht leugnen, dass er die Pedalritter am liebsten kritisch beäugt. "Offensichtlich müssen viele lernen, dass sie nicht die Robin Hoods der Straße sind", schimpfte er gerade im Interview.

Anlass: Die Sachverständigenorganisation Dekra hatte bei einer Umfrage unter 1600 Verkehrsteilnehmern herausgefunden, dass sich 77 Prozent davon beklagen, Radfahrer ignorierten häufig die Verkehrsregeln. Fast jeder Zweite ist demnach überzeugt, dass Radler Fußgänger oft in Gefahr brächten.

Für den CSU-Minister ein klarer Fall. Es dürfe sich keine "Ich-darf-das-Mentalität" einschleichen, so Ramsauer, der Begriff "Kampfradler" mache bereits die Runde.

Auch frühere Einlassungen waren nicht von Wohlwollen geprägt. Fast 40 Prozent der Radler seien ohne Licht unterwegs, monierte Ramsauer im Dezember düster mit Hinweis auf Stichproben in elf Städten. Er appellierte an die Länder, ihre Polizei strenger auf die Einhaltung der Regeln achten zu lassen. Ein berechtigtes Anliegen - doch tatsächlich ein Thema für den Bundesverkehrsminister?

Peter Ramsauer muss aufpassen. "Die Bayern standen historisch immer auf der Seite der Sieger und wenn das mal nicht der Fall war, haben sie die Seiten gewechselt", schrieb CSU-Chef Horst Seehofer gerade seiner Partei ins Stammbuch und begründete so den jüngsten Öko-Schwenk. Wer sich mit den Radlern anlegt, könnte da bald auf der falschen Seite stehen. . .

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Erstellt:
11. April 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. April 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. April 2011, 12:00 Uhr

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