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Kampfansage im Siegestaumel
Foto: dpa
AfD

Kampfansage im Siegestaumel

Als drittstärkste Partei haben die Rechtsnationalen künftig Anspruch auf viele einflussreiche Posten.

25.09.2017
  • THOMAS BLOCK

Berlin. Im Moment seines Triumphes steht Alexander Gauland neben Beatrix von Storch auf der Bühne eines für die vielen Besucher viel zu kleinen Lokals und wartet, bis seine euphorisierten Anhänger die deutsche Hymne zu Ende gesungen haben. Gauland neigt nicht zu starken Emotionen, zu eindeutigen Gesten und Mimiken. Doch die Genugtuung darüber, es allen gezeigt zu haben, steht ihm heute ins Gesicht geschrieben. „Wir haben es geschafft“, sagt der AfD-Spitzenkandidat um kurz nach sechs. „Wir sind im Deutschen Bundestag, und wir werden dieses Land verändern.“ Vor ihm erheben Dutzende Männer ihre Stimme und skandieren: „AfD, AfD, AfD.“ Jubel.

Erstmals seit den 50er Jahren ist eine rechtspopulistische Partei im Bundestag vertreten, als drittstärkste Kraft. Hinter der AfD liegt ein Wahlkampf am rechten Rand, der über weite Teile islamfeindlich geprägt war und mit gezielten Provokationen arbeitete. Diese Provokationen werden nun auch in den Bundestag einkehren.

Einen Vorgeschmack auf diese Zeit geben die frischgebackenen Bundestagsabgeordneten in spe, Alexander Gauland und Beatrix von Storch, auch gleich. Zumindest von seiner Rolle in der Opposition scheint Gauland eine recht genaue Vorstellung zu haben: „Wir werden sie jagen“, sagt er. „Wir werden die Regierung vor uns hertreiben.“ Von Storch legt dann gleich nochmal nach und spricht von einer „parteipolitischen Revolution“.

Ihren Einfluss kann die AfD demnächst tatsächlich an vielen Stellen geltend machen. Als drittstärkste Kraft hat sie traditionell Anspruch auf den Vorsitz des Haushaltsausschusses, wird einen beachtlichen Mitarbeiterstab aufbauen können und, sollte es wider Erwarten doch noch auf eine große Koalition hinauslaufen, als Oppositionsführer direkt auf die Reden der Bundesregierung antworten dürfen.

Alice Weidel, das Gesicht des zurückliegenden AfD-Wahlkampfes, trifft um 18.50 Uhr auf der Wahlparty ein und wirkt sehr gelöst. Sie wolle den Wählerauftrag mit „Demut“ annehmen, wolle „liefern“ und bald zur Tat schreiten, sagt sie: „Das erste, was wir tun werden, ist unser Versprechen einzulösen: Wir werden den Untersuchungsausschuss Angela Merkel initiieren.“

„Der Kampf ist noch nicht vorbei“, sagt Alexander Gauland zu seinen Anhängern. Die Arbeit beginnt nun erst, will er damit sagen. Doch tatsächlich ist auch der innerparteiliche Kampf noch lange nicht ausgefochten. Es ist völlig unklar, wie sich die künftige AfD-Bundestagsfraktion aufstellen wird. „Herr Gauland und ich stehen bereit, diese Partei in den 19. Bundestag hineinzuführen“, sagt Weidel.

Da ist es 19 Uhr und ein Name ist bislang noch nicht gefallen: Frauke Petry. Den ehrenamtlichen Wahlhelfern wurde mehrfach gedankt, die Anwesenden dankten sich gegenseitig, die Parteivorsitzende jedoch blieb unerwähnt. Petry gilt als weitgehend isoliert, das Spitzenduo Alice Weidel und Alexander Gauland hat mit dem Ergebnis seinen Machtanspruch zementiert. Seit Wochen halten sich Gerüchte, dass sich die Fraktion bald nach der Wahl aufspalten könnte.

Die Parteispitze und die Spitzenkandidaten werden am Montagmorgen in Berlin vor die Presse treten. Die „Landesgruppe Sachsen der AfD-Bundestagsfraktion“ hat einen eigenen Termin in Leipzig angesetzt. Worum es dabei genau gehen soll, ließ sie offen.

Gratulationen gab es am Abend von der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen. Auch die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) beglückwünschte die Rechtspopulisten in Deutschland. Thomas Block

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25.09.2017, 06:00 Uhr
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